23.12.2019 - 14:55 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Pilgern mit Äbtissin Leatitia Fech

Äbtissin Leatitia Fech ist jetzt zertifizierte Pilgerbegleiterin. Über das Kultur- und Begegnungszentrum (Kubz) der Abtei bietet sie ihre Wanderungen nach christlich spirituellen Grundlagen auf Teilstücken des Via Porta Pilgerweges an.

Der Brunnen im Klosterhof ist der Ausgangspunkt für die Pilger-Wanderungen zusammen mit Äbtissin Laetitia Fech. Wanderschuhe, Rucksack und Pilgerstab warten auf ihren ersten Einsatz im kommenden Jahr.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

"Pilgerbegleitung nach christlich-spirituellen Grundlagen" steht auf dem Zertifikat, das Äbtissin Laetitia Fech als zertifizierte Pilgerbegleiterin ausweist. Für die Ausbildung in Österreich hat sie sich angemeldet, um über das Kultur- und Begegnungszentrum (Kubz) der Abtei den Pilgerweg "Via Porta", der ja direkt am Kloster endet oder beginnt, je nachdem von wo aus man startet, in den Köpfen der Menschen zu verankern und auch, um ein wenig die Kassen der Abtei zu füllen.

Der Wanderweg "Via Porta" ist ein ökumenischer Pilgerweg, der von Volkenroda in Thüringen bis nach Waldsassen in der Oberpfalz führt. Er hat eine Länge von etwa 300 Kilometern und ist in 18 Etappen unterteilt. Und demnächst soll er Zubringer eines Pilgerwegs nach Jerusalem werden.

Äbtissin Laetitia Fech ist "ärztlich zertifizierte Fastenbegleiterin"

Waldsassen

"Und das ist außerdem etwas, das ich auch dann noch machen kann, wenn ich einmal keine Äbtissin mehr bin. Zudem bin ich ohnehin eine begeisterte Wanderin", verrät Laetitia Fech. Die Ausbildung und die erfolgreiche Prüfung zur Pilgerbegleiterin hat die Klosterchefin ei der Diözese in Linz absolviert. In Österreich sei Pilgerbegleitung schon lange ein Thema, sagt die Äbtissin, in Deutschland sei sie erst im Kommen.

Viele Privatleute machten die Ausbildung und könnten dann mit ihrem Zertifikat ihre Dienste, zum Beispiel bei Touristinformationen von Städten und Gemeinden, anbieten. Von den über 20 Teilnehmern des Kurses waren mehrheitlich weltliche Leute beteiligt. Nur die Waldsassener Klosterchefin und ein Benediktinermönch kamen aus dem klösterlichen Bereich.

Pilgern ist mehr als nur Wandern

Für 2020 hat die Äbtissin gebot in ihrer neuen Tätigkeit im Portfolio des Jahresprogramms des Kubz. Von Dienstag, 14. April 2020, bis Samstag, 18. April 2020, heißt das Motto, "Pilgern regional - eine ,Kultour' auf den Spuren der Zisterzienser durchs Stiftland und Tschechien - drei Tage auf dem ,Via Porta' - ein neuer Weg des Friedens, der Versöhnung und der Ökumene durch eine alte Kulturlandschaft." Maximal acht Teilnehmer wird die Äbtissin auf ihrer ersten Tour führen.

Pilgern gehe weit über das reine Wandern hinaus. Wesentlich bei dieser christlich spirituellen Variante sei ein geistlicher Impuls. Es gehe dabei um Achtsamkeit mit allen Sinnen, bewusst einen Schritt vor den anderen zu setzen sowie Leib, Seele und Geist zur Ruhe kommen zu lassen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. "Als Klosterfrau habe ich den Vorteil, dass das alles Dinge sind, auf die man im Kloster ohnehin besonderes Augenmerk legt." Sechs Module beinhaltete die Ausbildung in Österreich. Dazu gehörten unter anderem auch Projektmanagement und Marketing. Beides Dinge, die der Äbtissin ebenfalls nicht fremd sind und die sie bei ihren Großbaustellen oft zielführend eingesetzt hat.

Der Gemeinschaftsraum in der Pilgerherberge im ehemaligen Sudhaus im Mühlenviertel.

Drei Teil-Etappen ausprobiert

Die Ausbildung begann im Oktober 2018 und endete im September diesen Jahres. Sieben Mal ist die Äbtissin dafür für jeweils eine Woche in verschiedene Klöster nach Österreich gereist. In ihre Projektarbeit investierte sie zwei Wochen ihres Jahresurlaubs. Von den 333 Kilometern des Wegs "Via Portas" zwischen Volkenroda und Waldsassen hat sie die drei Teil-Etappen, die sie bei ihrer Spurensuche anbietet, schon einmal zurückgelegt, gesamt um die 70 Kilometer in der Region und im angrenzenden Tschechien.

Einen Pilgerstab hat sie bereits von ihren Mitschwestern als Geschenk erhalten. Rucksack und Wanderschuhe hat die Äbtissin sowieso schon. Für die Teilnehmer an den Pilgerwanderungen mit der Äbtissin wurden im Obergeschoss des ehemaligen Sudhauses sechs Pilgerzimmer eingerichtet.

Hintergrund:

Die Waldsassener Äbtissin kehrte von einer ihrer Ausbildungsfahrten mit einer kleinen Sensation zurück. Am 27. Juni 2020 wird bei der Eröffnung der Europawoche in Waldsassen der Pilgerweg "Via Porta" als offizieller Zubringerweg an den Jerusalemweg angebunden werden soll. Das kam folgendermaßen: Im Rahmen der Ausbildung zum Pilgerbegleiter referierte Johannes Aschauer, ein junger Österreicher, der von seinem Heimatland in sieben Monaten zu Fuß nach Jerusalem gewandert ist. Er hat sich anschließend zur Lebensaufgabe gemacht aus allen europäischen Ländern Zubringerwege an seinen "Jerusalemweg" anzubinden. Am 3. April hält Aschauer übrigens um 19 Uhr in der Klosteraula einen Vortrag über die Erlebnisse auf "seinem" Jerusalemweg. (tr)

Das Papier, das die Äbtissin als zertifizierte Pilgerbegleiterin ausweist.
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