30.01.2020 - 13:26 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Äbtissin Laetitia Fech ist "ärztlich zertifizierte Fastenbegleiterin"

Glücklich sieht Äbtissin Laetitia Fech aus, als sie das Zertifikat präsentiert: Damit wird die Ordensfrau das Programm der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum (KuBZ) Abtei Waldsassen wesentlich bereichern.

Äbtissin Laetitia Fech hat die Qualifikation zur ärztlich zertifizierten Fastenbegleiterin erworben.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

"Ich möchte für unser KuBZ geistlich etwas anbieten - für Leib, Seele und Geist", sagt die Äbtissin über ihre neu erworbene Zusatzqualifikation zur "ärztlich zertifizierten Fastenbegleiterin". Ende vergangenen Jahres durfte die Zisterzienserin in Niederösterreich das Zertifikat in Empfang nehmen. Künftig werden Teilnehmer besonderer Angebote im Programm der Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen (KuBZ) von den Fähigkeiten der Ordensfrau profitieren. Sie weiß von der verstärkten Nachfrage nach Kursen, die hinführen "zum Wesentlichen und zum Stillen", wie sie sagt.

Im Video: Ein Besuch in der Abtei Waldsassen

Drei Lehrgangsmodule in zwei Mal zwei Wochen - im Juli und Ende August vergangenen Jahres - musste die Äbtissin bis zum Erhalt des begehrten Zertifikats durchlaufen. Die Schulungen fanden statt in der "Fastenwelt" im Kloster Pernegg in Niederösterreich, "der besten Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum", wie die Äbtissin beurteilt. Ausbilder waren der Arzt Dr. Martin Spinka sowie Andrea Löw, die ebenfalls Fastenbegleiterin ist. Beim Abschluss musste die Äbtissin eine Präsentation vor einem Prüfungsteam mit fünf Leuten halten und einen Fragenkatalog abarbeiten.

Waldsassen

Klostermedizin ein Thema

Viel Theorie wurde den Teilnehmern nach den Worten von Äbtissin Laetitia Fech vermittelt: die verschiedenen Formen des Fastens, die Reaktionen des Körpers beim Fasten. "Ganz wichtig ist die Bewegung", erklärt die Äbtissin über das Fasten und spricht von einem gruppendynamischen Prozess. "In der Gruppe ist Fasten auf jeden Fall leichter." Ein Thema im zweiten Modul: Die Traditionelle Europäische Klostermedizin (TEM), die künftig auch in Waldsassen eine größere Rolle spielen wird.

Bei den Kursangeboten unter ihrer Leitung will Äbtissin Laetitia Fech die fastenden Gäste auch von den anderen im Haus St. Joseph trennen. "Die Menschen müssen in einen stilleren Bereich", sagt die Ordensfrau und meint: "Es geht um Leib, Seele Geist. Nicht nur um den Leib." Nur so könne man zu einer inneren Lebensänderung kommen. "Das Allerwichtigste ist nicht nur das Abnehmen."

Bei den Besuchern, die nach Waldsassen ins Kloster zum Fasten kommen, will Äbtissin Laetitia Fech einen Faszinationseffekt auslösen, wie sie sagt. Die Menschen sollen begeistert werden davon, dass sie für ihre Gesundheit und für ihr Leben und für ihre Körper etwas Nachhaltiges und etwas Gutes tun. "Der Körper ist darauf eingestellt, auch auf etwas zu verzichten."

"Das ist das Neueste", sagt die Äbtissin über das sogenannte Autophagie-Fasten - 16 Stunden nichts essen, 8 Stunden normal essen. "Autophagie kommt aus dem Griechischen und bedeutet, dass die Zellen sich gegenseitig auffressen." Es beginne ein Prozess, bei dem die Ballaststoffe der Zellen - die Zellablagerung - vom Körper selbst gereinigt werden.

Wohltat für den Körper

"Ich finde es faszinierend was im Körper passiert, wenn er fastet." Es sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass im Gehirn Ablagerungen auf diesem Weg auch beseitigt werden. "Es ist die beste Prävention gegen Gicht, Rheuma, Demenz, Alzheimer." Menschen könnten für ihren Körper das Allerbeste tun, wenn sie einmal im Jahr eine Woche fasteten.

Fasten für Gesunde dauert zwischen vier und zehn Tage: In Waldsassen geschehe dies jeweils unter Aufsicht eines Arztes, Dr. Hermann v. Hoesslin aus Hof. "Er ist unserem Haus schon mehrere Jahre verbunden", erklärt die Äbtissin über die Zusammenarbeit und nennt seine Anwesenheit während des Fastens beruhigend. Einmal im Jahr bietet die Äbtissin das Klosterfasten an, in den Wochen zwischen Fasching und Ostern, "wenn das Wetter es zulässt auch mit Bewegung im Freien".

Denn das Allerbeste beim Fasten sei die Bewegung an der frischen Luft und in der Natur, weiß die Äbtissin. "Durchs Bewegen vergesse ich, dass ich grad nichts esse." Außerdem unterstütze dies den Reinigungsprozess im Körper, erklärt die Äbtissin. Damit schließt sich der Kreis zum Pilgern: Vergangenes Jahr hat die Äbtissin die Prüfung zur zertifizierten Pilgerbegleiterin abgelegt.

Äbtissin Laetitia Fech mit dem Prüfungsteam bei der Zertifikatsübergabe.
Zusammen mit zwölf weiteren Prüflingen erwarb Äbtissin Laetitia Fech das Zertifikat, nach dessen Erwerb sich die Ordensfrau ärztlich zertifzierte Fastenbegleiterin nennen darf.
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