Zur Festhalle umfunktioniert wird das Feuerwehrgerätehaus in Waldsassen zu besonderen Anlässen. Ein solcher ist der 70. Geburtstag, den Dr. Wolfgang Fortelny dort am Freitag, 28. Juli, feiert. Seit Februar 1994 ist der Waldsassener Vorsitzender des Feuerwehrvereins. Vielseitig engagiert ist "Fo", wenn es um Hilfe von Menschen in Not geht. Oder um sicherzustellen, dass Hilfe möglich bleibt – wie jüngst bei der Petition für den Erhalt des Notarzt-Standorts Waldsassen.
"Seit 20 Jahren läutet mein Wecker um 5.30 Uhr", verrät Fortelny, wie sein Tag beginnt. Um 6 Uhr trifft das Personal in der Gemeinschaftspraxis ein, die der Internist und Kardiologe zusammen mit seinem Bruder Dr. Kurt Fortelny betreibt. Von 6.30 bis 16.30 Uhr dauert der Arbeitstag, ohne Pause. "Und zunehmend Notfälle, die wir zusätzlich reinkriegen."
Sorge wegen ärztlicher Versorgung
Sein Alter sei keine Belastung, erklärt Fortelny im Gespräch mit Oberpfalz-Medien und verweist auf Dr. Bertram Völkl. "Der ist topfit und übernimmt mit 82 Jahren noch Notarzt-Dienste." Froh ist Fortelny, wenn er morgens den Wecker hört. Er weiß, welche Alarme den Notarzt um diese Zeit erreichen – Schlaganfälle, halbseitige Lähmungen oder Schlimmeres. "Du musst jeden Tag dankbar sein, dass du gesund bist." Auch beim Schlafengehen sollte jeder dem Herrgott danken, sagt der gläubige Christ. Jeden Sonntag könne er aber nicht in der Kirche sein, sagt er im Hinblick auf seine Blaulicht-Einsätze. Acht bis zehn Notarzt-Nachtschichten übernimmt er im Monat, zusätzlich zum Dienst in der Praxis.
Dass ihm die ärztliche Versorgung in der Region Sorgen bereitet, spricht der Mediziner offen aus. Es gebe immer weniger Ärzte; Patienten kämen von immer weiter her nach Waldsassen. Immer weniger Krankenhäuser etwa hätten die Zulassung, um Darmspiegelungen durchzuführen. "Das müssen wir irgendwie auffangen." Die Folge seien längere Wartezeiten, doch dies sei problematisch: "Hinter jedem Befund kann ein Tumor stecken", sagt er und erklärt, dass die Endoskopie körperlich schwere Arbeit bedeutet.
Die Arbeitsverdichtung gehe an die Grenzen. Aufzuhören von einem Tag auf den anderen ist für ihn aber keine Option. Klare Vorstellungen hat Fortelny über seine persönliche Zukunft als Facharzt für Innere Medizin. "Mein Ziel ist, ab nächstem Jahr pro Jahr einen Tag weniger in der Woche zu arbeiten." Dann hätte er einen Tag mehr frei pro Woche; doch er wolle arbeiten, so lange er dazu in der Lage sei. Dazu müssten aber noch Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu gehört auch, dass Tochter Katharina in die Praxis mit einsteigt. Sohn Johannes ist Physiotherapeut und in der Praxis-Organisation tätig.
Vor allem das Gelände der Familie Fortelny am Rande Waldsassens mit dem Teich und der Halle, in der historische Feuerwehrautos geparkt sind, schenkt dem Familienoberhaupt Ausgleich zu den beruflichen Anforderungen. "Ich bin jeden Tag herunten und schaue nach." Auch die Enkel kämen zu Besuch. "Ich müsste viel mehr Zeit für sie haben", sagt der Großvater und freut sich dann doch irgendwie darauf, in der Praxis kürzer zu treten – wenn denn sein Plan aufgehen sollte.
"Nicht daheim und doch zu Hause"
Fortelny ist froh, dass seine Jungs Michael und Johannes ihm bei der Arbeit auf dem Grundstück helfen. Im Backofen backt Michael, im Hauptberuf Veterinärmediziner, Brot. In einem überdachten Bereich, in dem die stattlichen Olivenbäume überwintern, steht auf einer der Biertisch-Garnituren ein Notebook: Arbeiten, die der Mediziner tagsüber nicht schafft, erledigt er dort ungestört. "Das ist mein Motto", zeigt der Chef auf die Bank: Das Kissen darauf trägt die Aufschrift "Nicht daheim und doch zu Hause".
"Urlaub länger als 14 Tage kann ich mir nicht vorstellen", verrät der fitte Siebziger. Unvorstellbar wäre für ihn eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff, "weil ich da eingesperrt bin". Flüge seien auch nicht sein Ding. Der Gardasee und Verona seien bevorzugte Ziele, dann Österreich. "Dreimal im Jahr ist das Minimum", erklärt Fortelny etwa über die Fahrten nach Wien. "Dort hatten wir früher Verwandte." Vor Jahren, verrät Fortelny, war er auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela zum Pilgern. Dies würde er gerne einmal wiederholen, aus einem besonderen Grund. "Ich habe seit meinem 14. Lebensjahr keine Armbanduhr und weiß trotzdem ungefähr, wie spät es ist", erklärt Fortelny über die Präzision seiner "innere Uhr". Aber damals, auf dem Pilgerweg, habe er die Zeit nach wenigen Tagen vergessen.
Durch Italien führt gleich nach seinem Geburtstag am Freitag auch eine längere Radtour mit Begleitern – "400 Kilometer in 6 Tagen – mit einem Ghost-Rad, weil ich Waldsassener bin". Dann bleiben dem Mediziner bis zur Rückkehr in die Praxis noch drei freie Tage, an zweien davon hat er Notarzt-Dienst. Nach dem Sommerfest der Feuerwehr warten am Montag wieder die Aufgaben in der Gemeinschaftspraxis.
Kein traumatisierender Einsatz
Als eine der größten Enttäuschungen der vergangenen Jahre benennt Fortelny den Verlust des Krankenhauses Waldsassen. Spätestens jetzt hätte es keine Chance mehr, so Fortelny über die anstehende Reform. "Wir sind jahrelang nebeneinander gesessen", erinnert Fortelny an den verstorbenen Rainer Fischer und beider Kampf im Aufsichtsrat der Kliniken AG für den Erhalt der medizinischen Versorgung in der Region. Ein schwerer Verlust gewesen sei auch der Tod von Otto Weiß. Der Schreinermeister war ihm bei der Restaurierung der Feuerwehr-Oldtimer bei den Arbeiten mit Holz stets eine große Hilfe.
Viele Notarzt-Einsätze seien dramatisch gewesen; traumatisiert wurde er bisher noch von keinem. "Es ist immer erfreulich, wenn man helfen und beruhigen kann." Dabei sei ihm seine Erfahrung ein großer Vorteil, sagt er. Es gehöre aber auch manchmal dazu, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.
Zur Person: Dr. Wolfgang Fortelny
- Funktionsoberarzt am damaligen Krankenhaus Waldsassen nach dem Studium ab 1984
- Facharzt-Ausbildung in Fürth nach vier Jahren und Rückkehr ans Krankenhaus im Jahre 1991
- Eröffnung der Praxis für Innere Medizin an der Mitterteicher Straße 1993
- Notarzt seit 1988 (Gründung Notarzt-Standort Waldsassen), seither Koordinator der Dienste in Waldsassen
- Geburtstagsfeier im engsten Familienkreis mit Ehefrau Elisabeth, Kindern und Enkelkindern auf dem Freizeitgelände der Familie, abends Party im Feuerwehrgerätehaus Waldsassen















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