03.09.2019 - 17:00 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Sammeleinwendung gegen Trasse

Seit Jahrzehnten kämpft die Bürgeraktion "Mitmachen lohnt" gegen die Verlegung der B299 auf die frühere Bahntrasse und für eine weiträumige Umgehung. Jetzt will sie eine Sammeleinwendung vorlegen, zu unterzeichnen bis zum 12. September.

Die verlegte Bundesstraße 299 würde teils abgesenkt auf der ehemaligen Bahntrasse verlaufen - hier im Bild der Abschnitt der Schützenstraße, der unterquert würde.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Ein mehrseitiges Schreiben hat die Bürgeraktion (BA) "Mitmachen lohnt - echte Umgehung - tatsächliche Entlastung" verfasst, in dem sie sich für einen Stopp des Planfeststellungsverfahrens ausspricht. "Wir fordern eine echte Umgehung, die den Menschen und dem Verkehr gerecht wird! Jede Stimme zählt gegen die menschenfeindliche Trasse durch unsere Stadt!", heißt es wörtlich. Das Schreiben soll zusammen mit den Unterschriften an die Regierung der Oberpfalz gehen.

Erneut erhebe man "in aller Deutlichkeit" Einspruch gegen die auf dem ehemaligen Bahndamm geplanten Trasse, so die BA. "Der Mehrheitswille der Waldsassener Bevölkerung wird seit nunmehr fast 30 Jahren durch irrsinnige Planungen ignoriert", betonen die Verfasser und erinnern an einen Gerichtsbeschluss von 2003, den Bürgerentscheid von 2009 und Planungen im Bundesverkehrswegeplan. Weiter heißt es im Schreiben: "Wir Waldsassener Einwohner wehren uns weiterhin entschieden gegen diese Trasse - es wird eine Umgehung benötigt und kein stadtzerteilender Autobahnzubringer, der unwiderruflich die gesamte Stadt in ihren Strukturen auf Dauer zerstören würde und schwerwiegende Folgen für jeden einzelnen Einwohner - dieser und jeder nachfolgenden Generation - zur nachteiligen Folge haben würde!"

Zweiteilung der Stadt

Die Bürgeraktion kritisiert unter anderem, dass die fertige Trasse nur an drei Stellen gefahrlos passierbar wäre. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad müssten Umwege von Hunderten Metern zurückgelegt werden, um die nächste Querungshilfe zu erreichen. "Diese Planung zerstört soziale Kontakte. Alltägliches Leben wird massiv erschwert", beklagen die Verfasser. Die Trasse würde die Stadt und die gesamte Bevölkerung zweiteilen.

"Die Kulturstadt Waldsassen wird mit Schallschutzwänden von enormer Höhe bestraft!", betont die BA und verweist gleichzeitig darauf, dass nicht alle Anwohner durch Baumaßnahmen geschützt würden. Und ein Teil des Lärms und der Abgase würde sich über das gesamte Stadtgebiet verteilen. Problematisch sei auch, dass Waldsassen in einem Talkessel liege. Kritik üben die Verfasser zudem an den ihrer Ansicht nach unzureichenden Emissions-Berechnungen. "Österreich verhängt zum Schutze seiner Bürger Durchfahrtsverbote - wir sollen den Fernlastverkehr in stetig steigenden Ausmaßen mitten in unserer Stadt erdulden und uns tagtäglich Gesundheitsgefahren aussetzen!", heißt es wörtlich. Die Bürgeraktion beklagt weiter, dass sich jede Hochrechnung des Verkehrsaufkommens durch das Straßenbauamt in der Vergangenheit als falsch erwiesen habe.

Schwerwiegende Folgen sieht die Bürgeraktion auch durch die jahrelange Dauer der Bauarbeiten: "Sechs Jahre geplante Bauzeit werden unserer Heimatstadt den Todesstich versetzen." Zu befürchten seien eine unerträgliche Verkehrslage, starke Beeinträchtigungen des Alltags durch nicht mehr passierbare Wege, Werteverluste von Immobilien, die Abwanderung von Einwohnern mit unabsehbaren Folgen für die Zukunft sowie der Einbruch des Tourismus.

Planungen aufgeben

Auf der letzten Seite des Schreibens ergeht erneut der Appell, die laufenden Planungen aufzugeben. "Für die, die hier und jetzt leben und auch für diejenigen, die nach uns kommen und Waldsassen als Heimat betrachten möchten und nicht als den Ort mit der größten Straßenfehlplanung, die dieses Land jemals gesehen hat!" Es gehe hier nicht um größtmöglichen Profit für osteuropäische Speditionen oder das Durchringen politischer Interessen, die permanent den Mehrheitswillen der Bürger ignorierten, sondern um Menschen und die Erhaltung ihrer Gesundheit. Dabei verweist die Bürgeraktion auf die Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes und schreibt: "Was hier seit nunmehr fast 30 Jahren geplant wird, ist gegen jede menschliche Würde und eine bewusste, wissentliche Schädigung der Gesundheit eines jeden einzelnen Bürgers der Stadt Waldsassen!" Zum Ausdruck bringt die BA nicht zuletzt, dass die "Null-Lösung", mit der den Einwohnern von der CSU seit Jahren Angst gemacht werde, von offizieller Seite ausgeschlossen worden sei.

Unterschreiben können Bürger die Sammeleinwendung bei "Blatt & Blüte" (Münchenreuther Straße 12), in der Heilpraktiker- und Physiopraxis Kolk (Liststraße 17) und im "Kunstfleckerl" (Prinz-Ludwig-Straße 30). Dort ist auch jeweils der vollständige Text des Schreibens nachzulesen.

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