27.02.2020 - 16:13 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Sárka Zemanová legt nach 28 Jahren die Schere weg

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Die Erinnerungen an den Fall des Eisernen Vorhangs waren noch frisch, als Šárka Zemanová das erste Mal nach Waldsassen kam. Seit 28 Jahren sorgt sie im Salon Kliebhan für flotte Herrenfrisuren. Doch jetzt legt sie die Schere beiseite.

Nach 28 Arbeitsjahren im Frisörsalon Kliebhan geht Šárka Zemanová in Ruhestand. An diesem Freitag ist ihr letzter Arbeitstag. Angela und Alfons Kliebhan überreichten Blumen und ein Präsent.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Die Erinnerungen an den Fall des Eisernen Vorhangs waren noch frisch, als Sárka Zemanová das erste Mal nach Waldsassen kam. Seit 28 Jahren sorgt sie im Salon Kliebhan für flotte Herrenfrisuren. Jetzt legt sie die Schere beiseite. Mit dem sprichwörtlich "lachenden und weinenden Auge" ist sie an diesem Freitag zum letzten Mal an ihrem Arbeitsplatz: Die 66-jährige Frisörin geht in Ruhestand. Blumen und ein persönliches Präsent überreichten Alfons und Angela Kliebhan der langjährigen Mitarbeiterin zum Abschied.

"Für die Kunden ganz schlimm"

"Wir freuen uns für sie, aber es ist schwer. Und für die Kunden ist es ganz schlimm", weiß Angela Kliebhan schon jetzt, dass Sárka künftig vermisst werden wird - von den Mitarbeitern im Geschäft sowie von den Kindern, Jugendlichen und Männern aus Waldsassen und Umgehung: Ihnen schnitt die Frisörin über die vielen Jahre hinweg die Haare. Annähernd drei Jahrzehnte - so lange, wie der Grenzübergang Waldsassen-Eger geöffnet ist - arbeitete sie in dem Waldsassener Geschäft - früh bis abends am Dienstag, Mittwoch und Freitag. Dabei war sie schon ein Jahr länger tätig, als eigentlich bis zur Rente nötig wäre. Doch nun ist definitiv Schluss, auch aus gesundheitlichen Gründen. Sárka Zemanová freut sich auf die gemeinsame Zeit mit Ehemann Milan, der seit sechs Jahren in Rente ist. Auf die Zeit in Waldsassen blickt sie zufrieden zurück. Allerdings war der Start in Waldsassen nicht leicht, wie sie im Gespräch freimütig bekennt.

"Bei mir war alles in Ordnung"

In dem kleinen Dorf Střížov (früher Triesenhof) bei Franzensbad kam sie zur Welt und blieb bis heute dort. Eigentlich, so verrät sie im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, war es nicht ihr Ziel, in Deutschland zu arbeiten. Doch der Zufall wollte es anders. "Ich hatte keine Ahnung, was ich hier sollte", erinnert sich Sárka Zemanová an die Zeit nach der Grenzöffnung. "Bei mir war alles in Ordnung." Schon damals hatte sie, die in der Fachschule in Karlsbad Damen- und Herrenfrisörin lernte, in einem staatlichen Betrieb mit 40 Salons in Eger und Franzensbad gearbeitet. "Aus der ganzen Umgehung kamen die Kunden. Es gab immer viel zu tun." Jetzt gibt es noch drei dieser Salons.

Als die Läden privatisiert werden sollten, reifte in Sárka der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung. In Waldsassen kam sie ins Geschäft von Anton und Brigitte Kliebhan und wollte dort zunächst nur eine Haarschneidemaschine kaufen. Der Meister bot ihr an, im Laden zu arbeiten. "Sie können bleiben, bis ich in Rente gehe", erinnert sich Sárka an die Worte des Seniorchefs. Das war vor 15 Jahren, seither leitet Alfons Kliebhan mit seiner Frau Angela das Frisörgeschäft.

Sárka, die von ihren Kunden nur beim Vornamen genannt wurde, sprach damals schon Deutsch und hat ihre Sprachkenntnisse in Waldsassen erweitert. Denn zuerst sei es nicht so leicht gewesen mit der Kommunikation. "Das war nicht Deutsch. Ich dachte, ich bin hier nicht richtig", erinnert sie sich an die Schwierigkeiten mit dem Dialekt. "Das war eine Katastrophe", lacht Sárka heute darüber.

Zeit nach Wende nicht einfach

Die Zeit nach der Wende sei für sie auch aus anderen Gründen nicht einfach gewesen. "Es gab hier andere Gewohnheiten, ich musste die Familie alleine lassen." Aber inzwischen habe sich alles gut entwickelt. "Ich hatte super Arbeitskollegen", sagt Sárka. "Sie haben mir immer geholfen, wenn ich etwas wissen wollte."

Als besonders schönes Erlebnis bleibt für die künftige Ruheständlerin in Erinnerung, dass die Kunden mit ihrer Arbeit zufrieden waren. "Das war mir sehr wichtig." Vielen ihrer Kunden hat sie erzählt, dass sie jetzt aufhört. "Das ist auch schwer für mich", sagt sie und bedauert, dass sie sich nicht von allen Kunden hat verabschieden können.

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