Leise schlich sich ein lauer Weihrauchduft in den Geruchssinn. Es war jener Duft, der in allen Gotteshäusern in jede Pore kriecht, um nie mehr zu weichen. Ein Blick nach oben zu den Kirchenmalereien, Fresken und Putten bestätigte die Gewissheit des heutigen Privilegs, Kirchenkunst im Liegen zu erleben: Draußen tobte am Bürgerfest der Bär, während für eine halbe Stunde in der Basilika absolute Stille herrschte, absichtlich herbeigerufen für eine außergewöhnliche Schlafaktion.
Eingeladen hat das Kunstprojekt Badehaus Maiersreuth. 23 Männer und Frauen nahmen teil, geleitet von der Wiener Künstlerin Anne Glassner. In der Basilika folgten die 23 Personen der Aufforderung der Wienerin, zur Ruhe zu kommen, Stille zu fühlen oder sich fallen zu lassen, auch um den Ort des Geschehens bewusster wahrzunehmen. Während einige Meditation übten, andere die Gemälde über sich studierten und wieder andere mit geschlossenen Augen Tiefgang suchten, wurden leise Schnarchtöne laut.
Jeder für sich fand seinen persönlichen Zugang zu dieser Aktion, als am Ende Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter an der Orgel zuerst zart und einfühlsam, dann lauter werdend bis zum Dröhnen der Pfeifen den Weckruf anstimmte. Glassner studiert unter anderem mit ihren Aktionen menschliches Körperverhalten in Verbindung mit Architektur und Stille. Durch das kollektive Ruhen verwandle sich der Kirchenraum vorübergehend in einen Ort gemeinsamer Intimität, Verletzlichkeit und Imagination, sagt sie. Gleichzeitig wurde das Geschehen fotografisch dokumentiert, im Einverständnis aller.
Das entstandene Material macht die Künstlerin unter dem Titel „Collektive nap“ öffentlich. Gezeigt wird es auch im Landkreis bei einer Ausstellung im Herbst im Badehaus Maiersreuth, an der Anne Glassner mit ihren Arbeiten beteiligt sein wird.













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