06.11.2020 - 12:13 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Mit der Skulptur „Zielgerichtet“ in die Zielgerade

Das Geheimnis ist gelüftet, auch wenn die Feier vorerst ausbleiben muss: Als erster Kunstpreisträger des Vereins Kunsthaus Waldsassen wird Hans-Georg Schulze gefeiert.

Hans-Georg Schulze, der strahlende Träger des ersten Kunstpreises, vergeben vom Verein Kunsthaus Waldsassen, zeigt stolz seine Skulptur ""Zielgerichtet". Mit dieser Arbeit konnte er die Jury überzeugen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Die Überraschung war gelungen. Als Hans-Georg Schulze, Künstler aus Tirschenreuth, das Kunsthaus Waldsassen betrat, um seine ausgestellten Werke nach Beendigung der Gemeinschaftsausstellung wieder abzuholen, wurde er gebeten, die Skulpturen bitte einen Moment an Ort und Stelle stehen zu lassen. „Man müsse ihm etwas mitteilen“, lautete die Erklärung.

Hans-Georg Schulze kam der Bitte gern. Kurz darauf wurden seine Augen immer größer. Vorsitzender Wolfgang Horn teilte dem 89-jährigen Meister der Keramikplastiken mit, dass er als Träger des in der Vereinsgeschichte erstmals verliehen Kunstpreises Waldsassen nominiert worden sei. Hans-Georg Schulze konnte diese schöne Nachricht zuerst gar nicht richtig glauben und fragte, ganz im Stil seines feinsinnigen Humors und aufgrund seines Alters, ob es sich hier um einen Ehrenpreis handele. Horn beteuerte lachend, es handele sich wirklich um den neuen Kunstpreis des Vereins.

Würdigung des Lebenswerks

Die fünfköpfige Jury habe sich – noch vor den verschärften Corona-Beschränkungen im November – anhand eines Punktekatalogs für Schulzes Bronzeskulptur „Zielgerichtet“ entschieden. Diese Arbeit habe sich letztendlich aus über 60 Werken von 25 Künstlerinnen und Künstlern der Gemeinschaftsausstellung als preiswürdig herauskristallisiert.

„Jetzt bin ich erst einmal total überwältigt“, sagte Hans-Georg Schulze, sichtlich glücklich über diese Überraschung. Er fühle sich sehr gerührt und geehrt, meinte Schulze weiter. Für den pensionierten Zahnarzt aus der Kreisstadt ist der Kunstpreis die erste offizielle Auszeichnung seiner Schaffenskraft in dieser Form und eine schöne Würdigung seines Lebenswerks.

Jetzt bin ich erst einmal total überwältigt.

Hans-Georg Schulze

Auch der Verein betritt damit Neuland und hat eine Anerkennung für regionale Künstler ins Leben gerufen, die einmalig in der weitläufigen Oberpfälzer Region sein dürfte. Momentan wird bis über die Region Weiden hinaus in Institutionen, den Kunstvereinen oder aus Kulturförderungen kein weiterer Kunstpreis vergeben. Hans Georg-Schulze hatte Verständnis dafür, dass der entsprechend feierliche Rahmen einer Preisverleihung mit Überreichen des Preises nebst Urkunde und Preisgeld wegen des Lockdowns auf unbestimmte Zeit verschoben werden muss.

Applaus im kleinen Kreis

Im kleinen Kreis wurde dem Preisträger anerkennender Applaus gespendet. Vorsitzender Wolfgang Horn stellte heraus, dass sich die Jurymitglieder nicht deshalb für Schulzes Plastik entschieden habe, weil er das älteste Mitglied sei. „Die Jury bekam keine Altersangaben für die Auswahl vorgelegt."

Nach den Worten von Horn haben unter anderem Kreativität und die künstlerische Qualität, entsprechend der Vorgaben des Punktekatalogs, eine deutliche Sprache bei der Preisvergabe gesprochen.“ Wolfgang Horn gratulierte Schulze diesmal - weil nicht erlaubt wegen Corona - ganz ohne Händedruck, aber deshalb nicht weniger herzlich.

Vor der Auswahl des Preisträgers war eine Jury im Kunsthaus unterwegs

Waldsassen
Hans-Georg Schulze bei der Arbeit. Seine Plastiken und Skulpturen entstehen in seiner Werkstatt, die er sich in seiner Garage eingerichtet hat.
Vereinsvorsitzender Wolfgang Horn gratulierte dem Preisträger Hans-Georg Schulze (von links) herzlich und versprach, dass eine stilvolle Preisverleihung sobald wieder möglich nachgeholt wird.
Hans-Georg Schulze, dessen Plastiken wie 3D-Karikaturen auf den Betrachter wirken, hat tatsächlich in jungen Jahren als Student Karikaturen gemalt. Seine frühen Werke hat er in einem Buch zusammengestellt zur Erinnerung.
Hintergrund:

Hans-Georg Schulze ist 89 Jahre alt. Er ist in Westpreußen geboren und war in Tirschenreuth als Zahnarzt tätig. 1993 ging Schulze in Ruhestand und widmet sich im späten Alter von 74 Jahren erstmals den schönen Künsten. Nach rund zehn Keramikkursen gemeinsam mit seinem Freund Karlhans Bergauer intensivierte Schulze seine Schaffenskraft mit unzähligen ausdrucksstarken Plastiken. Neben den Materialen Keramik und Bronze verwendet der Künstler auch Holz und Metall. Seine Werke wirken wie 3D-Karikaturen. Stets haben die figürlichen Darstellungen einen eigenwilligen Charakter, oftmals mit witzigen Details. Schulzes Handschrift ist unverkennbar. An den filigranen Skulpturen arbeitet er äußerst akribisch und lässt dabei seiner unaufhaltsamen Kreativität freien Lauf. Diese und andere Talente des Künstlers führten zur Entscheidung der Jury. Schulze ist Mitglied in den Vereinen Kunsthaus Waldsassen e. V. und Kunstverein Tirschenreuth. Seine Werke hat in Gemeinschaftsausstellung und Einzelausstellungen unter anderem in Weiden, Tirschenreuth, Waldsassen und Paris mitgewirkt. Schulze erhält einen vom Kunstverein gestalteten Kunstpreis, eine Urkunde, den Titel „1. Kunstpreisträger Kunsthaus Waldsassen 2020“ und als Preisgeld 444 Euro.

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