28.04.2021 - 10:05 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Stadtrat Waldsassen hält an Aussichtsplattform fest

Das geschlossene Plädoyer des Stadtrats untermauerte das Vorhaben: In der Nähe des Klosterguts Mitterhof soll die frühere Teich- und Klosterlandschaft erlebbar werden. Jetzt wurde der Beschluss bekräftigt – aus besonderem Grund.

Eine Diskussion über die Verträglichkeit des geplanten Aussichtsturms in der Landschaftswirkung ähnlich wie bei Windkraftanlagen hat die Bauvoranfrage der Stadt Waldsassen beim Landratsamt Tirschenreuth ausgelöst.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Bei der Abstimmung fiel das Votum geschlossen für das Projekt aus: Der Stadtrat Waldsassen will das Aussichtsturmprojekt "Historische Kloster- und Teichlandschaft" weiter vorantreiben. Der erneute Beschluss war nötig, weil die Bauvoranfrage der Stadt Waldsassen beim Landratsamt Tirschenreuth eine Diskussion über die Verträglichkeit des Turms in der Landschaftswirkung auslöste.

Diese sei ähnlich wie bei Windkraftanlagen, so die Vermutung der Verantwortlichen in der übergeordneten Behörde. Der Stadtrat ist aber ganz anderer Meinung und hält das Vorhaben für die weitere Entwicklung für absolut notwendig.

"Wir wären gerne schon weiter"

"Wir wären gerne schon weiter", räumte Bürgermeister Bernd Sommer den schleppenden Fortschritt ein. Sommer bekannte, er sei langsam an dem Punkt angelangt, "wo es mir das Gebiss heraus haut, wenn ich so etwas lese". Denn in Behörden sei kein Platz für persönliche Befindlichkeiten. "Da macht jemand seinen Job nicht richtig."

"Da macht jemand seinen Job nicht richtig."

Bürgermeister Bernd Sommer

Bürgermeister Bernd Sommer

"Jetzt haben wir schon April", sagte Sommer mit Blick auf das schon weit fortgeschrittene Jahr 2021 auf der einen und dem stockenden Verfahren auf der anderen Seite, um wenig später den Anlass für die Verzögerung zu nennen: "Es geht um die Denkmalpflege."

Europäisches Kulturerbe-Siegel

Unabhängig davon untermauerte der Stadtrat am Montag geschlossen sein Bestreben, in der Nähe des Klosterguts Mitterhof die Aussichtsplattform zu errichten. Hintergrund sind die Bemühungen um den Erhalt des Europäischen Kulturerbe-Siegels.

Für die Bewerbung sei der Turm ein wichtiger Baustein, wie es immer wieder hieß. Auch im Beschluss ist dies fixiert: "Der Stadtrat hält die baurechtliche Genehmigung gerade im Hinblick auf die Wertigkeit des Vorhabens auf dem Weg zur Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegel für dringend notwendig."

"Da könntest', wenn du sie nicht schon lange hättest', graue Haare kriegen."

Bürgermeister Bernd Sommer

Das Bauamt am Landratsamt Tirschenreuth müsse im Planungsverfahren alle Stellungnahmen einarbeiten, zeigte Sommer ein gewisses Verständnis für die nötigen Schritte im Verfahren. "Wir wurden gebeten zu besprechen, ob wir den Turm wollen. Und wenn wir ihn wollen, dann kriegen wir wahrscheinlich eine positive Meldung." Mehr wollte Sommer am Montag nicht dazu sagen, mochte sich aber eine Bemerkung nicht verkneifen: "Da könntest, wenn du sie nicht schon lange hättest, graue Haare kriegen."

Geld im Haushalt eingeplant

Sommer bat um ein Votum der Fraktionen. Es seien schon Vorarbeiten geleistet worden, im Haushalt sei dafür Geld eingeplant, so Sommer. In der Stellungnahme der Verwaltung ist dokumentiert, dass die Einschätzungen am Landratsamt nicht haltbar seien: Der Turm sei in filigraner statischer Bauweise geplant. "Das Projekt Aussichtsturm soll ja gerade durch die Benützung die Landschaft erlebbar machen."

Die historische Kloster- und Teichwirtschaft als zukünftiges europäisches Kulturerbe könne mit dem Turm für Besucher intensiv erlebt werden und wirke nachhaltig auch für nachfolgende Generationen hin zum Bewusstsein auch für den Erhalt der wertvollen Kulturlandschaft. "Diese Wirkung und das Erleben wäre bei einer Wanderung durch die Wondrebauen ohne die Möglichkeit dieser Aussicht mit erhöhtem Standort nicht annähernd in der gleichen Weise zu erreichen."

Fraktionen ziehen geschlossen mit

"Solche Punkte sind Magneten für Familien und für Touristen", erklärte für die CSU-Fraktion deren Sprecher Andreas Riedl. "Wir haben keinen Zweifel, dass das hier gut hineinpasst. Wir stehen zu der Geschichte." Einschränkend verwies Riedl aber darauf, dass sich der Aussichtsturm "in das Ganze einfügen" müsse, "unbedingt!", unterstrich der Fraktionschef.

"Wir wollen dort nicht irgendetwas hinstellen, das Ganze soll natürlich auch ins Konzept passen."

CSU-Sprecher Andreas Riedl

CSU-Sprecher Andreas Riedl

"Wir wollen dort nicht irgendetwas hinstellen, das Ganze soll natürlich auch ins Konzept passen." Aber dabei seien sich alle Fraktionen im Stadtrat einig gewesen. Mit einem Architekturwettbewerb sei sicher eine gute Lösung zu erzielen. "Wir wollen den Turm haben, aber nicht um jeden Preis", warb Riedl um die Berücksichtigung der Belange der wertvollen und naturnahen Umgebung. "Das muss auch schon hineinpassen", so Riedl und schlug vor, dies auch im Beschluss zu dokumentieren.

"Wir haben diesen Turm schon als gutes Projekt bewertet."

SPD-Sprecherin Monika Gerl

SPD-Sprecherin Monika Gerl

"Wir haben diesen Turm schon als gutes Projekt bewertet", so Monika Gerl für die SPD. Das Ziel, die Verbindung zwischen Kloster und Teichwirtschaft zu dokumentieren, könne mit diesem Turm an diesem Standort zweifellos erreicht werden. Der Aussichtsturm sei wichtiger Baustein auf dem Weg zum Europäischen Kulturerbe-Siegel und bereits jetzt "eine super Chance für die touristische Entwicklung", wie die Fraktionssprecherin erklärte. Dem Vorschlag von Riedl, bei der Verwirklichung auf die historisch gewachsene Landschaft zu achten, stimmte Gerl zu, wobei er nach ihrem Verständnis aber nicht unbedingt nötig sei. "Es versteht sich von selbst, dass man da nichts hin baut, was nicht hinpasst."

"Wenn jemand einen Turm überhaupt nicht mag, dann haben wir ein Problem."

Freier Wähler Bernhard Lux

Freier Wähler Bernhard Lux

Bernhard Lux (Freie Wähler) riet den Bedenkenträgern bei der übergeordneten Behörde, sich die genaue Lage des geplanten Aussichtsturms und dessen Höhe zu betrachten und mit der Höhe eines Windrads und dessen exponierter Lage in aller Regel auf einem Höhenzug zu vergleichen. "Wenn jemand einen Turm überhaupt nicht mag, dann haben wir ein Problem", ging Lux auf die Bedenken ein und warb dafür, nicht aufzugeben: "Wir sollen versuchen, die Genehmigung für diesen Turm zu bekommen", so Lux im Hinblick auf die weiteren Bestrebungen. "Wir sind da voll dabei."

Harald Hertel (CSU) meinte, die beste Art und Weise die Klosterlandschaft zu erleben, wäre der Blick aus der Vogelperspektive. Dazu müssten aber permanent Hubschrauber über die Klosterlandschaften unterwegs sein, um Gästen die Einzigartigkeit der Region zu verdeutlichen. Dies sei nicht finanzierbar, weshalb der Turm eine gute Alternative wäre. Der Standort, so Hertel, sei wohlüberlegt. Er hielt zum Bau des Turms auch noch den Klosterlandschafts-Erlebnisweg für unverzichtbar. Dann könnte die Aussichtsplattform in den Rundweg mit integriert und zudem weitere Aussichtspunkte vom Boden aus konzipiert werden.

An der Finanzierung des Aussichtsturms beteiligt sich auch der Landkreis Tirschenreuth

Tirschenreuth
In diesem Bereich soll der Aussichtsturm "Historische Kloster- und Teichlandschaft" errichtet werden. Der Stadtrat bekräftigte jetzt noch einmal geschlossen sein Votum für dieses Vorhaben.
Hintergrund:

Stadt Waldsassen nimmt besondere Rücksicht aufs Landschaftsbild

  • Der Grundsatzbeschluss für das Aussichtsturmprojekt ist im Juli 2020 im Stadtrat Waldsassen gefasst worden. Die Verwaltung wurde beauftragt weitere Schritt zu veranlassen und Planungen zu beauftragen.
  • Dem geplanten Standort am Verbindungsweg zwischen Mammersreuther Straße und der Lourdesgrotte wurde in der Sitzung des Bauausschusses im Dezember 2020 zugestimmt.
  • Die Stadt Waldsassen verpflichtet sich mit dem Beschluss vom Montag, hinsichtlich Gestaltung und Architektur auf das umgebende Landschaftsbild besondere Rücksicht zu nehmen.
  • Im aktuellen Haushalt 2021 sind für den Aussichtsturm bereits Mittel eingeplant; die Gesamtkosten betragen 1,1 Mio. Euro.

 

 

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