23.08.2019 - 15:34 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Stätte der Hoffnung und der Sorge

Nach der Schließung der Akutstation zum 1. Juli ist im Krankenhaus Waldsassen nur noch eine Orthopädische Reha untergebracht. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie sich die traditionsreiche Einrichtung im Laufe der Zeit entwickelt hat.

Das Waldsassener Krankenhaus im Jahre 1910, nachdem es im Jahr zuvor ein zweites Stockwerk erhalten hatte.
von Autor TMLProfil

Im Januar 1856 erwarb der Waldsassener Magistrat das heutige Rückgebäude des Stiftlandmuseums und ließ dort ein Spital für Gesellen und Lehrjungen, Dienstboten und Fabrikarbeiter einrichten. Die fachliche Leitung oblag anfangs dem königlichen Gerichtsarzt Dr. Michael Braun (1803-1866) gegen ein Honorar von 100 Gulden jährlich. Die übrigen Dienste versah jeweils einer der beiden örtlichen Bader.

Erhebliche Widerstände

Im Jahr 1859 entstand dann aus zehn umliegenden Märkten und Gemeinden ein Krankenhausverband als neuer Träger. Als Vorstand der Verwaltung fungierte der jeweilige Pfarrer von Waldsassen. 1865 gelang es, die Krankenpflege Schwestern aus dem Orden der Armen Franziskanerinnen zu übertragen, die diesen Dienst bis 2005, also rund 150 Jahre lang, in vorbildlicher Weise versahen. Der nächste ärztliche Leiter von 1866 bis 1886 war der spätere Waldsassener Ehrenbürger Dr. Johann Galler (1818-1887). Als am 5. September 1870 bei einem Großbrand der Ortskern von Waldsassen vernichtet wurde, war davon auch das Spital betroffen. So bezog man nun für zwei Jahre ein Ausweichquartier im neu entstandenen Frauenkloster. Dr. Galler setzte sich in dieser Zeit unermüdlich für einen Neubau des Krankenhauses außerhalb des Stadtkerns ein, was ihm und dem damaligen Bezirksamtmann Leopold Zahler trotz erheblicher Widerstände schließlich auch gelang.

Der bisherige Standort in der Nähe des Rathauses und in nächster Nähe zum Mühlbach war nach der übereinstimmenden Ansicht der Fachleute zu klein und völlig ungeeignet. So erwarb man schließlich einen Bauplatz in der Egerer Straße neben dem früheren Kinderheim. Die Planung übernahm der königliche Baubeamte Friedrich Flessa von Weiden. Nach der Ausschreibung der Gewerke erfolgte die Vergabe und es konnte im März 1872 mit den Arbeiten begonnen werden. Am 19. Oktober 1872 wurde das Haus eingeweiht und bezogen. Die Baukosten lagen bei rund 18 200 Gulden.

Das Erdgeschoss enthielt eine Wohnung für die Schwestern sowie Betriebsräume, im Obergeschoss befanden sich sieben Krankenzimmer, das Ordinationszimmer und die Hauskapelle. Dabei bot das Haus Platz für 40 Kranke. So zogen nun die Jahrzehnte ins Land. Dabei stellte das Distriktskrankenhaus mit seinen Ärzten und Pflegekräften allzeit seine Bedeutung unter Beweis. Im Ersten Weltkrieg fungierte das Haus auch als Reserve-Lazarett.

Im 20. Jahrhundert wurde das Haus, das anfangs als Bezirkskrankenhaus und seit 1939 als Kreiskrankenhaus firmierte und sich in der Trägerschaft des Landkreises Tirschenreuth befand, insgesamt fünf Mal erweitert. Dies geschah erstmals 1909 mit einer Aufstockung. Weitere Maßnahmen folgten 1928 mit einem großen Anbau an der Egerer Straße, von 1956 bis 1958 mit dem rückseitigen Bettentrakt, von 1975 bis 1977 mit dem Funktionstrakt und zuletzt von 1992 bis 1994 mit einem stattlichen Erweiterungsbau. Schon 1960 war eine neue Hauskapelle entstanden, die 1997 generalsaniert und erweitert wurde.

Modernes Bewegungsbad

Als Architekt hatte auch von 1992 bis 1994 wieder Franz Schuster aus München gewirkt, ein Sohn der Stadt Waldsassen. Zur feierlichen Einweihung im Juli 1994 war neben den Honoratioren sogar der damalige bayerische Sozialminister Dr. Gebhard Glück erschienen, der dem Landkreis zu der gelungenen Maßnahme herzlich gratulierte. Den Besuchern imponierte vor allem die Bäderabteilung mit dem damals modernen Bewegungsbad. In der Folgezeit wurde das Haus mehrfach modernisiert und technisch verbessert.

Zum 1. Januar 2006 wurde die Kliniken Nordoberpfalz AG gebildet, in die die Häuser im Landkreis und weitere Anstalten eingebracht wurden. Gleichzeitig "wanderte" die Beteiligungsmehrheit von 51 Prozent nach Weiden. Zum 1. November 2010 erhielt Waldsassen nach längerer Diskussion die Reha-Klinik, die nun noch fortbesteht. So bildete das Waldsassener Krankenhaus allzeit eine Stätte der Heilung und Hoffnung, blieb aber gleichzeitig auch eine Stätte ständiger Sorge und Bemühungen.

So sah das einstige Bezirkskrankenhaus Waldsassen Anfang der 1930er Jahre aus. In den Jahren 1927 und 1928 war zum Kinderheim hin ein Erweiterungsbau entstanden.
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