19.08.2019 - 12:09 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Staub lähmt Orgel der Basilika Waldsassen

Damit sie wieder richtig aus allen Pfeifen tönt, ist es notwendig, sämtliche Register um die Hauptorgel in der Basilika nach nur zwei Jahren wieder zu reinigen. Rund 50 000 Euro kostet die Maßnahme laut Pfarrer Thomas Vogl.

Mehrere Wochen sind Markus Bäumler, Phillip Scharnagl, Yasmin Portius und Michael Becker (von links) mit den Reinigungsarbeiten beschäftigt.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Strittig ist, wer für die Kosten der außerturnusmäßigen Reinigung (normalerweise 10 bis 15 Jahre) aufkommt, beziehungsweise wer sich die Kosten wie teilt. Pfarrer Thomas Vogl will keinen Rechtsstreit vom Zaun brechen, setzt viel mehr auf zielführende Gespräche mit allen beteiligten, infrage kommenden Gewerken, die seiner Meinung nach dabei mit Verantwortung tragen.

Mediationsgepräch

Ein erstes Gespräch habe es bereits Anfang 2018 mit dem Staatlichen Bauamt gegeben. Von dessen Rechtsstelle habe es bereits damals geheißen: "Wenn so viele Gewerke an einer Maßnahme beteiligt sind, dreht sich immer alles im Kreis, schiebt einer die Schuld dem anderen zu." In der Hoffnung auf eine gütliche Einigung drängt Pfarrer Vogl noch in diesem Jahr auf ein weiteres Mediationsgespräch mit Vertretern der Beteiligten, wie Bauamt, Kirchenstiftung, Kirchenmaler, Gerüstbauer, Restauratoren, Elektrofirma und anderen. Geleitet soll es von einem Rechtsanwalt werden, der noch bestimmt wird.

Dem Geistlichen sei daran gelegen, dass jeder sein Scherflein beitrage. Mit einer Spende von 25 000 Euro hat der Förderverein "Freunde der Basilika Waldsassen" bereits etwa 50 Prozent der Kosten abgefedert. Laut Vogl habe man vereinbart, dass nach der Altarweihe im März 2017 noch die Seitenaltäre restauriert und letzte erforderliche Kirchenmalerarbeiten stattfinden sollten, während ab Mai 2017 bereits mit der Reinigung der kompletten Orgelanlage mit Haupt- und Chorwerk und allem was noch dazugehört begonnen wurde. Das dauerte bis September und kostete etwa 145 000 Euro. Danach ging der Gerüstabbau über die Bühne und abschließende Arbeiten an den Seitenaltären sowie letzte Kirchenmalerarbeiten, auch am Aufgang zur Orgelempore, wurden durchgeführt.

Art Sogwirkung

Pfarrer Vogls Theorie ist die, dass infolgedessen die hauptsächliche Verschmutzung beim Arbeiten am Aufgang der Orgelempore verursacht worden sei. Immer wenn Besucher die Türen öffneten, sei eine Art Sogwirkung entstanden, weil auch oben die Tür zur Orgel offen gestanden habe. Der Bereich sei zwar abgehängt gewesen, doch durch die Zugluft habe der Staub leichtes Spiel gehabt, auch weil die Orgel in dem Zeitraum nicht mehr eingehaust war, und die Spezialisten schon damit beschäftigt waren, zu intonieren. Natürlich habe es auch beim Gerüstabbau Staub gegeben, natürlich lege sich nach einer so großen Sanierungsmaßnahme auch immer noch Staub nieder und es seien noch zusätzliche Arbeiten im Elektrobereich erledigt worden, stellt der Dekan fest.

Anfang August begonnen

Am 5. August, also vor etwa zwei Wochen wurde das Gerüst über der Hauptorgel aufgebaut. Laut Orgelbaumeister Markus Bäumler aus Rothenstadt, der mit seiner Mannschaft die Arbeiten durchführt, müssen das Hauptwerk, alle Pfeifen, Werke und der Spieltisch gereinigt werden. Dabei werden sämtliche Pfeifen ausgebaut, gesäubert und wieder eingebaut. Die Register und deren Einhausungen werden der Reihe nach behandelt. Es müssen 60 von insgesamt 103 Registern behandelt werden.

Normalerweise bestehe ein Register aus 61 Pfeifen, erklärt Bäumler. Es gäbe aber auch mehrfache Register, die aus 122, beziehungsweise 183 oder mehr Pfeifen bestehen. Bei der derzeitigen Aktion müssen etwa 4500 Pfeifen gereinigt werden. Damit noch nicht genug, denn auch der Spieltisch an der Hauptorgel muss teilweise zerlegt und ebenfalls gründlich vom Staub befreit werden.

Ist eine Teilmaßnahme erledigt, wird dort auch gleich grob gestimmt. Das finale Stimmen erfolgt dann nach Abschluss der Reinigungsarbeiten. Das Ganze sei deshalb recht zeitaufwendig, weil nicht nur die Pfeifen, sondern auch deren komplizierten Details wie Ventile und Kontakte verschmutzt sind. Gerade bei den kleineren Pfeifen ist das oft eine Sisyphusaufgabe. Bei den Arbeiten dient das Gerüst gleichzeitig als Ablage für die ausgebauten Orgelpfeifen. Die größeren Teile sind einstweilen auf den Emporen über den Seitenaltären gelagert.

Sofortiges Handeln

Der Verschmutzungsgrad sei nach nur zwei Jahren so hoch, dass manche Pfeifen gar nicht mehr angespielt werden könnten, weil Kontakte blockiert seien, erklärt Bäumler. Es sei wichtig gewesen, sofort zu handeln, um größere Schäden zu vermeiden, was dann noch höhere Kosten verursachen würde, weiß der Experte.

Zwischen zwei und maximal fünf Mitarbeiter der Orgelbaufirma sind jeweils in der Basilika vor Ort und kämpfen mit Bürsten in verschiedenen Durchmessern und Längen, Mikrofasertüchern, Spezialreinigungsmitteln und Pressluft gegen den Staub. "In sechs bis sieben Wochen sollte alles erledigt sein", sagt Bäumler. Zumindest sollte das Gerüst zur Jubiläumsfeier "50 Jahre Päpstliche Basilika" am 15. September, verschwunden sein. Nach der Reinigung werde die zweitgrößte Orgel in der Diözese wieder ihren vollen voluminösen Klang entfalten.

Justina Fuchs hat den Arbeitsplatz mit Blick auf die Basilika. Das Gerüst dient auch zur Ablage der Pfeifen.
Markus Bäumler (rechts) erklärt Pfarrer Thomas Vogl die Funktion der großen Orgelpfeifen.

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