18.04.2019 - 15:51 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Taufe, Firmung und Eucharistie in einer Feier

Regelmäßige Besucher der Pfarrgottesdienste in der Basilika Waldsassen bekamen bereits mehrere Hinweise auf das große Ereignis: Radek Marhan wird in der Osternacht in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen.

Radek Marhan (Zweiter von rechts) wird in der Feier der Osternacht in die Gemeinschaft der Kirche aufgenommen. Mit dem Täufling freuen sich Verlobte Arabella Hammerer sowie Stadtpfarrer Thomas Vogl und Pfarrvikar Markus Hochheimer (links).
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Vom dritten bis zum fünften Fastensonntag durften die Pfarrangehörigen jeweils Zeugen sein: Vor Pfarrvikar Markus Hochheimer und Stadtpfarrer Thomas Vogl vollzog Radek Marhan die Stärkungsriten vorm Sakramenten-Empfang, die sogenannten Skrutinien. Hinter dem Täufling, die Hand auf dessen rechter Schulter, stand Thomas Hammerer. Er ist der Vater von Arabella Hammerer. Mit ihr ist Radek Marhan seit acht Jahren zusammen, bald wird Hochzeit gefeiert.

Thomas Hammerer übernimmt für seinen künftigen Schwiegersohn das Paten-Amt, nach seiner eigenen Taufe wird Radek Marhan Pate sein. "Eine schöne Fügung", so Stadtpfarrer Thomas Vogl über die Taufe von Lorenz Ernstberger: Er ist der Sohn von Arabellas Schwester Marina und Ehemann Andreas. Weiterhin wird noch der kleine Elias getauft: Dass der ebenfalls Ernstberger heißt, sei aber reiner Zufall, so Pfarrer Vogl. Radek Marhan freut sich auf den großen Tag. "Aber ich bin auch richtig nervös", so Radek im Gespräch mit Oberpfalz-Medien beim Gedanken an die Osternacht am Karsamstag.

"Ich fühle mich gut unterstützt", blickt der Neu-Christ zurück: Die Treffen jede Woche hätten ihn gestärkt und viel Hintergrundwissen vermittelt. Als Kind habe er dies alles nicht so erleben dürfen. "Ich habe gehört, das machen nicht viele Leute", erzählt Marhan über seine Entscheidung, in die Kirche einzutreten. "In Regensburg habe ich dann gesehen, dass es doch mehr sind." Von der Aufnahmefeier für die erwachsenen Taufbewerber in der Diözese am ersten Fastensonntag im Dom mit Bischof Rudolf Voderholzer ist Marhan noch Wochen später beeindruckt. "Er hat das richtig modern gemacht. Das hat mir gefallen."

"Ein gelehriger Schüler"

Markus Hochheimer bereitete Marhan auf den großen Tag vor. "Er war ein sehr gelehriger Schüler", erzählt der Pfarrvikar über den Taufbewerber. Dieser habe Dinge gehört, die er früher nicht erfahren habe: Hochheimer hatte von Glaubenszeugnissen aus der Seelsorge erzählt, "wie Menschen Jesus Christus kennenlernen und wirklich Feuer fangen". Radek Marhan habe inzwischen seine persönliche Beziehung zu Jesus Christus gefunden, schildert der Pfarrvikar seinen Eindruck. Auf dem Weg zur Erkenntnis, wonach Gott die Menschen persönlich mit seiner Liebe umarmen möchte, sei schon ein Schritt in diese Richtung geschehen und ein gewisses Feuer aufgeflammt. Dass sich die katholische Kirche in Turbulenzen befindet und immer mehr Christen "ihrer" Kirche den Rücken kehren, spielt für Radek Marhan bei seiner Entscheidung keine Rolle. "Das betrifft mich nicht", sagt er. "Man sieht, wie die Leute hier in Waldsassen zusammenhalten." Negatives könne er nicht sagen über die Kirche.

Auch Stadtpfarrer Thomas Vogl weiß, dass Kirchenaustritte auch von Waldsassener Pfarrangehörigen mit den aktuellen Vorfällen begründet werden. "Aber das muss man zur Kenntnis nehmen und respektieren." Mit der Taufe werde man in die Gesamtheit der Kirche aufgenommen, die eben auch diese Rolle gespielt hat und sich in der Gesellschaft darstellt. Es gehe aber immer um die persönliche Glaubensentscheidung. Diese müsse nicht von den negativen Begleiterscheinungen beeinträchtigt sein. "Von daher ist es schön, dass es auch Leute gibt, die trotzdem Ja sagen zur Kirche - mit allem, was dazu gehört", so der Stadtpfarrer. Nicht der entscheidende, aber ein realer und vernünftiger Beweggrund sei die Eheschließung gewesen, so der Pfarrer und nennt konkret die christliche Erziehung der Kinder.

"Vorbild sein"

Marhans Eltern gehören keiner Kirche an. Einen Bezug zu ihr hatte auch der Sohn nicht. Sechs Monate war er jung, als die Familie Westböhmen verließ und in die Nähe von Freiburg im Breisgau eine neue Heimat fand. Dort besuchte der Schüler später den Religionsunterricht, der Zugang zum Glauben aber blieb verwehrt. Inzwischen ist der 29-Jährige davon fasziniert. "Ich bin mit der Schwiegermutter regelmäßig in die Kirche gegangen", erzählt Radek Marhan von Anita Hammerer. Sie nahm den Freund ihrer Tochter mit in die Gottesdienste in der Basilika. Dies habe ihm sehr gefallen und ihn gereizt, den Glauben zu vertiefen. "Richtig gepackt", wie er sagt, habe es ihn in jüngerer Vergangenheit: "Man hat ja auch Zukunftspläne", so der Neu-Katholik im Hinblick auf seine Hochzeit im Juli. Auch seinen Kindern wolle er den Glauben weitergeben. "Man muss Vorbild sein und nicht nur davon reden." Infokasten

Information:

"Das darf ruhig eine Tradition werden"

Sechs Monate jung war der 1989 geborene Radek Marhan, als die Familie von Sokolov/Falkenau wegging und in Baden-Württemberg eine neue Heimat fand. 2004 zog die Familie zurück nach Waldsassen – näher zu den Verwandten in Tschechien. Radek arbeitet als Fahrzeuglackierer in einem Industriebetrieb in Weiden. „Das darf ruhig eine Tradition werden“, sagt Stadtpfarrer Vogl über die Reihe der Erwachsenentaufen: Vergangenes Jahr war Nicole Katsikis in der Osternachtfeier als Christin aufgenommen worden; bisher seien stets bei diesem Anlass Kinder getauft worden. „Wenn Erwachsene dabei sind, ist es noch schöner.“ Dabei werde an die Anfänge der Liturgie der Osternacht erinnert, wo Erwachsene getauft wurden.

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