29.08.2019 - 12:17 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Eine uralte Legende lebt

Wer bei Köllergrün wandert, befindet sich an einem legendären Ort. Hier soll die Gründungsstätte des Klosters Waldsassen sein. Gepflegt wird das Stück Land mit den uralten Eichen, Gedenkstein und Kreuz vom "Gerwig-Kreis".

Ein großer Altarstein mit einem steinernen Kreuz zeugt heute von dem einstigen Gründungsort.
von Ulla Britta BaumerProfil

Wer von Waldsassen gen Schirnding fährt, sollte unbedingt den Parkplatz von Köllergrün ansteuern. Er findet ein geschichtsträchtiges Fleckchen Erde, das weltweit seinesgleichen sucht. Köllergrün soll laut einer Legende die Gründungsstätte des Stifts Waldsassen gewesen sein.

Die Waldsassener ehren in Köllergrün bis heute eine bedeutsame Begegnung, bei der Markgraf Diepold III. von Vohburg in Köllergrün den Einsiedler Gerwig von Wolmundstein getroffen haben soll. Gerwig soll sich im Nordwald mit Gefährten in die Einsamkeit zurückgezogen haben. Gerwig und Diepold erkannten sich als einstige Freunde wieder. Gerwig soll Diepold früher bei einem Turnier beinahe getötet haben. Darüber war er derart entsetzt, dass er zur Sühne ins Benediktinerkloster Siegburg bei Köln ging.

Als Abt Kuno 1126 Bischof von Regensburg wurde, nahm er Gerwig mit als seinen Berater. So kam Gerwig in die Wälder der Diözese Regensburg. Vor Freude über das Wiedersehen schenkte Graf Diepold dem Mönch Gerwig das Land für ein Kloster, das ein Mensch an einem Tag umschreiten kann. Das Kloster sollte erst bei Köllergrün gebaut werden. Wegen des Fischreichtums wurde es aber 1133 im Wondrebtal errichtet. Gerwig holte sich Mönche aus Volksrode und Thüringen, um es zu beleben. 1727 bauten die Mönche in Köllergrün eine Klause mit Kapelle für Einsiedler. Im Zuge der Säkularisierung mussten die Mönche die Klause verlassen. Klause und Kapelle wurden im Jahr 1810 abgebrochen.

Kein Wunder, dass Köllergrün bis heute von Insidern als mystischer Ort mit außerordentlicher Aura gilt. Die teils über 200 Jahre alten Eichen gehen auf einen Erlass des Königlichen Ministeriums der Finanzen im Jahr 1810 zurück. Das Ministerium bestimmte, den Garten der Klause in einen Eichenhain umzugestalten. Köllergrün war und bleibt eine Begegnungsstätte der besonderen Art. Die Königlich-privilegierte Schützengesellschaft huldigte in Köllergrün dem Schießsport, bis ins Jahr 1519. Vielen Waldsassenern dürften die Schulausflüge nach Köllergrün gut in Erinnerung sein. Eine Weile war die Gedenkstätte dem Verfall preisgegeben. In der abbruchreifen Unterkunftshütte wohnte dennoch kurz nach dem Zweiten Weltkrieg ein wohl heimatvertriebenes Ehepaar. 1952 stieß man auf die Fundamente der Kapelle und legte die Grundmauern frei. Die Naturfreunde Waldsassen befassten sich seither intensiv mit Köllergrün, stellten 1957 eine Holzplastik auf und errichteten 1962 ein schlichtes Holzkreuz. 1972 wurde der "Gerwig-Kreis" als Zweigverein des Oberpfälzer Waldvereins gegründet, der bis heute existiert zum Erhalt und zur Pflege von Köllergrün. Bei einer grundlegenden Restaurierung wurden ein Kreuz und ein Altarstein aufgestellt. 170 Jahre nach der Gründung fand im September 1974 bei der Einweihung der Gedenkstätte in Köllergrün erstmals wieder ein Gottesdienst statt. 1981 baute der "Gerwig-Kreis" unterhalb der Gedenkstätte einen Unterstellplatz für Besucher und Wanderer.

Im Frühjahr 2012 übernahm der Staatsforst die Sanierung der Gedenkstätte. Die Treppen wurden erneuert und der Weiher wurde renaturiert. Wer heute ab der alten Ziegler-Brauerei gen Panzen wandert, findet sich in einem zauberhaften Waldgebiet wieder, der Weg führt an Köllergrün vorbei. Geheimnisvoll erscheint der geschichtsträchtige Eichenwald, der auf diesem kurzen Spaziergang passiert wird. Beinahe möchte man nicht mehr weggehen von diesem Ort, wo die Wipfel der uralten Eichen anders rauschen als in den "neuzeitlichen" Wäldern.

Ein romantischer Pfad führt durch das kleine Waldstück. Auf einer Hinweistafel erfährt man von der Gründungsgeschichte. Der wuchtige Altarstein und das Kreuz, errichtet auf den Grundmauern der ehemaligen Kapelle, zeugen von der uralten Legende.

Der Name:

Köllergrün

Die älteste Überlieferung des heutigen „Köllergrün“ gibt es von 1320 aus der lateinischen Gründungsgeschichte des Klosters Waldsassen, wo „Colnergrune“ geschrieben steht. Erklärt wurde dies später mit „Köln“ nach Gerwigs Wahlheimat Siegburg in Köln und „grün“ für die Gründung der Stätte im Wald.

1500 taucht der Name wieder in der Chronik auf als „Kolnergrun“. In den folgenden Jahrhunderten gab es viele Abwandlungen wie „Kolergrun“, 1746 hieß der Ort „Kolergrin“, 1800 wurde der Name umgebildet in „Kellergrün“. 1804 dann stand in den Akten des Amtes Waldsassen „Koellergruenn“ und „Köllergrün“. (ubb)

Mitten im Laubwald versteckt liegt der Gründungsort des Klosters Waldsassen. Einst sollen dort Mönche ein Einsiedlerleben geführt haben.
Hölzerne Hinweistafeln weisen den Wanderern und Spaziergängern den Weg.
Eine steinerne Treppe, die sich unauffällig der Natur anpasst, führt hinauf zur Gedenkstätte.
Die Begegnung von Markgraf Diepold III. und Gerwig in Köllergrün wurde auch auf Gemälden immer wieder nachempfunden.
Auf einer Hinweistafel werden umfangreiche Erklärungen zur Gründungsgeschichte veröffentlicht.
Stille Pfade führen nach Köllergrün, wo über 200 Jahre alte Eichen von einer geschichtsträchtigen Begegnungsstätte zeugen.
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