07.08.2020 - 10:28 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Viel lieber Manager als Verwalter im Rathaus Waldsassen

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Ein „Ruhestandsbankerl“ war eines der Geschenke: Ehemaliger Geschäftsleiter Karl-Hans Hofmann ist noch immer beeindruckt von seiner Abschiedsfeier. Fürs Herumsitzen und Nichtstun wird der 64-Jährige aber kaum Zeit finden.

Karl-Hans Hofmann in Freizeitkleidung in seinem Büro daheim. Im Hintergrund ein Bild mit der Ansicht der Nepomuk-Brücke und der Basilika im Hintergrund.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Seit 30. März 1987 hatte Karl-Hans Hofmann den Posten des geschäftsführenden Beamten in der Stadtverwaltung von Waldsassen inne. Höhen und Tiefen habe es gegeben, sagt der Verwaltungsjurist über die Zeit bis zu seinem Ausscheiden Ende Juli.

7, 71, 2056 – Zahlen, die er aus seiner früheren Zeit in München im Innenministerium noch gut kennt: Es habe keinen Parteiverkehr gegeben damals, auch keine Anrufe von außen, erinnert sich Hofmann an das eher "interne Arbeiten". Verordnungen und Akten mussten versandt werden – an 7 Regierungsbezirke, 71 Landratsämter und an 2056 Kommunen in Bayern. "Plötzlich war ich an der Basis, in einer der 2056 Gemeinden."

Jung und unbeschwert

"Aber hier war es nicht das Schlechteste", bereut Hofmann seine Entscheidung damals für die Rückkehr in die Heimat nicht. "Jung und unbeschwert" sei er damals gewesen mit seinen 30 Lebensjahren. "Wenn du vier Herren dienen sollst, dann wird das nicht einfach", schildert Hofmann den Spagat, Erwartungen von Bürgermeister, Stadtrat, Rathauspersonal und Bürgerschaft gerecht zu werden.

"Eine haarige Angelegenheit", denkt Hofmann zurück an oft schwierige Diskussionen. Über den Standort von Funkmasten im Stadtgebiet. Oder über Anträge, die gar nicht in der Verantwortung der Stadt lagen. "Aber wir waren immer die ersten Ansprechpartner."

In dem breiten Spektrum der Aufgaben wollte er, sagt Hofmann, immer Manager sein und weniger der Verwalter. Vor diesem Hintergrund sei die Arbeit mit Bernd Sommer als Rathauschef sehr erfolgreich gewesen.

Abschied beim Glas Wasser

Noch einige Tage später ist Karl-Hans Hofmann tief beeindruckt von der Feier zusammen mit den Kollegen und Wegbegleitern. "Ich kenne das auch anders", erzählt Hofmann von einem Bekannten im Innenministerium, der an seinem letzten Arbeitstag nachmittags um halb Fünf einen Termin beim Abteilungsleiter hatte und dort die Versetzungsurkunde in den Ruhestand überreicht bekam, "bei einem Glas Wasser".

Ich kenne das auch anders.

Karl-Hans Hofmann tief beeindruckt darüber, wie seine Abschiedsfeier gestaltet wurde.

Hofmann freut sich über die vielen guten Wünsche auf handgeschriebenen Karten, über die vielen Präsente, darunter ein Aufenthalt in Hamburg. Denn Reisen ist eine besondere Leidenschaft von Karl-Hans Hofmann, der er nun mehr Zeit schenken will – vorausgesetzt, er hat dafür Freiraum in seinem Terminkalender: Wer einen Blick darauf werfen darf, der sieht viele Einträge in den nächsten Wochen.

Prüfungsunterlagen im Karton

In seinem Nebenjob, so Hofmann, ist er als Dozent der Verwaltungsschule unterwegs, in München, in Landshut und in fast allen anderen Regierungsbezirken. Zwischendurch gibt's auch Arbeit am Schreibtisch daheim im Büro. In einem Karton sind in Umschlägen Prüfungsunterlagen verpackt, die Hofmann korrigiert, benotet und sauber verpackt hat für die Weiterleitung an den Zweitkorrektor.

"Das ist eigentlich mein Hobby", sagt er, der auch die jungen Leute im Rathaus während der Ausbildung unterstützte. Früher nahm Hofmann für die Tätigkeit als Dozent Überstunden und seinen Urlaub her, doch jetzt hat er dafür deutlich mehr Freiraum. "Die sind etwas in Not", sagt Hofmann über die Verantwortlichen in der Verwaltungsschule und erzählt, dass wegen Corona die Klassen geteilt werden mussten und mehr Dozenten notwendig sind als früher.

Theater, Garten- und Flohmärkte

Hofmann hilft gerne, zumal er im Gespräch verrät, dass Lehrer früher ein berufliches Ziel gewesen wäre. "Aber es hat sich nicht verwirklichen lassen", sagt er und fügt hinzu: "Ich mache das mit sehr viel Freude." Daneben ist der 64-Jährige viel unterwegs – etwa auf Garten- und Flohmärkten. Auch ins Theater geht Karl-Hans Hofmann gerne.

Bei seinen Reiseplanungen hat er sich irgendwann mal ein Ziel gesetzt, alle Großstädte in Deutschland zu besuchen – worunter alle Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern zu verstehen sind. "In NRW fehlen mir noch einige." Die sieben in Bayern hat er schon, ebenfalls die Großstädte in Baden-Württemberg.

Der Bericht über die Verabschiedung von Karl-Hans Hofmann

Waldsassen
Hintergrund:

750 Brautpaare bei Karl-Hans Hofmann am Standesamt

Schon bei der offiziellen Verabschiedung im Rathaus ging Karl-Hans Hofmann kurz auf seine Arbeit als Leiter des Standesamts im Rathaus Waldsassen ein. 750 Brautpaare, so rechnet Hofmann, dürften es über die Jahre seit April 1987 gewesen sein, die er in den Stand der Ehe brachte. Zwei hatten es sich kurz vor dem Termin offenbar anders überlegt und kamen nicht. "Und ,Nein‘ hat keines der Brautpaare gesagt", erinnert er sich. Und wenn das doch einmal passiert wäre? "Dann hätte ich zuerst gefragt, ob wir wir bei ,Verstehen Sie Spaß‘ sind."

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