14.10.2020 - 14:02 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Viel Platz fürs liebe Vieh

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Immer mehr Landwirte setzen bei ihren Kühen und Rindern auf Weidetierhaltung. Nachhaltige Landwirtschaft ist auf dem Vormarsch. Das zeigen auch zwei Beispiele aus dem Stiftland.

Thomas Rosner mit seinem Prachtbullen "Bartl": Gegenseitiger Respekt ist vorhanden.
von Konrad RosnerProfil

Zum Thema Landwirtschaft findet schon seit einigen Jahren ein Umdenken bei der Bevölkerung statt. Stichworte sind Nachhaltigkeit, Naturverbundenheit und ein respektvoller Umgang mit den Tieren. Zwei Landwirtschaftsfamilien geben Einblicke.

In Groppenheim betreiben Christina und Andreas Kunz seit 2009 einen Naturland-Biobauernhof. 2011 bauten sie einen Aussiedlerstall, seit dieser Zeit dürfen die Kühe auch auf die benachbarte drei Hektar große Weide. Von Anfang April bis Ende Oktober sind die Kühe täglich von 8.30 bis 17 Uhr auf der Weide anzutreffen. Gemolken werden die Kühe im Stall, dort gibt es einen Tandem-Melkstand.

30 Kühe dürfen auf die große Weide, die Nachzucht muss im Stall beziehungsweise im benachbarten Freibereich des Stalls bleiben. „Milchkühe, die auf der Weide sind, haben eine gehaltvollere Milch mit sehr viel Omega-3-Fettsäuren“, erläutert Agrarbetriebswirtin Christina Kunz zur Milch ihrer Kühe.

Kein Steak aus Argentinien

Ihr Ehemann Andreas, er ist Diplom-Biologe, ergänzt, dass die Tiere keinerlei Kraftfutter bekommen. Beide treten für eine nachhaltige Landwirtschaft ein. Das heißt für das Paar, dass es das Futter für die Tiere ausschließlich aus dem eigenen Betrieb gibt. "Wichtig und sinnvoll ist, dass die Lebensmittel- und Milchprodukte aus der Region kommen, dafür treten wir ein“, macht Christina Kunz deutlich. Die regionale Vermarktung müsste laut ihr noch vielmehr gestärkt werden. Doch dazu müsste auch ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden. So sei es "ein Unding", ein Steak von einem Rind aus Argentinien im Supermarkt zu kaufen.

Eigentlich wollte Andreas Kunz nach seinem Studium im Naturschutz arbeiten. „Ich wollte was machen, was für uns alle wichtig ist, so kam ich zur Landwirtschaft.“ Landwirt sei einer der wichtigsten Berufe überhaupt. Urlaub? Nun, einige Tage springen schon heraus, lachen beide. Mehr brauchen sie aber auch nicht, denn sie hätten das gesamte Jahr Urlaub auf ihrem eigenen Bauernhof. Eine bessere Liebeserklärung kann es zur Landwirtschaft nicht geben. Und zudem arbeitet Sohn Michael auch schon begeistert mit.

Bulle „Bartl“ der Star

Nur ein paar Kilometer weiter betreiben Yvonne und Thomas Rosner gleich neben der Dreifaltigkeitskirche Kappl eine Angus-Rinderzucht. Sie züchten schon seit 1987 deutsche Angusrinder. Ein Jahr zuvor hatte Thomas Rosner seinen Landwirtschaftsmeister gemacht. 55 Angusrinder können sich frei auf der acht Hektar großen Weide bewegen. Den Rosners spürt man die Liebe zu ihren Tieren an: Wenn beispielsweise Thomas Rosner auf die Weide geht, kommen die Rinder sofort näher.

Der Star ist der knapp ein Jahr alte Bulle „Bartl“, ein imposantes Vieh. Mit ihm scherzt Thomas Rosner gerne. Der stattliche Bulle liebt die Liebkosungen. „Bartl“ ist für die Fortpflanzung zuständig, zudem ist er natürlich auch der Boss auf der Weide. Auffallend ist, dass alle Rinder sehr, sehr sauber sind. Das Fell glänzt nur so im Sonnenschein. Die Kälber bleiben bei ihren Müttern mit auf der Weide, bis zu neun Monate werden sie von der Mutterkuh gesäugt. Genetisch bedingt wachsen bei diesen Angusrindern keine Hörner.

Sehr feinfaseriges Fleisch

Auch bei den Rosners wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. Die Energieversorgung von Haus und Hof erfolgt durch eine Hackschnitzelheizung und einer Photovoltaikanlage. Tradition und Moderne verbinden sich hier. Thomas und Yvonne Rosner legen auch Wert darauf, dass die Tiere auch beim Schlachten keinem Stress ausgesetzt sind. Beim Verladen werden die Rinder zum Transportwagen geführt und dort verladen. Dies sei alles absolut stressfrei.

Seit Jahrzehnten haben die Rosners ihren Metzger des Vertrauens aus dem benachbarten Konnersreuth. Das Fleisch gibt es in keinem Geschäft zu kaufen. Es wird ausschließlich im Wirtshaus, das die Rosners neben der Kappl führen, auf dem Speiseteller für die Gäste serviert. Das Fleisch hat eine kräftig rote Farbe und ist sehr feinfaserig – eine absolute Delikatesse. Was die Rosners wirklich freut: Ihr ältester Sohn Dominik (20 Jahre) wird wohl in ihre Fußstapfen treten. Er lernt aktuell den Beruf des Kochs. Auch ihre beiden weiteren Kinder Felix (18) und Laura (16) helfen gerne mit. Es ist halt ein richtiger Familienbetrieb.

Die Digitalisierung macht auch vor Kuhställen nicht halt

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Situation im Landkreis Tirschenreuth

Laut dem Amt für Landwirtschaft gibt es derzeit im Landkreis Tirschenreuth 630 Rinderhalter und 530 Milchkuhhalter. Dazu kommen noch 150 Betriebe mit Pferdezucht, 190 Schweinehalter und 55 Zuchtsauenhalter sowie 75 Halter mit Schafen. Zwar sei die Zahl der Rinderzüchter rückläufig, die Anzahl der Tiere blieb jedoch schon seit Jahren durchwegs konstant. Mittlerweile seien im Landkreis, so Manfred Zintl vom Amt für Landwirtschaft, 50 Prozent der Ställe Laufställe. 80 Prozent der Rinder leben in solch neuen und modernen Laufställen. Das Tierwohl sei erheblich besser geworden. Zintl verweist zudem darauf, dass es im Landkreis 70 Öko-Betriebe gebe.

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