09.10.2019 - 15:32 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Waldsassen als Musterbeispiel

Vier bayerische Orte sind erstmals mit dem Gütesiegel „Flächenbewusste Kommune“ ausgezeichnet worden – darunter auch Waldsassen. Bauminister Hans Reichhart lobt die Klosterstadt besonders.

Wo früher das Werk B der Porzellanfabrik Bareuther stand, ist ein attraktives Freizeitgelände mit Skatepark entstanden. Die Anlage ist ein Beispiel für die Maßnahmen in den vergangenen Jahren, für die die Stadt Waldsassen das Gütesiegel erhielt.
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Verlassene Ortskerne, gesichtslose Neubaugebiete: Nicht wenige bayerische Gemeinden sind von diesem Problem betroffen. Wie es anders geht, beweisen vier Orte, die am Mittwoch in Regensburg mit dem Gütesiegel „Flächenbewusste Kommune“ ausgezeichnet wurden.

Der Flächenverbrauch in Bayern liegt bei 11,7 Hektar pro Tag – das entspricht 17 Fußballfelder. Die Staatsregierung will gegensteuern und hat ein neues Gütesiegel eingeführt. Die ersten bayerischen Orte, die sich „Flächenbewusste Kommune“ nennen dürfen, sind Waldsassen, Litzendorf in Oberfranken, die Allianz Hofheimer Land in Unterfranken und Schleching in Oberbayern. Überreicht wurden die Auszeichnungen von Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) und Bauminister Hans Reichhart (CSU) beim 7. Bayerischen Flächenspar-Forum in Regensburg.

Minister Glauber verglich die knifflige Aufgabe des Flächenmanagements in Kommunen mit einem Zauberwürfel – der schwer wieder zusammenzusetzen ist, wenn er einmal durcheinandergeraten ist. Zum einen gehe es darum, Leerstände in den Innenstädten zu vermeiden. Zum anderen müsse der Flächenverbrauch an den Gemeinderändern eingedämmt werden. „Wir sind schnell dabei, ein neues Baugebiet dranzusetzen“, sagte Glauber. Doch das sei nicht immer der richtige Weg. Ein 23-jähriger Single suche vielleicht eine 50-Quadratmeter-Wohnung im Stadtkern. Wenn die Kommunen die Abwanderung der jungen Leute in die Großstädte verhindern wollen, müssten sie ihnen auch etwas bieten. Es gehe um die Entwicklung moderner Wohnformen und die geschickte Umnutzung vorhandener Gebäude. Das Ziel der Staatsregierung sei klar: Im Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern wird ein Flächenverbrauch von nur mehr fünf Hektar pro Tag bis 2023 angestrebt.

Mit dem neuen Gütesiegel solle ein Impuls gesetzt werden, erklärte Bauminister Reichhart. Die ausgezeichneten Orte seien Beispiele dafür, wie das Flächensparen zielgerichtet vorangebracht werden kann. Neben dem sensiblen Umgang mit dem Boden liege das Augenmerk auf den Innenstädten. „Wir müssen die Ortskerne so gestalten, dass neben der Kirche und dem Rathaus noch Leben herrscht.“ Reichhart verwies auf die Fördermöglichkeiten. Der Freistaat gebe jedes Jahr 100 Millionen Euro aus, um die Ortskerne und das Leerstandsmanagement zu stärken.

Als Musterbeispiel hob Minister Reichhart die Stadt Waldsassen hervor. Der Ort habe es gegen den Trend geschafft, seine Einwohnerzahl stabil zu halten. Das sei nur gelungen, weil die Kommunalpolitik in Vorleistung gegangen sei. Leerstehende Häuser seien erfasst – und teils von der Stadt selbst gekauft worden. Im Ortskern seien Wohnflächen entstanden. Die Innenentwicklung sei bewusst vor die Außenentwicklung gestellt worden. Auch die Kirche bringe sich mit ein. Die Abtei der Zisterzienserinnen habe Gebäude renoviert und ihnen neues Leben gegeben.

Bürgermeister Bernd Sommer sagte, das Gütesiegel sei eine Bestätigung für den Weg, den Waldsassen eingeschlagen hat. Die Auszeichnung gelte auch der Bevölkerung, die den nicht immer einfachen Prozess mitgetragen habe. „Am Ende ist der Stolz auf unseren Ort gewachsen. Das war die Mühe wert.“ Übereinstimmend erklärten die Bürgermeister der ausgezeichneten Kommunen, dass es Mut abverlange, sich gegen ein Neubaugebiet zu auszusprechen. Entscheidend sei es, die Bürger zu informieren und zu beteiligen.

Der Waldsassener Bürgermeister Bernd Sommer (Mitte) nahm das Gütesiegel aus den Händen von gleich zwei Staatsministern entgegen, Umweltminister Thorsten Glauber (rechts) und Bauminister Hans Reichhart.

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