05.12.2018 - 17:48 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Waldsassener und Weltbürger

"Einmal um die ganze Welt": Dieses Lied hat der tschechische Sänger Karel Gott vor über 40 Jahren zum Hit gemacht. Nicht die ganze Welt, aber ziemlich viel davon gesehen hat Uwe Kalliwoda. Ein Waldsassener ist er trotzdem geblieben.

Ludwig Spreitzer (rechts) überreichte Uwe Kalliwoda für seinen spannenden Vortrag ein Geschenk.
von Ulla Britta BaumerProfil

In Rahmen der Reihe "Waldsassener im Ausland", die Ludwig Spreitzer ins Leben gerufen hat, erzählte der Mitgründer des Markenfahrradherstellers "Ghost" am Freitagabend vielen interessierten Gästen von seinen Erlebnissen. Spreitzer berichtet lachend, dass er Kalliwoda zufällig im Flugzeug getroffen hat. Dass er sich dort aufhält, ist bei Kalliwoda gar nicht so sehr Zufall: Alle drei Tage "oben in der Luft" zu sein, gehörte für den 52-jährigen Geschäftsmann zum Alltag.

Immer auf Achse hat er es von 2012 bis 2016 auf 441 Flüge in 15 Länder geschafft, wie er berichtet. Begonnen aber hat alles in jungen Jahren und mit einem unbändigen Drang, die Welt per Rucksack zu erobern. Auch Taiwan war damals Ziel, erzählt der ehemalige "Ghost"-Boss. Bestens vorbereitet ließ er die Zuhörer an seinem bewegten Leben teilhaben, das aus dem Rucksack-Touristen einen weltweit agierenden Geschäftsmann werden ließ.

Der Diplom-Betriebswirt, der bereits als Jugendlicher sportlich international unterwegs war, hat sich während der Studienzeit in den Kontinent Asien verliebt. In Hongkong habe er schon in sehr seltsamen Absteigen gewohnt: "Da musste man mit Gummistiefeln duschen gehen", erzählt er Anekdoten. 1991 fuhr er sechs Wochen nach Südostasien. In Manila wollte er die "Smokey Moutains" erleben, wo die Leute auf Müllbergen leben. "Das war ziemlich gefährlich." Brunei, Borneo, Bali, wo weltweit die besten Surfgebiete sind: All diese Orte waren seine Ziele.

Stolz auf ersten Walkman

Die Zeit des Walkmans hat er 1987 in Tokio erlebt: "Was waren wir stolz auf diese Dinger." In Japan lernte er einen Taiwaner kennen, der bestens Deutsch sprach. "Damals musste ich mich noch fragen: Wo liegt überhaupt Taiwan?", lacht Kalliwoda. Dann erzählt er von Semesterferien mit dem Fahrrad in Costa Rica mit Zwischenstopp in New York bei dem Waldsassener Herfried Langer. 1990 reiste er zu seinem Freund nach Taiwan. Eine Fahrradfabrik in der Nachbarschaft war wohl das Schlüsselerlebnis für die "Ghost"-Gründung. "Wie es der Teufel will, bekam ich Kontakt mit dieser Firma", sagt Kalliwoda, der sofort Geschäftsbeziehungen aufbaute.

Neuer Job in Asien

Ab 1992 war dann "Schluss mit Lustig", denn nun flog Uwe Kalliwoda monatlich nach Taiwan zum Geschäftemachen. 1993 erfolgte die Gründung der "Ghost"-GmbH gemeinsam mit Klaus Möhwald. Nach sehr erfolgreicher Geschäftsentwicklung wurden schließlich die Anteile 2008 an die niederländische "Accell"-Gruppe verkauft. Kalliwoda machte einen Schnitt, suchte einen Job in Asien und bekam ihn bei "Accell Asia". Kalliwoda zeigt in Waldsassen einen Imagefilm von "Ghost", der ein wenig an die abenteuerliche Werbung von "Marlboro" erinnert - mit dem wesentlichen Unterschied, dass sportliches Radfahren gesund ist. Sein Wohnsitz wurde Shanghai, von wo er zu seinem Arbeitsplatz unter anderem regelmäßig nach Taiwan flog. Bei den Immobilienpreisen in Shanghai wird einem schwindelig, auch ohne im 32. oder gar 80. Stock wohnen zu müssen, erfahren die Zuhörer: Ein Quadratmeter kostet in Shanghai 11 000 Euro, bei 100 Quadratmeter satte 1,1 Millionen Euro. Spannend muss es in der 24-Millionen-Einwohner-Metropole trotzdem sein. Kalliwoda erzählt von durchaus erschwinglichen Hotelzimmerpreisen, tollen Bars und Locations, die zu seinem Alltag gehörten, von einem aufregenden Nachtleben, von Swimmingpools hoch über den Dächern der Gigantenstadt.

Chinesischer Führerschein

Längst spricht Kalliwoda Chinesisch, hat den chinesischen Führerschein und Freunde in der ganzen Welt. Sein Reisefieber wird nie aufhören, sagt er bei seinem Besuch in Waldsassen. Aber auf einem Foto zeigt er, was Asien ihm nicht bieten kann: die Oberpfälzer Heimat. Im Herbst 2018 verabschiedete sich Kalliwoda vollends von "Ghost" und zog sich aus der Geschäftsführung zurück. Er sei nun Rentner, sagt der 52-jährige Globetrotter verschmitzt lachend.

Wo genau er seine Zeit als Privatier hauptsächlich verbringen will, verrät er den Zuhörern nicht. Aber er wird immer wieder gerne nach Hause kommen zu seiner Mutter Luise. Sie ist auch beim Vortrag dabei und hält ihren Sohn davon ab, noch in derselben Nacht nach Schweinfurt zur "Ghost"-Weihnachtsfeier zu fahren. Wegen des Blitz-Eises auf den Straßen sorgt sie sich um den Sohn, der allen finanziellen und gesundheitlichen Gefahren getrotzt hat, um von Waldsassen aus ein Weltunternehmen aufzubauen.

Leidenschaftlich und mit vielen Details erzählte Uwe Kalliwoda, der Gründer von "Ghost-Bikes", von seinen privaten und geschäftlichen Reisen durch die ganze Welt.
Ganz leise waren die Zuhörer, als Uwe Kalliwoda von seinem aufregenden Leben berichtete.
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