Wallfahrt zum Christus ohne Arme in Waldsassen

Waldsassen
19.09.2022 - 10:22 Uhr

Als Gnadenbild in der Basilika verehrt wird der Korpus, der einst auf tschechischer Seite verstümmelt und von einem bayerischen Polizisten über die Grenze geholt wurde. Ein prominenter Ordensmann würdigte jetzt diese "Rettung".

von hmr

Den 16. Wallfahrtstag zum Geschändeten Heiland feierte die katholische Pfarrgemeinde Waldsassen am Sonntag in der Basilika. Vor dem Festgottesdienst mit Abtpräses em. Dr. Notker Wolf startete an drei Stationen im Stadtgebiet die Sternwallfahrt: Mitglieder der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB), des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) mit der Vita-Gruppe und der Kolpingsfamilie pilgerten mit den Bannern und Fahnen der Vereine und Verbände zum Basilikaplatz und zogen gemeinsam mit den Zelebranten und dem liturgischen Dienst in die Basilika ein.

Hauptzelebrant war Abtpräses em. Dr. Notker Wolf OSB, assistiert von Stadtpfarrer Dr. Thomas Vogl und dem gebürtigen Kondrauer Pater Otto Grillmeier. Die musikalische Gestaltung der Feier übernahmen der Basilikachor mit der Bläsergruppe und Franz Ballon an der Orgel unter der Gesamtleitung von Kirchenmusikdirektor Andreas Sagstetter.

Verehrung als Gnadenbild

In seiner frei vorgetragenen Predigt ging der emeritierte Abtpräses auf das von Pater Grillmeier vorgetragene Evangelium und die Figur des Geschändeten Heilands ein. Die in der Basilika aufbewahrte Christusfigur ohne Arme war bekanntlich im Februar 1951 an der deutsch-tschechoslowakischen Grenze beim Abriss der damaligen Wallfahrtskirche der kleinen Ortschaft Wies auf tschechischer Seite von einem Soldatentrupp geschändet worden. Ein deutscher Polizeibeamter der die Aktion beobachtet hatte, holte sie nach Abzug der Soldaten über die Grenze auf deutsches Gebiet und brachte sie dem damaligen Stadtpfarrer von Waldsassen. Seither wird der „Geschändete Heiland“ als Gnadenbild in der Basilika verehrt.

„Die Menschheit hat nichts dazugelernt. Das zieht sich durch die ganze Geschichte. Wir sehen die Wunden Jesu Christi bis zum heutigen Tage, wenn wir an die gefundenen Gräber im derzeitigen Krieg denken“, mahnte Wolf und betonte mit Blick auf den Geschändeten Heiland: „Die Menschen lassen sich vor lauter Hass sogar an einer Figur, einem Symbol, aus.“

Mensch nicht allmächtig

„Was ist los, dass wir das Zeichen des Kreuzes nicht mehr ertragen? Wen stört es? Die Muslime stört es wohl kaum. Sie stört es aber auch, wenn ihre Religion durch eine Karikatur verhöhnt wird“, stellte der Prediger fest. Der Mensch wolle allmächtig und wie Gott sein, sei es aber nicht. Darum entwickle sich der Hass auf das Kreuz als Symbol.

Der Kern seines Lebens sei für Jesus die Hingabe für den Menschen gewesen. Er habe den Tod überwunden durch Erniedrigung und Gehorsam gegenüber dem Vater. „Wir müssen unser Kreuz auch auf uns nehmen und haben die Hoffnung, dass die Bosheit nicht siegt“, ermutigte der Prediger. „Dieses verstümmelte Zeichen lebt weiter und ich bin gerne zu dieser Wallfahrt gekommen – und zwar aus Achtung vor den Menschen, die ihn gerettet haben. Christus ist unser Zeichen, unsere Hoffnung.“

Nach dem Gottesdienst ließen sich Gläubige vom Abtpräses em. und Stadtpfarrer Vogl mit dem Kreuzreliquiar und der Zusage „Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung“ einzeln segnen.

 
 

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