12.02.2020 - 10:59 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Wanderschaft zwischen europäischen Realitäten

Was machen Stiftländer im Ausland? Wie kommen sie auf die Idee, die Heimat zu verlassen? Was erfahren und erleben sie in der Fremde? Susanne Neumann aus Waldsassen berichtete darüber in einem kurzweiligen Vortrag.

Susanne Neumann beim Vortrag im Maurussaal zusammen mit dem Initiator der Reihe "Stiftländer im Ausland erzählen", Ludwig Spreitzer.
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Mit vielen Fotos unterlegt berichtete die Künstlerin über ihre Erfahrungen aus 25 Jahren Wanderschaft zwischen verschiedenen europäischen Realitäten. Susanne Neumann eröffnete damit die Fortsetzung der Reihe "Stiftländer im Ausland erzählen". Diese hatte einst Ludwig Spreitzer initiiert.

Im voll besetzten St. Maurus-Saal im klösterlichen Gästehaus St. Joseph entführte die Waldsassener Künstlerin auf Einladung von Ludwig Spreitzer und Johanna Härtl vom Kultur- und Begegnungszentrum Abtei Waldsassen laut Pressemitteilung die Anwesenden nach Italien, in die Toskana, nach Wien und Berlin. Letzte Station war Maiersreuth, wo sie an ihrem aktuellsten Projekt arbeitet.

Kunst aus Alltagsgegenständen

Doch zurück zum Anfang der Geschichte: Susanne Neumann wurde am Stiftland-Gymnasium durch ihren Kunstlehrer Günter Hirsekorn vermittelt, dass Kunst auch aus Alltagsgegenständen entstehen kann und sich nicht nur auf ein gemaltes Bild beschränken muss. Das eröffnete der künstlerisch talentierten Schülerin neue, ungeahnte Wege und so zeichnete sich schon früh der Berufswunsch ab: freischaffende Künstlerin.

Während ihrer Schulzeit beschäftigte sie sich eingehend mit zeitgenössischer Kunst und klassischer Literatur und so entwickelte sich eine, laut Neumann, durchaus "kitschig romantische Vorstellung", dass man Künstlerin nur in Italien werden könne. So sparte sie noch während der Schulzeit "im Geheimen" Geld, kaufte sich einen alten 2er VW Golf und startete am Tag nach der Abiturzeugnis-Übergabe ihre Reise gen Italien. Zunächst arbeitete sie in Florenz in einem Hotel. Ein Kollege brachte sie auf die Idee, sich an der Akademie der Schönen Künste in Florenz für ein Studium zu bewerben. Parallel bewarb sie sich - mit Erfolg - auch an den Akademien in München und Nürnberg. Zu Hause auf dem Küchentisch, so Neumann, lagen dann die drei positiven Bescheide der Universitäten. Schnell war der gesamten Familie klar, dass sich Susanne die Chance eines Studiums in der Geburtsstätte der Renaissance, in der wichtigsten Kunststadt Europas, nicht entgehen lassen könne.

Viele Anekdoten

Neumann berichtete dann dem aufmerksamen Publikum in mit Anekdoten gespickten Geschichten über ihr Malereistudium bei Professor Gustavo Giulietti in Florenz, ihrem toskanischem Landsitz etwas außerhalb der Stadt und wie sie schließlich in Daniel Spoerris Skulpturengarten landete.

Dort arbeitete sie zunächst im Ticketverkauf, bei der Gartenarbeit und half auch in der Küche aus, bis sich Spoerri nach ihren handwerklichen Fähigkeiten erkundigte. Neumann stieg dann schnell zur Atelierassistentin auf. Sie assistierte in den folgenden Jahren bei Kunstprojekten und Ausstellungen in ganz Europa dem weltberühmten Künstler bei der Montage seiner aus Alltagsobjekten bestehenden Assemblagen.

Vizepräsidentin der Stiftung

Bis heute ist sie dem Skulpturengarten treu geblieben und als Vizepräsidentin der Stiftung für die Landschaftspflege des 17 Hektar großen Areals verantwortlich; des Weiteren kümmert sie sich um die restauratorische Pflege und den Erhalt der über 120 Kunstinstallationen. Einen kürzeren Stopp während ihres künstlerischen Werdegangs machte Susanne Neumann nach ihrem Studium in Berlin. Sie eröffnete dort eine Galerie in der Nähe des Checkpoint Charlie, die sie zwei Jahre lang erfolgreich mit Künstlerkollegen leitete.

2010 führte sie dann ihr Weg eher zufällig nach Wien, wo sie sich sofort wohl fühlte. Das Berufsbild des Künstlers sei dort positiver besetzt und man werde viel offener empfangen, so Neumann. Auf der Suche nach einer Wohnung und einem Atelier und gefragt nach ihrem Beruf, reagierten die Wiener häufig freudig: "Ja, wunderbar, a Kinstlerin brauch ma immer." So packte Neumann in Berlin ihre Taschen und eröffnete 2011 in Wien ein Hinterhofatelier in der Nähe des Naschmarktes, wo sie auch heute noch arbeitet.

Auf Vermittlung der Wiener Schriftstellerin Friederike Mayröcker begann sie 2015 ein Studium der Philosophie bei Professorin Elisabeth von Samsonow an der Akademie der bildenden Künste und promovierte ab 2016 über einen Roman der Renaissance und dessen Einfluss auf die europäische Gartenkunst und die Science Fiction.

Nach Italien und zurück

Über ihr neuestes Projekt, die Umgestaltung des ehemaligen Badehauses in Maiersreuth in einen Kunstort, zeigte Neumann einen Film, den der BR vergangenes Jahr produzierte. Das Künstlerportrait zeichnete noch einmal Neumanns Weg von der Oberpfalz nach Italien und zurück nach.

In Maiersreuth möchten Susanne Neumann und der Verein "Badehaus Maiersreuth" Kunst an einem außergewöhnlichen Ort etablieren. Nach dem Film offerierte die umtriebige Künstlerin noch warme Bruschette mit frischem Olivenöl aus der Toskana.

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