Nach langer Pause wird das Kunsthaus Waldsassen wieder seinem Namen gerecht: Unter dem Motto "Vom Spalten der Wirklichkeit" zeigt Hans-Jürgen Bröckl aus Flossenbürg Malerei, Grafiken und Skulpturen. Die Laudatio hielt Dr. Werner Chrobak, Historiker und Stadtheimatpfleger in Regensburg und ebenso wie Bröckl ein gebürtiger Flossenbürger. Die Ausstellung in Waldsassen vermittelt hatte Nils Wittmann.
Zur Vernissage am Karsamstag waren vor allem Gäste aus dem Umfeld des Künstlers gekommen. Musikalisch gestaltet wurde der Abend von Helmut Burkhardt (Klavier) und Verena Bauer (Gesang). Wolfgang Horn, Vorsitzender des Vereins Kunsthaus Waldsassen, nutzte bei der Begrüßung die Gelegenheit, den Gästen die Entstehung des Kunsthauses zu schildern. Außerdem verwies Horn auf das fünfjährige Bestehen des Kunsthauses. Das Jubiläum soll am 21. Mai mit einem großen Fest und viel Musik gefeiert werden.
Einer Pressemitteilung zufolge würdigte der Bürgermeister von Flossenbürg, Thomas Meiler, die Ausstellung und das Kunsthaus Waldsassen in einem kurzen Grußwort. Auch Laudator Dr. Werner Chrobak lobte die "feine Adresse der lokalen und überregionalen Kunstpflege" und gratulierte der Stadt Waldsassen dazu.
Kein einheitlicher Stil
Dr. Chrobak, 1948 in Flossenbürg geboren und ehemaliger Nachbar von Hans-Jürgen Bröckl, hat dessen Werdegang als Maler über Jahrzehnte miterlebt. Der Historiker stellte "aus der distanzierten Perspektive von außen" die Behauptung auf: "Wir haben in Hans-Jürgen Bröckl einen der profiliertesten, ideenreichsten und tiefgründigsten Künstler der Oberpfalz der Gegenwart vor uns." Mit der Wahl der Kunsthochschule Kassel habe sich Bröckl für die wohl profilierteste Ausbildungsstätte für moderne Kunst in der Bundesrepublik entschieden.
Vom Studium an der Kunsthochschule für sein Leben geprägt worden sei Bröckl. Er wurde sich dort, so der Laudator, auch der Freiheit eines Künstlers bewusst. Dabei verwies Chrobak auf die großformatigen Gemälde um die Bühne im ersten Obergeschoss des Kunsthauses. Die Arbeiten würden sich in Stil und Ausführung völlig unterscheiden. "Es gibt keinen einheitlichen Bröckl-Stil, an dem der Künstler eindeutig und auf den ersten Blick erkennbar wäre, so wie viele andere Künstler."
"Manisch produktiv"
Denn eine Stilrichtung und eine Technik wäre, so Chrobak, für Bröckl eine Einengung, die er um seiner Kreativität willen niemals akzeptieren könne. "Bröckl ist manisch produktiv, er reizt in Serien bestimmte Motive in Variationsreihen bis zum Äußersten aus." Der Künstler beherrsche die Klaviatur verschiedenster Techniken – Bleistiftzeichnung, Aquarelle, Ölmalerei sowie Radierungen, Holz- und Linolschnitte ein- und mehrfarbig.
Bröckls Werke seien aber abgesehen von äußeren Erscheinungsformen alle durch ein inneres gemeinsames Band verbunden. Damit kam der Laudator auf das Motto der Ausstellung zu sprechen – „Vom Spalten der Wirklichkeit“. Hinter der vordergründigen Wirklichkeit der Bilder würden Spannungen aufgezeigt – zwischen Diesseits und Jenseits, heiler Welt und gefährdeter Welt, Harmonie und Disharmonie, Ruhe und Unruhe, Schönheit und Hässlichkeit, praller Lebenslust und Verfall. Dies, so der Historiker, sei in vielen von Bröckls Werken zu finden.
"Vom Spalten der Wirklichkeit"
- Ausstellung im Kunsthaus Waldsassen auf drei Etagen mit etwa 100 Arbeiten
- Dauer bis Sonntag, 8. Mai
- Geöffnet jeweils am Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr





















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