24.05.2019 - 17:32 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Wertvolle Fachkräfte durch Inklusion gewinnen

Beim Unternehmertag „Behinderung und Arbeit – Unternehmer im Dialog“ ließen sich Firmenchefs überzeugen, dass Menschen mit Handicap durchaus eine Bereicherung seien.

Andrea Stempfhuber aus Regensburg referierte über aktuelle Daten der schwerbehinderten Arbeitnehmer in der Oberpfalz und über Fördermöglichkeiten für die Unternehmen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Menschen mit Behinderungen tun sich schwer, einen Job zu finden. Umgekehrt tun sich Firmen schwer, diese Menschen einzustellen. Für beide Seiten setzten sich das Netzwerk Inklusion, der Integrationsfachdienst, die Bildungsregion Tirschenreuth und das Unternehmens-Netzwerk Inklusion bei einer Fachtagung in der Firma Kassecker ein.

Einblicke gewährt

Für den Landkreis begrüßte Roland Grillmeier die zahlreichen Gäste und bedankte sich bei Kassecker für die Bereitstellung der Räume. Als gewohnt professionell tätige Organisatorin der Veranstaltung hob er Christina Ponader vom Netzwerk Inklusion hervor. Josef Andritzky, geschäftsführender Gesellschaft von Kassecker, gewährte den Gästen einen Blick in die Firma.

Mit Grundinformationen versorgte Andrea Stempfhuber vom Inklusionsamt Regensburg die Anwesenden. In der Oberpfalz seien 2018 insgesamt 130 000 Schwerstbehinderte gemeldet, sagte sie, davon 76 000 als erwerbstätig. Nur bei 1,8 Prozent der Betroffenen sei die Behinderung angeboren. "98,2 Prozent haben sie im Laufe ihres Lebens erworben durch Krankheit oder Unfall. Es kann jedem passieren", sagte sie.

Verständigung funktioniert

Stempfhuber referierte über Fördermöglichkeiten für Betriebe, die einen behinderten Menschen einstellen. So könne ein Auszubildender bis zu 80 Prozent gefördert werden. Bei Mitarbeitern über 50 Jahren gebe es neu gestaffelte Prämien. "Das ist ein Anreiz und läuft gut. Wir haben viele Anträge auf dem Tisch", so die Referentin. Sie sprach auch Finanzhilfen für Arbeitsassistenten bei Gebärdensprache, psychosoziale Hilfe und Präventionsbegleitung an. Man helfe, einen Arbeitsplatz passgenau für die behinderte Person einzurichten. Auch Probearbeit sei förderfähig, und es gebe Geld für die Begleitung eines Mitarbeiters als "Betriebspate" während der Probearbeit.

Ebenfalls förderfähig sei ein ausgelagerter Arbeitsplatz, zum Beispiel in den Behindertenwerkstätten. "Die Vorteile bei der Einstellung eines Menschen mit Behinderung liegen auf der Hand. Es wird die Kreativität und Produktivität gefördert. Und es geht eine positive Wahrnehmung in der Öffentlichkeit damit einher", sprach die Regensburgerin von einer Bereicherung für die Firma, auch in Bezug auf den Fachkräftemangel. Zumal viele Behinderte hochqualifizierte Fachkräfte seien.

Ponader stellte die "Tandems" vor. Dabei handelte es sich um leitende Angestellte der Firmen ATU., Horn Glass Industries AG, Edeka Götz aus Etzenricht und Witt Weiden, die einen ihrer Mitarbeiter mit Behinderung mitgebracht hatten. Unter anderen war Juliane Feneis aus dem Personalbüro von Witt Weiden gemeinsam mit der gehörlosen Witt-Mitarbeiterin Michaela Zant gekommen. "Wir sind selbst erstaunt, wie gut die Verständigung funktioniert, obwohl Frau Zant nichts hört", berichtete Feneis. Witt Weiden beschäftigt 45 Menschen mit Handicap.

Erfahrungen ausgetauscht

Nach der Vorstellungsrunde tauschte man sich bei Gruppengesprächen mit den "Tandems" über deren Erfahrung mit behinderten Menschen aus. Wer wollte, konnte abschließend an einer Werksführung teilnehmen.

Im Rahmen des Unternehmertages stellte Andritzky die Philosophie des Bauunternehmens vor. Kassecker beschäftigt 470 Mitarbeiter, darunter knapp 40 Auszubildende in neun Ausbildungsberufen. Kassecker sei in ganz Deutschland tätig. Auch für die Deutsche Bahn AG erledige man immer wieder Aufträge. Ganze Fensterfronten für mehrstöckige Gebäudekomplexe gehörten ebenso zum Aufgabenfeld wie der Bau von Discountergebäuden. Ein Großauftrag sei der Frankfurter Bahnhof. Eine Herausforderung sei eine Salzwasserleitung für ein Unternehmen über einige hundert Kilometer hinweg bis zur Nordsee. Auftraggebern seien auch Hotels und Weltunternehmen wie Puma, Grammer Amberg oder die Schott AG. Außerdem spezialisiere man sich in der Projektentwicklung.

Bürgermeister und stellvertretender Landrat, Roland Grillmeie,r schenkte Kassecker-Gesellschafter Josef Andritzky (von links) für die Bereitstellung der Räume einen ,Hobel, gefertigt von Mitarbeitern der Behindertenwerkstätten.
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