14.12.2019 - 18:59 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Vom Zahnwehwein bis zum Liebesorakel: Das alte Wissen der Kräuterhexen

Es ist gegen jedes Wehwehchen ein Kraut gewachsen, so heißt es. Zwei Kräuterpädagoginnen sind unter die Buchautorinnen gegangen und geben das alte Wissen der Kräuterhexen weiter.

Mit einfachen Mitteln kann man sich etwas Wildes auch ans Haus holen. Eine Möglichkeit dazu ist eine mit einer Palette angelegte Kräuterbar.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil
Das Cover des Buchs "Faszination Kräuterwissen"

Seit 2008 schult die Umweltstation Waldassen Kräuterführer. Rund 270 Frauen und Männer haben diese zertifizierte Ausbildung mittlerweile absolviert. Das Interesse daran ist ungebrochen. Das Kochen mit und Essen von Wildkräutern liegt im Trend. Viele erkennen plötzlich wieder, dass unsere Blattsalate bei den Inhaltsstoffen mit Wildkräutern nicht mithalten können.

Bei den Lehrgängen in Waldsassen wird dies und viel anderes fast schon vergessenes Wissen ausgegraben und weitergegeben. Die wichtigsten Inhalte der Ausbildung gibt es nun auch für jeden Interessierten als Buch für daheim zum Nachlesen. Herausgebracht hat es die Stiftung Kultur- und Begegnungszentrum und Umweltstation Abtei Waldassen. Rund ein Dutzend Autoren haben an diesem Werk mitgearbeitet.

Treibende Kräfte

Die beiden treibenden Kräfte waren Sabine Brunner und Cornelia Müller. Die eine - Sabine Brunner aus Weiden - hat beruflich mit Mediendesign zu tun. Die andere - Cornelia Müller aus Pullenreuth - ist angehende Architektin. Das Interesse für Kräuter führte die beiden Frauen in Waldsassen zusammen. 2018 ließen sie sich gemeinsam zu Kräuterführerinnen ausbilden. Dies hat sie nun gemeinsam zu Buchautorinnen werden lassen. „Die Faszination Kräuterwissen hat uns gepackt, einmal angefangen, lässt sie einen nicht mehr los“, erzählen die beiden Frauen. Sie fanden, dass die in Waldsassen vermittelten Inhalte viel zu wertvoll seien, um sie nach der Ausbildung „nur“ in Ordner abzuheften.

Herausgekommen ist ein über 220 Seiten dickes Buch, das Heilpflanzen, Anwendungen und Rezepte aus dem Klostergarten umfassend beschreibt. Viele Anwendungen sind schon uralt, andere neu entdeckt. Dass dieses Buch mit Unterstützung des Klosters Waldassen entstanden ist, ist nicht nur der Umweltstation der Abtei zu verdanken. „Die Klöster haben seit jeher einen besonderen Bezug zur Pflanzenwelt. Seit den Anfängen des Zisterzienserordens ist der Garten ganz wesentlicher Bestandteil des Klosterlebens“, weiß die Äbtissin des Waldsassener Klosters, Laetitia Fech, die das Projekt unterstützt und auch das Vorwort geschrieben hat.

13 Kapitel verfasst

In 13 Kapiteln beleuchten die Autoren heimische Pflanzen, ihre Wirkungsweise und die Ausbildung zu Kräuterpädagogen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Der Naturheilkunde nach Pfarrer Sebastian Kneipp (von Margot Löffler aus Spalt) und der Hausapotheke nach Hildegard von Bingen (von Johanna Eisner aus Kemnath) sowie dem Schwarzen Holunder (eine Abhandlung von Ulrike Gschwendtner aus Weiden) sind eigene Kapitel gewidmet.

Karin Holleis aus Bischofsgrün schreibt über „Wilde Leckereien im Sommer“, die „Grüne Hausapotheke“ und die Heilkraft von Gewürzen. Ulle Dopheide aus München beschäftigt sich mit der Wildgemüseküche im Frühjahr, Gertie Kreuzer aus Waidhaus beleuchtet Hecken und Heckenfrüchte, der Regensburger Hansjörg Hauser nimmt sich des Themas „Botanik und Heimische Wildkräuterwelt“ an, Thomas Janscheck aus Wolnzach philosophiert über „Baum und Mensch“. Susanne Bosch von der Bildungsstätte Burg Hohenberg beschäftigt sich mit Naturpädagogik und Thomas Völkl aus Kemnath mit der Rhetorik der Kräutervermittlung. Kräuter und Bäume im Jahreskreis beschreibt Ulrike Gschwendtner in ihrem zweiten Kapitel.

Bis hin zum Liebesorakel

Info:

Im Buch- und Kunstverlag erschienen

Erschienen ist das Buch in hochwertiger Hardcover-Fadenbindung in einer Auflage von 3000 Exemplaren in der Reihe Buch- und Kunstverlag Oberpfalz des Battenberg-Gietl-Verlags Regenstauf. Es kann für 19,90 Euro über jede Buchhandlung sowie natürlich den Klosterladen in Waldsassen bezogen werden.

Das Waldsassener Buch „Faszination Kräuterwissen“ spannt den Bogen vom Holunderblüten-Balsamico über Zahnweh-Wein, Ringelblumensalbe, Löwenzahn- und Brennnesselsalat, Wurzelschnaps und Salbenbutter bis hin zu Blütenpralinen, Kräuter-Marinade, Kräuterzahnputzpulver und Kräutershampoo. Fast schon selbstverständlich sind da Rezepte für Schlehenlikör und Hinweise auf alte Bräuche wie das Buschenbinden zu Mariä Himmelfahrt, das Ausräuchern und das Weihnachts-Liebesorakel mit Barbara-Zweigen. „Die Natur schenkt so viel Heilsames und Nährendes, wir müssen es nur annehmen“, sagt Cornelia Müller. Die Leiterin der Umweltstation der Abtei Waldsassen, Johanna Härtl, hofft, dass das Buch auch einen Beitrag dazu leistet, die Schöpfung zu bewahren. „Nur was man kennt und liebt, das schützt man auch“, sagt sie.

Erschienen ist das Buch in hochwertiger Hardcover-Fadenbindung in einer Auflage von 3000 Exemplaren in der Reihe Buch- und Kunstverlag Oberpfalz des Battenberg-Gietl-Verlags Regenstauf. Es kann für 19,90 Euro über jede Buchhandlung sowie natürlich den Klosterladen in Waldsassen bezogen werden.

Holunderblüten verströmen einen wundervollen Duft. Der Heilpflanze ist ein ganzes Kapitel gewidmet.
Kräuteransätze.
Autorin Sabine Brunner.
Autorin Cornelia Müller.
Apfelallee mit alten Sorten im Klausurbereich des Klosters Waldsassen.
Gänseblümchen sind für vieles gut, darunter Salben, Salat, Suppen und Pesto.
Hauswutz kann nicht nur ungemein dekorativ sein, sondern hilft auch bei Insektenstichen sowie Brandwunden und Altersflecken.

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