11.07.2019 - 17:40 Uhr
WaldsassenOberpfalz

Zwei Vereine mit Tradition stellen sich im Waldsassener Stiftlandmuseum vor

"Vereine mit Tradition" heißt die aktuelle Sonderausstellung. Sie befasst sich mit dem Schützenverein und der freiwilligen Feuerwehr und ist bis Dreikönigstag 2020 zu sehen..

Die Museumsleiter Robert Treml (rechts) und Hans Zölch (links) an einer Saug- und Druckspritze wie sie um 1900 Verwendung fand.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Die Mitglieder beider Vereine tragen Uniformen. Die einen löschen Brände und retten Leben, die anderen versuchen stets ins Schwarze zu treffen. Seit 500 Jahren existiert die "Königlich privilegierte Schützengesellschaft". Die Feuerwehr blickt auf 150 Jahre zurück.

Heute sind Schützenvereine sportlich geprägt und messen sich in Wettbewerben. Als 1519 der Waldsassener Schützenverein gegründet wurde, hatte das ganz andere Hintergründe. Im Mittelalter, wo sich viele Schützengesellschaften gründeten, sei es notwendig gewesen, die Bürger zu bewaffnen, um einfallende Feinde zurückzudrängen, erklären die Leiter des Stiftlandmuseums Robert Treml und Hans Zölch.

Erstmals seien die Schützen am 3. März 1519 in einem Musterungsverzeichnis über das Kloster aktenkundig, weiß Treml. Der Umgang mit Bogen, Armbrust und Gewehr habe regelmäßig geübt werden müssen. Um 1648 sei ein Schießplatz auf dem Weg zum Glasberg erwähnt. Durch den militärischen Charakter der Schützengesellschaften seien auch strenge Vorschriften für die Durchführung von Übungen und den Umgang mit Waffen festgelegt worden. Am 21. Juli 1796 habe das Kurfürstentum Bayern eine einheitliche Schützenordnung verabschiedet. Ihre militärischen Aufgaben hätten die Schützengesellschaften erst durch die Auflösung der Bürgerwehr im Jahr 1870 verloren.

Vereinigung 1960

Zwei Jahre zuvor habe König Ludwig II. eine neue Schützenordnung erlassen. Mit deren Anerkennung habe die Waldsassener Schützengesellschaft den Zusatz ,,königlich privilegiert" erhalten. 1899 habe sich mit der Zimmerstutzen-Schützengesellschaft ein weiterer Schützenverein in Waldsassen gegründet.

Beide Gesellschaften hätten in den 1940er Jahren ihre Anlagen verloren und mit einem enormen Mitgliederschwund zu kämpfen gehabt. 1960 habe man sich für die Vereinigung der beiden unter dem heutigen Namen geeignet. Ein Jahr sei das neue Vereinshaus in der Schützenstraße gebaut worden. Mit neuem Schwung habe der Verein das Vereinshaus weiter modernisiert und Erfolge auf Gau-, Bezirks- und Landesebene gefeiert. 1995 wurde das Angebot mit der Sparte Bogenschießen erweitert. So leiste die Schützengesellschaft mit ihrer modernen Anlage und ihren sportbegeisterten Mitgliedern bis heute einen wichtigen Beitrag zum sportlichen und gesellschaftlichen Leben in Waldsassen.

Nutzen und Gefahr

Seit jeher stelle Feuer gleichzeitig Nutzen und Gefahr dar. Für die Wärme im Haus, das Kochen und viele Handwerke sei eine offene Feuerstelle unverzichtbar gewesen. Dadurch seien häufiger Brände ausgebrochen und fielen mit Stroh und Holz gedeckte Häuser oft und leicht den Flammen zum Opfer. Um 1850 hätten sich im gesamten deutschsprachigen Raum und darüber hinaus Freiwillige zu Feuerwehren zusammengeschlossen. Bis heute seien die ehrenamtlichen Helfer - neben Berufs- und Werksfeuerwehren - ein Hauptpfeiler in der Brandbekämpfung. Am 3. Juni 1869 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr Waldsassen. Bereits ein Jahr später seien bei einem Großbrand in der Altstadt 19 Feuerwehren im Einsatz gewesen. 68 Häuser samt Nebengebäuden seien damals abgebrannt. Ausgestattet mit Ledereimern und einfachen Karrenspritzen sei ein solches Inferno nur schwer einzudämmen gewesen.

Fortschritt durch Technik

Der technische Fortschritt habe auch der Feuerwehr immer bessere Ausrüstung verschafft. "Die 1910 installierte Hochdruck-Wasserleitung und das erste motorisierte Feuerlöschfahrzeug aus dem Jahr 1928 stellten enorme Verbesserungen für die Brandbekämpfung dar", sagt Treml. Die heutigen leistungsstarken Maschinen seien seit 1999 im Feuerwehrgerätehaus in der Bahnhofstraße untergebracht.

Durch die Modernisierung in Häusern und Firmen sei die Zahl der Brandeinsätze seit den 1960er Jahren stark zurückgegangen. Dennoch sei der Aufgabenbereich der Feuerwehr größer geworden: Hilfe bei Naturkatastrophen und Unfällen oder auch vorbeugende Maßnahmen zum Brandschutz gehörten heute dazu. Gleichzeitig trügen die Feuerwehrleute mit ihrem gesellschaftlichen Engagement zu einem lebendigen Stadtbild bei. Letzteres gelte genauso für die Schützen.

Geöffnet ist das Stiftlandmuseum Mittwoch bis Sonntag, jeweils von 10 bis 12 und 13 bis 16 Uhr.

Eine Ehrenscheibe von 1957.
1993, 2007 und 2010 war Bruno Salomon Schützenkönig und erhielt dafür die Schützenkaiserwürde. Christian Koch und Dieter Kannenberg waren zwei weitere Schützen, die diese Auszeichnung bekamen.
Eine Ehrenscheibe von 1994.
Zwei Feuerwehruniformen aus verschiedenen Zeiten.
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