03.07.2020 - 14:35 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Ein echter Oberpfälzer Landarzt und seine Nachfolger

Nach 40 Jahren braucht Waldthurn wieder einen neuen Landarzt. Nikolaus Globisch geht in Ruhestand. Doch dieses Mal gestaltet sich die Suche einfacher. Die Nachfolge des bekannten Waldthurner Mediziners ist geregelt.

Dr. Sebastian Hoppe (links) soll Dr. Nikolaus Globisch in der Landarztpraxis beerben. Globisch wird noch einige Zeit als ärztlicher Mitarbeiter stundenweise weiter mitarbeiten.
von Franz VölklProfil

Es dürfte bekannt sein, dass es immer schwieriger wird, Arztstellen auf dem Land nachzubesetzen. „Auch wir beschäftigen uns seit einigen Jahren mit dieser Problematik, weil wir verhindern wollten, dass unsere schöne Marktgemeinde in näherer Zukunft ohne ärztliche Versorgung auskommen müsste“, erklären die Ärzte der Waldthurner Gemeinschaftspraxis, Dr. Nikolaus Globisch und Nina Eckl. Globisch führt seit genau 40 Jahren die Landarztpraxis und freut sich, dass sich in der Zwischenzeit mit Dr. Julia Bayer und Dr. Sebastian Hoppe zwei junge Ärzte gefunden haben, die in absehbarer Zeit die Praxis in der Waldthurner Bahnhofstraße übernehmen wollen.

Seit 1. Juli 2020 ist Assistenzarzt Hoppe in der Waldthurner Praxis und wird entsprechend unterstützen. Der 37-jährige gebürtige Neumarkter, wohnt mit seiner Frau, die Ärztin am Klinikum Weiden ist, sowie seiner Tochter in Weiden. „Nach Waldthurn bin ich durch meine Kollegin Julia Bayer, mit der ich zusammengearbeitet habe, aufmerksam geworden“, erklärte der Mediziner. Bisher war er in einer Internisten/Hausarztpraxis in Weiden tätig. Bis zum Jahresende werde er in Waldthurn mitarbeiten, dann die Facharztprüfung Allgemeinmedizin ablegen und zum 1. Januar 2021 für den 72-jährigen Globisch in die Praxis einsteigen.

So wie bei Globisch ist auch sein Hobby das Klavierspielen. „Ich möchte medizinischer Berater und Betreuer aber auch ein guter Freund des Patienten sein“, erklärte Hoppe bei der Vorstellung in oberpfälzischem Dialekt. Wenn es die standesrechtlichen Erfordernisse und die bürokratischen Bedingungen erlauben, möchte Globisch dann noch einige Zeit als einfacher ärztlicher Mitarbeiter stunden- und aushilfsweise weiter mitarbeiten.

Landarzt Nikolaus Globisch feiert "Runden"

Julia Bayer, geb. Reinl aus Grafenreuth, wohnt mit ihrem Mann in Floß. Sie befindet sich derzeit noch in Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin, beendet in Kürze ihre Tätigkeit im Krankenhaus Tirschenreuth und leistet dann ihren ärztlichen Dienst in einer allgemeinärztlich-internistischen und dann kinderärztlichen Praxis in Weiden. Das Ende ihrer Weiterbildung wird sie Anfang 2022 in der Waldthurner Praxis absolvieren, um dann nach erfolgter Facharztprüfung „Allgemeinmedizin“ Anfang 2024 Nina Eckl abzulösen. Beide jungen Ärzte kennen sich aus der Klinikzeit und freuen sich mit der gesamten Praxismannschaft auf die gemeinsame Versorgung der Patienten für die nächsten Jahrzehnte.

Damals vor vier Jahrzehnten ging ein Aufschrei durch die Marktgemeinde, als er so manchem Stammtischbruder das berühmte „Globisch-Wasserl“ – Mineralwasser pur – empfohlen hatte. Genau am 1. Juli 1980 eröffnete der Landarzt Nikolaus Franz Fedorf Globisch seine Praxis in Waldthurn und ist als Mediziner und auch aus dem gesellschaftlichen Leben in der Marktgemeinde nicht mehr wegzudenken. Damals im zarten Alter von 32 Jahren wurde aus dem oberbayerischen Grabenstätter (bei Traunstein) ein Oberpfälzer. Mit stoischer Gelassenheit führt er mit seiner Kollegin Nina Eckl, die 1991 eintrat, die Arztpraxis in der Waldthurner Bahnhofstraße. „Mei is des schee“ ist ein Ausdruck, den man immer wieder voller Bewunderung vom Arzt und Seelendoktor hören kann, was sein allzeit positives Denken auf einen Nenner bringt.

Durch eine Zeitungsannonce „Waldthurn sucht Arzt“ wurde er auf den Ort in der nördlichen Oberpfalz aufmerksam. „Ich und meine Frau Elfi sind damals angekommen, Zweiter Bürgermeister Josef Götz und der damalige Verwaltungschef Josef Forster waren sehr weltoffen und nett“, erinnert sich der Arzt. Die jungen Leute hatten zuvor schon eine größere Anzahl von Orten wegen einer möglichen Praxisgründung besucht. „Von der herzlichen Aufnahme hier in Waldthurn waren wir wie verzaubert und wir waren uns ganz rasch einig: hier wollen wir bleiben und eine Allgemeinarztpraxis eröffnen“, blickt Globisch zurück.

Es standen mögliche Behandlungsräume einer verwaisten Zahnarztpraxis zur Verfügung, die noch renoviert werden mussten. „Eigentlich war es damals sehr leichtsinnig, in einen Ort mit nur 1200 Einwohnern zu gehen und eine Arztpraxis zu eröffnen“, blickt er zurück. Heute würde man zuvor eine große Analyse anstellen. So eröffnete der Oberbayer mit schlesischen Wurzeln die Praxis im „Haus der Bäuerin“ in der Waldthurner Bahnhofstraße, die erste Mitarbeiterin war Maria Greim, geb. Baier. Im Jahr 1986 siedelte sich die Familie Globisch in Woppenrieth an und schuf sich dort ein Zuhause. So wie der Mediziner sich seinen Patienten gegenüber gibt, ist er eigentlich der Prototyp eines Landarztes. „Nick“, wie er oft genannt wird, ist ein vielseitig interessierter Mensch, der eine unheimliche Ruhe und Gelassenheit ausstrahlt. Neben seinen medizinischen Fähigkeiten interessiert er sich mit seiner Frau für klassische Musik und ist ein begabter Künstler, der in seiner kurz bemessenen Freizeit Aquarelle malt, aber auch gelegentlich seinen Freund Tenor Ibrahim Yesilay auf dem Klavier begleitet. Seit vielen Jahren engagiert sich Globisch auch als Marktrat.

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