19.07.2019 - 08:45 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Heimat früher, jetzt und künftig

Zwei Tage ist das „Junge Landestheater Oberpfalz“ in Waldthurn, trifft Schüler und einen Mann, der im alten Raiffeisengebäude zur Welt gekommen ist und 22 Jahre dort gewohnt hat. Als großes Thema steht die Heimat im Mittelpunkt.

Blick in die Zukunft in Sachen Heimat. LTO-Kinder spielen im Vorraum des alten Raiffeisengebäudes Situationen, wie sie die "Heimat-Zukunft" sehen.
von Franz VölklProfil

Eine weitere Aktion im Rahmen des Projekts LandKultur startete das Landestheater Oberpfalz, hier speziell der Nachwuchs das „Junge LTO“ in Waldthurn im alten Raiffeisengebäude. Mit dem „ZwischenSpielRaum“ des LTO wird dem alten Gebäude seit März diesen Jahres immer wieder neues Leben eingehaucht.

Der 37-jährige Schauspieler und Regisseur Julian Struck aus Regensburg leitet die LTO-Kinder- und Jugendkurse. Mit szenischen Collagen führten die jungen Theaterleute unter dem Titel „Daham – damals, später, jetzt“ zum Thema hin. Im vollbesetzten „Theatersaal“ begrüßte Struck die Besucher im Bereich „Heimat – wie sie früher war“. Schon einen Tag zuvor waren Schüler der Kombiklasse 3/4 der Wolfgang-Caspar-Printz Grundschule mit ihrer Lehrerin Alexandra Hecht zum alten Raiffeisengebäude gekommen. Die Kinder hatten sich mit dem Thema Heimat beschäftigt, befragten ihre Eltern und Großeltern und schrieben fleißig Gedichte, Texte oder malten Bilder.

Struck führte mit den Mädchen und Buben einen theaterpädagogischen Vormittag durch. Sie setzten ihre Texte schauspielerisch vor den Erwachsenen am Abend um. Eine große Heimat-Collage mit ihren persönlichen Ergebnissen der vergangenen Wochen zierte den großen Vorraum.

Was passiert, wenn zwei Welten in Sachen Heimat aufeinandertreffen, spielten unterhaltsam und nach eigenen Texten die Waldthurner Schüler Sophia Kleber, Julius Hornstein und Lèa Menzl. Zwei Oberpfälzer trafen hierbei auf eine Schülerin aus Berlin und feierten nach einigen Sprachmissverständnissen zusammen ein Fest – die Zuschauer waren begeistert. Auch wurde ein Heimatquiz von den LTO-Mitgliedern und den Waldthurner Kindern vorgeführt.

Der LTO-Nachwuchs stellte dann den Waldthurner Herbert Kick vor, der ein „Kind des alten Raiffeisengebäudes“ ist. Er wurde 1941 hier geboren und lebte mit seinen Eltern bis zum Jahr 1963. Ihn hatte man schon zuvor filmisch durch das Gebäude begleitet. Kick berichtete, er habe in seiner Kindheit „Roaftreiben“ gespielt, dabei habe man einen alten Fahrradreifen mit einem Stecken vor sich hergetrieben. Auch vom „Schussern“ mit seinen Freunden wusste er zu berichten.

Info:

Das Gedicht vom "Obsd"

Schon immer haben den 78-Jährigen Herbert Kick die Geschichte und Geschichten interessiert. So kam er zum Schreiben. Im Erzählsessel sitzend trägt er sein Gedicht „Obsd“ vor: "Obsd grod gäihst oder krumm, obst gscheid bist oder dumm, obsd dick oder dürr bist, obst lachst oder obst woinst, obsd so rum oder anders rum moinst, obsd oarm bist oder reich, des is an Herrgott alles gleich. Nach`m Toud wird neamad sortiert und a ka Statistik g`führt. Ner des oine wüll er seh`ng, obsd a Mensch blieb`m bist im Leb`n."

Schließlich marschierten die Darsteller samt Besucher in den „Heimat-Zukunftsraum“. Dort zeigte der LTO-Nachwuchs, wie sie sich ihre Heimat in Zukunft vorstellten und bauten sich eine „Heimatmaschine“, in der sie Konditorin, Schauspieler, Innenarchitektin und vieles mehr werden wollen. „Ich bin in Waldthurn geboren und bin froh, dass ich hier bin und will hierbleiben“, war Kicks Meinung, die über Lautsprecher eingespielt wurde. „Auf in die Gegenwart – lass uns nach draußen ins Freie gehen“, forderte Struck auf. In der Gegenwart draußen vor dem Gebäude angekommen, beschäftigten sich die LTO-Kinder im Beisein aller Besucher beim „Entweder-oder-Balken“ mit dem, was man lieber will: Stadt oder Land, Tag oder Nacht, Ferien oder Schule, Hund oder Katze Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, Sommer oder Winter.

Schon zu Beginn der Veranstaltung bot sich allen Besuchern bereits am großen Torbogen zum alten Gebäude die Möglichkeit, mit einem Filzstift auf ein Blatt den persönlichen Begriff von „Heimat“ zu definieren. Am Schluss wurden einige vorgelesen: „Wo ich immer wieder zurückkehren möchte - wo man sich wohl fühlt - wo man seine Kindheit verbracht hat - die Oberpfälzer Landschaft - Leben in Freiheit – da wo Menschen sind, die mich mögen“, war ein kleiner Querschnitt der vielen Antworten.

Waldthurner Schulkinder (von links) Elena Stahl, Julius Hornstein, Sophia Kleber und Lèa Menzl
Special-Guest Herbert Kick (links) mit LTO -Nachwuchsschauspielern
Herbert Kick
Im Hof des alten Raiffeisengebäudes philosophierten der LTO-Nachwuchs mit den Waldthurner Schulkindern und Herbert Kick (rechts) darüber, wie sich "Heimat" in der Gegenwart darstellt. Vor ihnen der "Entweder-oder-Balken"

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