16.10.2020 - 21:38 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Mit Hypnose gegen den Schmerz

"Auch Schwangere brauchen ein Handwerkszeug, mit dem ihnen bei auftretenden Schmerzen geholfen werden kann", erklärt Dr. Elisabeth Eißner. "Neun2727"-Koordinatorin Doris Völkl hatte die Hypnosespezialistin ins Gesundheitszentrum eingeladen.

Dr. Elisabeth Eißner (links) spricht in Waldthurn über „Hypnose in der Schmerztherapie“
von Franz VölklProfil

Die Chefärztin Orthopädische Rehabilitation der Kliniken Nordoberpfalz, Elisabeth Eißner, stellte im Vortrag "Hypnose in der Schmerztherapie" im Waldthurner Gesundheitszentrum einleitend klar, dass es sich bei dieser Art der Hypnose um keine willenlose Showhypnose mit schwebenden Jungfrauen, die im Schlaf dunkle Geheimnisse verraten, handelt.

Bei der Schmerztherapie-Hypnose habe der Patient immer die Selbstkontrolle und nutze dabei eine "Therapie in Trance". Dadurch hat der Patient das Gefühl, dem Schmerz nicht ausgeliefert zu sein und diesem auch ohne Medikamente gegensteuern zu können. Ein Erfolg sei es auch schon, wenn der Schmerz zwar nicht verschwindet, aber weniger wird und weniger Medikamente zum Einsatz kommen.

Patienten nutzen eigene Kräfte

In der Hypnose orientiere man sich an den eigenen Ressourcen. Altbekannte Fähigkeiten, Erfolge, sportliche Aktivitäten werden für die gegenwärtige Situation genutzt. Der Patient selbst, nicht der Therapeut, verfügt laut Eißner über die Fähigkeit zur Veränderung. Im Normalfall sei immer die Kommunikation mit dem Therapeuten möglich.

"Hypnose ist kein Schlaf und die Veränderungen im Gehirn sind im Kernspin deutlich erkennbar." Hypnose werde zudem fast immer als ergänzende Therapie eingesetzt. "Schmerz ist nie ein isoliertes Geschehen eines einzigen Körperteils." Seltener bei akuten, häufiger bei chronischen Schmerzen könne Hypnose zur Schmerzlinderung beitragen. Als Beispiele nannte Eißner Kopfschmerzen, Schmerzen nach Operationen, Rücken-, Knieschmerzen sowie Hypnose zur Therapie von Ängsten (Flugangst). Den Teilnehmern des Neun2727-Seminars verabreichte die Chefärztin eine "Tasse Espresso" und viele stellten sich mit geschlossenen Augen erfolgreich vor, eine Koffeindosis konsumiert zu haben.

Nicht in allen Fällen einsetzbar

Nach einige Sitzungen Schmerzhypnose sei es das Ziel, dass sich der Patient selbst in Trance versetzen kann und so sein Schmerzempfinden kontrolliert. Allerdings sei Hypnose nicht bei allen Menschen einsetzbar. "10 bis 20 Prozent sind nicht suggestibel." In der Gedankenwelt der anderen Patienten könne eine alternative Wirklichkeit geschaffen werden, in der Schmerz nicht vorkommt. Etwa ein Ort, an dem er sich wohl fühlt. Auch Tanzen, Lesen, Malen oder auch Stricken sei eine Art von Trance, die ohne Stress und Mühe erzeugt werden kann. "Der Mensch verliert nicht gerne die Kontrolle über sich selbst, durch Hypnose bekommt man das Gefühl, man hat Einfluss auf den Schmerz", so Eißner.

Dr. Elisabeth Eißner spricht in Waldthurn über „Hypnose in der Schmerztherapie“
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