27.05.2020 - 10:35 Uhr
WaldthurnOberpfalz

Waldthurn: Pfarrkirche hat zwei Pestheilige

Hl. Sebastian, der Patron der Waldthurner Pfarrkirche
von Franz VölklProfil

Der Oberbernriether Seminarrektor a. D. Georg Schmidbauer erinnert gerade jetzt, in der schlimmen Zeit der Coronakrise, an andere Epidemien, die im Laufe der Geschichte die Bevölkerung heimsuchten. Die wohl schlimmste und folgenreichste war die Pest, die immer wieder über Europa hereinbrach. Als "schwarzer Tod" wird eine der verheerendsten Pandemien der Weltgeschichte bezeichnet, die bis zum 19. Jahrhundert weite Landstriche heimsuchte und teils bis zu einem Drittel die Bevölkerung wegraffte.

Die Pest gehört zu den schlimmsten Infektionskrankheiten des Mittelalters und der Neuzeit. Die Überträger, Hausratte und Pestfloh, waren lange als Verursacher unbekannt. Zu den sichtbaren Zeichen der Erkrankung gehörten die Pestbeulen an den Achseln und den Weichteilen. War die Pest einmal "eingerissen", kam es in der Regel zum Massensterben. Vor allem die umherziehenden Truppen im 30jährigen Krieg verbreiteten neben all den Drangsalen für die Bevölkerung auch die Pest. Durch strenge Quarantänemaßnahmen für Reisende und vollständige Sperrung infizierter Orte über Monate hinweg versuchten die Regierungen, die Übertragung der Krankheit zu verhindern.

So erließ 1680 der damalige Waldthurner Amtsrichter Georg Peter Koller an Bürgermeister und Rat eine "Warnung vor Ansteckung der Pestilenz, welche in Böhmen eingerissen", und gab Anweisungen an die Wärter der Markttore, niemanden Verdächtigen durchpassieren zu lassen. In dieser Notzeit suchten die Menschen Hilfe zu finden, indem sie Zuflucht suchten bei bestimmten Heiligen, vor allem bei den "Pestheiligen" St. Sebastian und St. Rochus. Statuen beider Heiliger befinden sich in der Waldthurner Pfarrkirche.

Der beliebteste Schutzheilige gegen die Pest war in der Oberpfalz St. Sebastian. Er war Offizier der Kaiserlichen Leibwache. Als er sich zum Christentum bekannte und notleidenden Christen beistand, verurteilte ihn Kaiser Diokletian zum Tode und ließ ihn von numidischen Bogenschützen erschießen. Im Glauben, er sei tot, ließ man ihn einfach liegen. Er war aber nicht tot, sondern wurde von einer frommen Witwe gesundgepflegt. Nach seiner Genesung kehrte er zum Kaiser zurück und machte ihm Vorhaltungen wegen der Christenverfolgung. Daraufhin wurde er im Circus Maximus mit Keulen erschlagen und in die Cloaca Maxima, einen Abwasserkanal geworfen. Fromme Christen bargen seinen Leichnam und beerdigten ihn in der Sebastianskatakombe. Über seinem Grab wurde schon im 4. Jahrhundert eine Kirche errichtet. Seiner Fürbitte wird das schnelle Erlöschen der sogenannten Julianischen Pest in Rom 1680 zugeschrieben. Sein Kult breitete sich vor allem seit dem Auftreten des "schwarzen Todes" im 14. Jahrhundert aus.

St. Sebastian ist der Patron der Waldthurner Pfarrkirche seit 1866, vorher war es St. Jodok. Da aber Sebastian in Waldthurn schon immer sehr verehrt wurde, wählte man ihn zum Pfarrpatron der wieder wiederaufgebauten Pfarrkirche nach dem Brand von 1865. Seine Statue befindet sich an der linken Längswand. Die ausdrucksstarke Figur zeigt den angebundenen Heiligen, von mehreren Pfeilen getroffen. Sie wurde von der Holzschnitzerei Eibl in Nittenau gefertigt.

Der zweite Pestheilige in der Waldthurner Kirche ist der heilige Rochus. Er wurde 1317 in Montpellier (Frankreich) geboren. Nach dem Tod seiner Eltern verschenkte er sein Vermögen und wurde Franziskaner. Als Rompilger pflegte er Pestkranke. Auf der Rückreise erkrankte er in Piacenca selber an der Pest. Er zog sich in eine einsame Holzhütte zurück, wo er der Legende nach von einem Engel gepflegt wurde. Ein Hund brachte ihm täglich Brot. Nach seiner Genesung kehrte er nach Piacenca zurück und pflegte weiterhin Kranke, bis er die Pest besiegt hatte. In seiner Heimatstadt Montpellier erkannte man ihn wegen der Entstellungen durch die Pest nicht mehr und warf ihn unter Spionageverdacht ins Gefängnis, wo er nach fünf Jahren starb.

Rochus, der auch zu den 14 Nothelfern gezählt wird, war über Jahrhunderte hinweg einer der beliebtesten Volksheiligen. Als Schutzheiliger der Pestkranken genoss er gerade in der Zeit der großen Pestepidemien hohe Verehrung. Meist wird er mit einem Pestmal am Oberschenkel dargestellt, auf das er durch Entblößung hinweist. Genau diese Darstellung ist auch auf einer Zunftstange in der Waldthurner Heiligenkapelle zu finden. Die kunstvoll geschnitzte Figur zeigt den Heiligen mit dem Pilgerstab. Durch das Hochheben des Gewandes wird die Pestbeule am rechten Fuß sichtbar. Die Figur ist etwa um 1750 entstanden, der Schöpfer ist wohl Johann Peter Reber, ein damals sehr bekannter Bildhauer.

Die Figur des Hl. Rochus
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