29.11.2018 - 12:02 Uhr
Oberpfalz

Warten auf "Adventus"

Mit dem Advent beginnt das Kirchenjahr und das Warten auch die Ankunft Jesu Christi. Seit dem 19. Jahrhundert hilft dabei der Adventskranz.

Der Adventskranz unterliegt inzwischen auch Farbtrends und der Mode. Einst war er mit roten und weißen Kerzen bestückt.

Als Beginn des Kirchenjahres wird der 1. Sonntag im Advent seit Mitte des 8. Jahrhunderts gefeiert. Der 1. Adventssonntag ("1. Advent") ist zwar im Volk verankert und verbreitet, aber eigentlich falsch - es ist der erste Sonntag nach dem 26. November oder auch der vierte Sonntag vor dem 25. Dezember, dem Weihnachtsfest. "Adventus" ist Latein und bedeutet "Ankunft".

Die Adventszeit lässt sich in ihren Anfängen bis ins 5. Jahrhundert ins Gebiet um Ravenna in Italien zurückverfolgen. Gewidmet wurde der Sonntag vor dem Fest der Geburt Christi zur Vorbereitung. In Rom gab es eine Advents-Liturgie erstmals im 6. Jahrhundert.

Sechs Wochen Advent

Gregor der Große setzte daraufhin die Zahl der vier Adventssonntage fest. Diese Praxis hat sich aber nicht überall verbreitet. In Mailand feiert man heute noch eine Adventszeit von sechs Wochen. Im 13. Jahrhundert war es vor allem der Franziskanerorden, der die römische Praxis in seiner Klöstern und Städten verbreitete. Papst Pius V. schrieb dann die römische Advents-Liturgie endgültig für die gesamte Kirche fest - ausgenommen Mailand.

Von Anfang an hatte die Adventszeit den Charakter einer Buß- und Fastenzeit als Vorbereitung auf das Christfest. Traditionell durfte in der Adventszeit nicht getanzt und geheiratet werden. Durchgesetzt hat sich der strenge Bußgedanke im Advent aber nie so sehr wie in der österlichen Bußzeit. Zu groß war die Vorfreude auf das kommende Weihnachtsfest. Es steht den Herzen des Volkes näher als alle anderen des Kirchenjahres. Hinzu kommt, dass viele Feste beliebter Heiliger, wie den der Gottesmutter, der Heiligen Barbara, Sankt Nikolaus und Sankt Luzia, den Bußcharakter schlechthin verdrängten.

Junge Tradition

In der Adventszeit ist der Adventskranz nicht mehr wegzudenken. Die Tradition ist allerdings relativ jung. Sie geht zurück auf Johann Hinrich Wichern (1808 bis 1881). Er gilt als der Erfinder des Adventskranzes. Im Dezember 1838 entzündete er zum ersten Mal jeden Tag eine Kerze für die Kinder im "Rauhen Haus", einer Stiftung der Diakonie in Hamburg. Im Dezember 1839 stellte er im Betsaal auf dem Stiftungsgelände in Hamburg-Horn ein Holzrad auf. Es war geschmückt mit jeweils vier weißen Kerzen für die Adventssonntage und je einer roten Kerze für die Werktage.

Dieser erste Adventskranz unterschied sich durch die Anzahl an Kerzen auch in der Größe deutlich von den Adventskränzen, die wir heute kennen. Außerdem war der Kranz noch nicht mit Tannengrün geschmückt. Diese Tradition entstand um 1860.

Tage abzählen

Mit dem ersten Adventskranz wollte Wichern den Kindern, die er im Rauhen Haus aufgenommen hatte, die Vorbereitungszeit bis zum Heiligabend veranschaulichen. Außerdem konnten die Kinder so die Tage bis Weihnachten abzählen. Nach dem biblischen Motto "Das Kerzenlicht symbolisiert Christus als das Licht der Welt" (Johannesevangelium 8, 12), erhellte der Lichterkranz an Weihnachten feierlich den Saal.

Zusätzlich wurden die Wände des Saals mit grünen Zweiglein geschmückt. 1860 wurde erstmals der Holzreifen mit Tannenreisig umwickelt - damit war der Adventskranz, wie man ihn heute kennt, geboren. Dieser Brauch wurde rasch von evangelischen Familien übernommen.

1925 hing erstmals solch ein Adventskranz auch in einer katholischen Kirche in Köln, 1930 auch in München. Inzwischen ist der Brauch weltweit verbreitet. In der katholischen Kirche werden die privaten Adventskränze oft auch in der Kirche geweiht. (cr)

Advent:

Es treibt der Wind im Winterwalde

Die Flockenherde wie ein Hirt,

Und manche Tanne ahnt, wie balde

Sie fromm und lichterheilig wird,

Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen

Streckt sie die Zweige hin – bereit,

Und wehrt dem Wind und wächst entgegen

Der einen Nacht der Herrlichkeit.

(Rainer Maria Rilke)

Lied im Advent:

Immer ein Lichtlein mehr

im Kranz, den wir gewunden,

dass er leuchte uns sehr

durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!

Rund um den Kranz welch ein Schimmer,

und so leuchten auch wir,

und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt

langsam der Weihnacht entgegen.

Und der in Händen sie hält,

weiß um den Segen!

(Matthias Claudius)

Es muss nicht immer ein Adventskranz sein: Die vier Kerzen in der Kapplkirche bei Waldsassen stehen in Reih und Glied.
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