04.12.2018 - 16:51 Uhr
Oberpfalz

Warten aufs Christkind

Historische Adventskalender sind kleine Kunstwerke, moderne enthalten Süßigkeiten, Spielzeug und andere Konsumgüter.

„Das Himmelsfenster“ stammt zirka aus dem Jahr 1935 und ist in der Ausstellung in Speinshart zu sehen.

Mit dem Adventskalender versuchten Eltern bereits im 19. Jahrhundert, ihren Kindern die Wartezeit auf Weihnachten zu verkürzen. Der erste gedruckte Adventskalender erschien 1902 in der Evangelischen Buchhandlung in Hamburg in Form einer Weihnachtsuhr. Im Jahre 1904 wurde dem "Neuen Tagblatt Stuttgart" ein Adventskalender als Präsent für die Leser beigelegt. 1908 verließ der erste, wenn auch noch fensterlose, spezielle Adventskalender die Druckerpresse: Gerhard Lang, Pfarrerssohn aus Maulbronn in Württemberg, druckte als "Münchener Weihnachts-Kalender" farbige Zeichnungen, die ausgeschnitten und auf einen zweiten, mit Zahlen von 1 bis 24 versehenen Pappkarton geklebt werden konnten. Um das Jahr 1920 erschienen die ersten Adventskalender mit Türchen zum Öffnen auf dem Markt. Seit 1958 dürfte es den ersten mit Schokolade gefüllten Adventskalender gegeben haben.

Kinder lieben Adventskalender, das ist kein Geheimnis. Und die Industrie produziert diese in allen möglichen Variationen und Größen in Mengen. Doch was ist aus diesen wunderschönen Kalendern geworden? Die modernen Adventskalender enthalten nicht nur Süßigkeiten und Spielzeug für Kinder. Auch für Erwachsene werden immer mehr "Überraschungskalender" angeboten, die eigentlich mit dem Advent nichts mehr zu tun haben. Da gibt es beispielsweise Kalender mit Kosmetik, mit Gewürzen, mit Tee oder Kaffee und Alkohol.  

Im Nachbarland Tschechien waren Adventskalender bis vor einigen Jahren unbekannt. "Erst seit den letzten Jahren bringen ihn die Eltern von ihren Besuchen aus Bayern mit nach Hause", erzählt Frantisek aus Cerhovice. Auch der Adventskranz taucht mehr und mehr in Tschechien auf. Ein Grund dafür, warum diese Traditionen nie gepflegt wurden, liegt in der katholischen K-und-K.-Monarchie. "Adventskranz und Kalender kamen aus den protestantisch geprägten Teilen Deutschlands und diese Religion war unerwünscht."

Der Advent soll eine besinnliche Zeit sein, mit innerer Einkehr, Ruhe und Nachdenken. Schwer umzusetzen, in unseren hektischen Tagen. Vielerorts helfen Veranstaltungen mit Gedichten und Musik oder Bücher mit Kurzgeschichten. Als Kontrast zum vorweihnachtlichen Trubel finden traditionell Adventssingen statt. Ruhige, stimmungsvolle Klänge, Mundartgesang und Stubenmusik bringen die Vorfreude auf Weihnachten. (cr)

Ausstellung im Kloster Speinshart:

Speinshart. (exb) „Wie lange dauert es noch bis Weihnachten?“ „Wie oft müssen wir schlafen, damit wir die Geschenke bekommen?“, so fragen Kinder seit über 150 Jahren. Um 1850 entwickelte sich das Weihnachtsfest neben dem kirchlichen Hochfest auch zu einem Fest in den Bürgerstuben – mit der Bescherung unter dem Weihnachtsbaum als Höhepunkt. Die Erwartung der Jungen und Mädchen wuchs, der Bedarf für ein Zählinstrument zu diesem Anlass war geboren. Im Kloster Speinshart ist derzeit eine Ausstellung zur Geschichte des Adventskalenders zu sehen. Die Exponate sind Eigentum von Esther Gajek aus Regensburg. Zunächst bastelten Mütter und Väter ihren ungeduldigen Kindern selbst Adventskalender: Sie steckten 24 Kerzen auf einen großen Kranz, hängten 24 Fähnchen auf einen kleinen Baum oder – in der einfachsten Form – malten 24 Kreidestriche an die Zimmertüre.

Anfang des 20. Jahrhunderts griffen Verlage die Idee einer Zählhilfe für die Adventstage auf. Die Ausstellung geht dieser Entwicklung des Adventskalenders nach: von einfachen, selbstgebastelten Formen um 1850 über aufwendig hergestellte Ausgaben der ersten Jahrzehnte bis zu den vielen Varianten der vergangenen Jahre. Die Ausstellung ist bis einschließlich 23. Dezember an allen Sonn- und Feiertagen zwischen 13.30 und 17 Uhr zugänglich. Außerhalb dieser Zeiten ist eine Besichtigung auf Anfrage (Telefon 09645/60193601) möglich.

Wichtel helfen dem Nikolaus beim Verteilen der Geschenke.
Mit einem gläsernen Adventskalender bezaubert das Kloster Waldsassen.
Die Kinder warten schon.
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