24.01.2021 - 20:40 Uhr
Oberpfalz

Wegen neuer Coronaregeln: Tschechische Arbeitnehmer "stürmen" Tirschenreuther Testzententren

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Die Auflagen für die Einreise aus Tschechien werden Corona-bedingt strenger. Neue Regeln stellen Pendler vor Probleme stellen. Das könnte auch deutsche Arbeitgeber treffen.

Sonntagnachmittag in Waldsassen: Am Testzentrum im Landkreis Tirschenreuth bildet sich eine lange Schlange. Tschechische Pendler wollen sich ihren Test sichern, um auch am Montag zu ihrem Arbeitsplatz gelangen zu können. Schon in den ersten 30 Minuten waren am Sonntag 300 Menschen zum Testen angetreten.
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Für Tschechien und mehr als 20 weitere Länder mit besonders hohen Corona-Infektionszahlen gelten seit Sonntag strengere Regeln bei der Einreise nach Deutschland. Wer von dort einreisen will, muss an der Grenze einen negativen Corona-Test (PCR-Test oder Labor- oder Schnelltests vergleichbarer Qualität) vorweisen können. Dieser Test darf nicht älter als 48 Stunden sein.

Wegen dem hohen Anteil tschechischer Arbeitnehmer hat dies für viele Arbeitgeber in der Oberpfalz besondere Folgen. Nach dem Landkreis Cham reagiert daher auch der Kreis Tirschenreuth und weitet seine Testkapazitäten aus: Am Montag stehen den tschechischen Grenzpendlern im Testzentrum Waldsassen neben PCR-Tests auch Schnelltests zur Verfügung. An einem längerfristigen Angebot werde gearbeitet. Die Erhöhung der Testkapazitäten ist laut Landratsamt mit der Regierung der Oberpfalz, dem Gesundheitsministerium und den anderen Grenzlandkreisen abgesprochen. Zuvor hatte bereits der Landkreis Cham ein stärkeres Testangebot für Pendler aus Tschechien angekündigt und vorbereitet.

Riesenandrang in Schirnding

Bereits am Wochenende haben sich vor den Teststationen teils lange Schlangen gebildet. Die deutsche Polizei berichtete am Nachmittag von etwa 500 Menschen auf deutscher Seite, die wegen eines Corona-Tests im Bereich des Übergangs Schirnding (Landkreis Wunsiedel) unterwegs waren. Der stellvertretende Bürgermeister der tschechischen Nachbargemeinde Cheb (Eger), Jiri Cerny, sagte der, bei Temperaturen unter null Grad betrage die Wartezeit zwei bis drei Stunden.

Auch aus hygienischen Gründen sei die lange Warteschlange ungünstig, sagte Cerny am Sonntag . Die Menschen stünden "ziemlich dicht beieinander". "Gestern waren es sehr viele und heute sind es noch mehr." Cerny, der selbst im Rettungsdienst arbeitet, berichtete über die Lage in Cheb: "Das Krankenhaus ist überfüllt und es kommen neue Patienten hinzu. Es ist sehr schlecht." Zur Frage, ob die grenzüberschreitenden Pendler ein besonderes Risiko darstellten, sagte er: "Es ist heute wenig sinnvoll zu fragen, ob derjenige oder derjenige das Virus eingeschleppt hat. "Wir müssen die Probleme lösen, die anstehen." Auch das Testzentrum in Waldsassen hatte am Sonntag kurzfristig geöffnet, um den Arbeitnehmern die Möglichkeit zu geben, sich für Montag und Dienstag einen Test zu besorgen.

Das Tachauer Tagblatt berichtete am Wochenende von einer Umfrage unter Grenzpendlern. Diese klagen darin über den hohen Aufwand für die Tests. Vielen überlegen, den Job in Deutschland aufzugeben oder nach Deutschland umzuziehen.

Die regelmäßigen Corona-Veröffentlichungen der Robert-Koch-Instituts haben zuletzt den Verdacht nahe gelegt, dass die Nähe zu Tschechien und auch Sachsen eine Ursache für erhöhte Fallzahlen sein könnte. Bayernweit weisen aktuell die Grenzkreise Wunsiedel (Inzidenz am Sonntag: 305) und Tirschenreuth (241) die höchsten Fallzahlen in Bayern auf. Der Anteil von Grenzpendlern unter den Arbeitnehmern im Kreis ist in Tirschenreuth und Wunsiedel besonders hoch. Die neuen Regeln sollen hier nun Entspannung bringen. Für die Überwachung setzte die Bundespolizei auf die Schleierfahndung. "In Abhängigkeit der polizeilichen Erfordernisse kann dortiges Personal durch zusätzliche Kräfte aus anderen Dienststellen jederzeit verstärkt werden", sagte ein Innenministeriumssprecher.

Bisher hatte die Bundesregierung bei der Einreise zwischen Gebieten mit besonders ansteckenden Virusvarianten und "normalen" Risikogebieten unterschieden. Seit Sonntag gibt es drei Kategorien.

Drei Risikoklassen

"Normale" Risikogebiete: Länder oder Regionen über einem Grenzwert (auch Inzidenzwert genannt) von 50 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Das gilt derzeit für fast ganz Europa mit Ausnahme einzelner Gebiete in Griechenland, Finnland, Norwegen, Österreich und Dänemark. Weltweit sind mehr als 130 aller knapp 200 Länder ganz oder teilweise "normale" Risikogebiete.Hochinzidenzgebiete: Das sind Länder mit deutlich höheren Infektionszahlen als in Deutschland. Dazu zählen in der Regel die Länder mit einem Inzidenzwert über 200 (Inzidenz in Deutschland: 115). Es können aber auch weitere Länder unter dieser Marke unter bestimmten Bedingungen zu Hochinzidenzgebieten erklärt werden. In diese Kategorie fallen neben den bereits genannten Ländern Albanien, Andorra, Bolivien, Bosnien-Herzegowina, Estland, Iran, Israel und die Palästinensischen Gebiete, Kolumbien, Kosovo, Lettland, Libanon, Litauen, Mexiko, Montenegro, Nordmazedonien, Panama, Serbien, Slowenien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Virusvarianten-Gebiete: Das sind Gebiete, in denen bereits Varianten des Coronavirus aufgetreten sind, die als ansteckender gelten. Bisher fallen Großbritannien, Irland, Südafrika und Brasilien in diese Kategorie. (mit Material von dpa)

Hintergrund:

Oberpfälzer Arbeitgeber setzen auf Grenzpendler

Wie sehr die Oberpfalz von Grenzpendlern abhängig ist, zeigen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit aus dem Jahr 2019. Unter den 20 Kreisen mit dem höchsten Anteil von Arbeitnehmern, die nicht in Deutschland wohnen, ist die Oberpfalz mit gleich vier Land- bzw. Stadtkreisen vertreten:

  • Tirschenreuth: Platz 1, 8,7 Prozent der Arbeitnehmer (2319 Beschäftigte) wohnen im Ausland.
  • Cham: Platz 2, 8,6 Prozent, 4654 Beschäftigte.
  • Neustadt/WN: Platz 9, 4,9 Prozent, 1575 Beschäftigte.
  • Weiden: Platz 19, 3,4 Prozent, 962 Beschäftigte.

Aktuelle Coronazahlen

Weiden in der Oberpfalz
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