Weiden in der Oberpfalz
30.06.2023 - 17:24 Uhr
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150 Jahre Feuerwehr Neunkirchen: Vom Ledereimer zum Löschgruppenfahrzeug

Die Feuerwehr in Neunkirchen feiert am zweiten Juli-Wochenende 150. Geburtstag. Ein Mann freut sich darauf ganz besonders, betont aber: Die Feuerwehr ist keine "Feier"-wehr. Zu viel hänge von diesem einem Verein im Ort ab – ein Rückblick.

Ohne Ledereimer keine Hochzeit. So jedenfalls lief das vor über 150 Jahren. Wer damals auf ein Anwesen in Neunkirchen einheiratete, musste diesen Ledereimer beschaffen. Wenn's brannte, konnte damit das Feuer gelöscht oder wenigstens gedämpft werden. Klingt eher suboptimal? Das fand die Regierung der Oberpfalz auch – und rief die Gemeinden dazu auf, Feuerwehren einzurichten, um organisierte Hilfe bei Bränden sicherzustellen. 1873 und damit genau vor 150 Jahren gründete sich deshalb die "Vereinigte Turnerfeuerwehr Neunkirchen-Latsch", die heute gemeinhin als Freiwillige Feuerwehr Neunkirchen bekannt ist. 71 Mitglieder waren es vor 150 Jahren, 45 davon kamen aus Neunkirchen.

Hätte Josef Frimberger damals schon gelebt, er wäre garantiert Gründungsmitglied und ganz vorne an der Handdruckspritze von 1897 gewesen. Doch das Los der späten Geburt ließ ihn erst vor über 50 Jahren einsteigen. Als 15-Jähriger kam er kurz vor dem 100. Geburtstag der Wehr dazu. Warum? "Zur Feuerwehr gehört man als Ortsansässiger einfach hin. Das ist der Dienst am Nächsten schlechthin. Und für Hausbesitzer ist die Mitgliedschaft ohnehin ,Pflicht'", findet der heute 68-Jährige, der 24 Jahre Vorstand der Wehr in Neunkirchen war.

Vom Vereinsboten zum Vorstand

Zum 100. Feuerwehr-Geburtstag brachte er noch als Vereinsbote den Festausschuss zur Sitzung oder auch die Festdamen zur Kleiderprobe in den ehemaligen "Kummerthof", der heute Zoiglstube ist. Aktuell engagiert sich Frimberger als Ehrenmitglied selbst im Festausschuss und kümmert sich mit um die Feierlichkeiten zum 150. Geburtstag.

Frimberger freut sich auf das dreitägige Fest in knapp einer Woche. Aber der Mann, an dessen Haustür der Schutzpatron der Feuerwehr, der heilige Florian, die Gäste begrüßt, betont auch: "Die Feuerwehr ist keine ,Feier'-wehr." Löschen, Retten, Bergen, neben dem Menschen auch den Tieren helfen, das habe Priorität. "Wir haben hier am Brandweiher ein Industriegebiet zu betreuen." Die Autobahnzubringer fallen in die Verantwortung der Neunkirchener Wehr, zuletzt galt es auch, bei Unfällen am Flugplatz Latsch zu Hilfe zu eilen. Gut 62 Einsätze pro Jahr sind aktuell für die Ehrenamtlichen zu bewältigen. Zum Vergleich: Vor dem Industriegebiet waren es gut 10. "Besonders zugesetzt haben mir nie die Großfeuer. Die waren heftig, aber es kam kein Mensch zu Tode. Was mir lange nachgeht, sind Unfalleinsätze. Was ich aber an der Arbeit bei der Wehr sehr schätze: Jeder Einsatz ist immer was Neues."

Erster Schlauchtrockenturm in Neunkirchen

An die gute alte Zeit, wie er sie aus den Ortsaufzeichnungen kennt, möchte er trotzdem erinnern. An die Anfänge der Wehr in Neunkirchen etwa, als die Löschschläuche zum Trocknen aus dem Schallloch des Kirchturmes der Simultankirche baumelten, bis schließlich 1929 ein extra Schlauchtrockenturm in Neunkirchen gebaut wurde – der erste im Bezirksfeuerwehrverband Neustadt/WN. Noch heute wird er, gleich neben dem Containerstandort, von der Feuerwehr genutzt. Ein Gerätehaus folgte 1963 an der Stelle, an der auch das heutige Feuerwehrhaus steht. Einst aber stellten die Wehrleute dort schlicht ihren Tragkraftspritzen-Anhänger unter. Den Hänger kuppelte man im Brandfall an einen Traktor. "Jeder Bauer im Ort hat Bereitschaftsdienste gemacht." Zum Einsatz ging es dann mit Traktor, Tragkraftspritzenhänger, so schnell es ging – also mit 30 Sachen.

Einst immer ein Problemfahrzeug

Spätestens mit der Eingemeindung Neunkirchens 1972 war für Frimberger und seine Kameraden klar: Es braucht eine bessere Ausrüstung. "Wir hatten im Vergleich zu den anderen Ortsteilwehren immer schon die meisten Einsätze und das schlechteste Gerät", erinnert sich der 68-Jährige. Zu seiner Anfangszeit als Vorstand in den 1980er Jahren habe oft ein Pappkarton an einem der beiden Einsatzfahrzeuge gehangen: "Defekt. Das andere Fahrzeug nehmen!", stand da drauf.

Motorisierte Hilfe ab 1989

Gravierend verbessern sollte sich das erst 1989, als das neue Feuerwehrhaus eingeweiht wurde. Mit zwei Stellplätzen. Einer davon ging an das erste motorisierte Fahrzeug der Feuerwehr Neunkirchen: ein Löschgruppenfahrzeug, Baujahr 1957, das die Wehr in Weiden abgegeben hatte. Den anderen beanspruchte der bewährte Tragkraftspritzenanhänger. "Es hat Spaß gemacht, das alles auf den aktuellen Stand zu bringen." Mittlerweile fahren die Aktiven – übrigens längst auch Frauen – mit einem Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, Baujahr 2001, sowie mit einem Mehrzweckfahrzeug, ein Mercedes-Sprinter, zu den Einsätzen. Einen Versorgungs- sowie einen Tragkraftspritzenanhänger gibt es obendrein. Seit 2004 fühlt sich auch die Jugend in eigenen Gruppen wohl bei der Wehr in Neunkirchen. Was noch bleibt im Vorfeld des Festes? Frimberger fallen zwei Dinge ein: "Ich wünsche mir wieder mehr Respekt gegenüber Einsatzkräften und Lust, mit ihnen an unserem Festwochenende zu feiern."

Info:

Rund um das Fest zu 150 Jahre Feuerwehr Neunkirchen

  • Festbetrieb ab Freitag, 7. Juli, mitten im Ort: Zelt auf der Bürgermeister-Bärnklau-Straße, Umleitungen sind ausgeschildert
  • Freitag, 7. Juli, 19 Uhr: Partyabend mit der Band "Trachtenrocker"
  • Samstag, 8. Juli: interner Festabend für geladene Gäste
  • Sonntag, 9. Juli, 9 Uhr: ökumenischer Festgottesdienst mit anschließendem Festbetrieb
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