29.06.2018 - 18:51 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

In 16 Tagen durch Europa

Am 7. Juli gehen zwei 19-jährige Weidener auf große Tour. Mit einem alten, umgebauten Benz nehmen sie an der Ralley „20 Nations“ teil.

Markus Mädl und Lukas Schiller sind bereit für die Ralley.
von Michaela Lowak Kontakt Profil

Lukas Schiller liegt am Abend im Bett und surft in Facebook, als er eine Werbeanzeige für die Ralley „20 Nations“ entdeckt. Dass, was er da liest, fasziniert ihn derart, dass er sofort seinen Kumpel Markus Mädl anruft. „Da müssen wir mitmachen“, kann der 19-Jährige seine Abenteuerlust kaum bändigen.

Die Ralley „20 Nations“ startet in Bremen, führt wie der Name schon sagt durch 20 Länder und ist eine Art „Roudtrip“ durch Europa. Wer mitmachen möchte, braucht ein Auto, dass mindestens 20 Jahre auf dem Buckel hat. GPS ist nicht erlaubt, auch Autobahnen müssen gemieden werden. Zusätzlich verlangt das Reglement eine Spende von 555 Euro an einen guten Zweck, den sich jeder selbst aussuchen kann.

Als die beiden Freunde die nächtliche Idee am Tag darauf überdenken, wird sie nicht weniger attraktiv.

„Wir machen das, wenn nicht jetzt, wann dann“, sind sich die beiden Weidener einig. Die Familien sind schnell überzeugt. „Auch wenn die Mutter anfangs ein wenig skeptisch war“, gibt Markus zu. „Doch als wir dann erklärt haben, was wir genau vorhaben, gab es keine Probleme mehr.“ Ganz kurz hätten sogar die Väter überlegt, sich selbst anzumelden.

Der nächste Gedanke gilt dem Auto. „Ich hatte zwar einen alten Polo, aber der wäre für diese Tour viel zu klein gewesen“, erzählt Lukas. In Frankfurt am Main treiben die beiden schließlich einen alten Benz, einen W124 T, auf, der genau ihren Vorstellungen entspricht und sogar noch TÜV hat. Doch damit ist es nicht getan. Das Auto muss komplett umgebaut werden. „Wir haben viele raus gerissen.“ Lukas und Markus wollen damit nicht nur fahren, sondern auch darin schlafen. „Nun haben wir einen Zweisitzer mit einem zwei Meter langem Bett hinten dran“, schmunzeln sie.

Den Innenausbau stemmen die künftigen Ralleyfahrer komplett alleine. Mit Hilfe von Freunden bekommen sie den Mercedes auch technisch wieder fit. Bei einer Probefahrt legen die Freunde eine kurze Rast auf dem Autobahnparkplatz Grünau ein. „Dort haben wir einen Motorradfahrer kennengelernt, der viel in Europa unterwegs ist“, freut sich Markus. „Er hat uns wertvolle Tipps gegeben.“ Da Navi und GPS nicht erlaubt sind, decken sich die beiden beim ADAC mit kostenlosen Straßenkarten ein. Doch das reicht nicht aus, denn das Material des Automobilclubs konzentriert sich größtenteils auf Autobahnen und Hauptstraßen.

Am 7. Juli starten die über 80 Teilnehmer mit ihren Autos am „Schuppen eins“ in Bremen, einem ehemaligen Kaischuppen, der nun zum Zentrum für historische Automobile und Liebhaberfahrzeuge geworden ist. Die Route führt zunächst nach Westen Richtung Belgien und zweigt dann nach Frankreich ab. Weiter geht es durch die Schweiz, Italien, Österreich und Kroatien weiter nach Süden. Von Albanien verläuft die Strecke nach Osten durch Mazedonien und Bulgarien, um dann wieder in den Norden zu führen. Über Rumänien, Ungarn, die Slowakei, Tschechien und Polen geht‘s zurück nach Bremen. Wenn alles gut läuft, stehen nach der 16-tägigen Rundreise 7500 Kilometer mehr auf dem Tacho.

Einen Reisepass und einen internationalen Führerschein haben sich Lukas und Markus längst besorgt. Ihr Gepäck besteht aus Benzinkanistern, zwei Ersatzreifen, Werkzeug, Wasser und Konserven. Die Liegefläche, auf der die Burschen ihre Nächte verbringen wollen, misst gerade mal 1,10 Meter. Auf die Unterkonstruktion aus Sperrholz, in der sich viel Stauraum befindet, kommt noch eine Matratze. Von Luxus kann keine Rede. „Doch das geht schon“, geben sie die beiden 19-Jährigen zuversichtlich.

Wenn‘s irgendwie geht, wollen sie auf Campingplätzen übernachten. Jedes Team erhält kurz vor dem Start ein Roadbook mit Streckenvorschlägen und nützlichen Tipps. Irgendwo unterwegs werden zwei Party gefeiert. Außerdem gibt es verschiedene Challenges, die bewältigt werden müssen. Jedes Auto wird mit einem GPS-Tracker ausgestattet, sodass die Daheimgebliebenen die Tour genau mitverfolgen können.

Unterstützung bekommen die Jungs vor allem von Stefan Mädl von Broken Heads, der sich für die Idee sofort begeistern kann. Der Spezialist für Motorradhelme ist einer der Sponsoren, der dafür sorgt, dass die Spende für den guten Zweck zusammen kommt. Markus und Lukas wollen, dass die Kinderkrebshilfe Nordoberpfalz davon profitiert.

Willkommen im mobilien Schlafzimmer. Der Kofferraum Marke Eigenbau wird noch mit einer Matraze ausgestattet.

Viel Stauraum unter der Platte.

Jeder Platz wird genutzt.

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