11.01.2019 - 15:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

45-Jähriger muss ins Gefängnis

Der Prozess zieht sich mit vielen Zeugenbefragungen und Debatten in die Länge. Am Ende hilft es dem Angeklagten nicht: Er wird wegen 51-maligem sexuellen Missbrauch verurteilt.

Wegen sexuellen Missbrauchs wurde ein 45-Jähriger aus dem Landkreis Tirschenreuth zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.
von Autor RNSProfil

Mit drei Jahren und neun Monaten Freiheitsentzug muss der 45-Jährige aus dem Landkreis Tirschenreuth dafür büßen, dass er während des Zusammenlebens mit seiner Lebensgefährtin deren Söhne sexuell missbraucht hat. Die Richter der 3. Jugendkammer hatten keine "vernünftigen Zweifel", dass es so geschehen war, wie es die mittlerweile 23 und 15 Jahre alten Burschen im Zeugenstand geschildert hatten.

Als er zwölf gewesen war, hätten die Übergriffe seines Ziehvaters begonnen, hatte der Ältere berichtet. Der Jüngere hatte von Vorkommnissen in den Jahren 2011 bis 2017 berichtet. Es war auf der Couch und in der Badewanne zu Übergriffen gekommen.

In seinem Plädoyer hatte Rechtsanwalt Florian Zenger auf "verfälschte Erinnerungen" und Motive für Falschbelastung durch die jungen Zeugen hingewiesen. Entlastungszeugen seien von Staatsanwalt Hans- Jürgen Schnappauf "hart rangenommen" worden, seien aber trotzdem bei ihren Aussagen geblieben. Ein Missbrauch, der ein bis zwei Mal pro Woche stattgefunden haben soll, sei schlichtweg nicht vorstellbar, so der Verteidiger. "Da hätten ja die Mutter der Kinder und die Schwester quasi nie zu Hause sein dürfen!"

Verteidiger Rouven Colbatz widersprach den Feststellungen, die Staatsanwalt Schnappauf in seinem Plädoyer letzte Woche gemacht hatte. Nicht, wie Schnappauf gesagt hatte, nur "Täterschutz-Gesetze" seien in den letzten Jahren erlassen worden. Das Gegenteil sei der Fall. Zahlreiche Normen zum Opferschutz seien eingefügt worden, Rechte der Verteidigung beschnitten worden. Dass sich ein Beschuldigter zwei, drei oder auch vier Verteidiger nehme, was der Anklagevertreter indirekt kritisiert hatte, sei sein "ureigenstes Recht", so Colbatz. Gesetze und Vorschriften müssten von allen Seiten eingehalten werden und deshalb müsste ein Angeschuldigter - übrigens nicht "Täter" - über die Kostenfolge rechtsanwaltlicher Vertretung belehrt werden, was hier nicht der Fall gewesen war. Deshalb gelte ein Verwertungsverbot für die Aussagen seines Mandanten bei der Vernehmung bei der Polizei.

"Nicht jeder Verstoß gegen eine unwesentliche Kleinigkeit kann gleich zu einem Verwertungsverbot führen" sagte Vorsitzender Richter Reinhold Ströhle in der Begründung des Urteils, in dem er und Richter Peter Werner nur ein Vierteljahr unter der Forderung des Anklagevertreters geblieben waren. Zugute gehalten habe man dem Angeklagten, dass er nicht vorbestraft gewesen war und sich die Schwere des Missbrauch am unteren Rand abgespielt habe.

Erschwerend habe sich jedoch ausgewirkt, dass der Mann die Vertrauensstellung innerhalb der Familie ausgenutzt habe und keinerlei Reue zeige. Stattdessen habe er die Geschädigten als Lügner hingestellt und sie gezwungen, die ganzen Peinlichkeiten vor Gericht zu schildern. Über das Verwertungsverbot bei Versäumnis der Nebenbelehrungen möge die Revision entscheiden, prophezeite Ströhle.

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