Bei 26 Grad genießen Maschke und sein Kumpel Jürgen Weber ein Drei-Gänge-Menü unterm Sternenhimmel. "Besser geht's nicht", sagt der 50-Jährige, der sich mit der Reise nach Kolumbien selbst ein ungewöhnliches Geschenk machte. Per Zufall war er, wie berichtet, auf das Restaurant "Interno" im Frauengefängnis von Cartagena aufmerksam geworden, das Bestandteil eines Resozialisierungsprojektes ist.
Ungezwungene Atmosphäre
Das Restaurant liegt hinter einer unscheinbaren Tür in einem Innenhof, umgeben von dicken Gefängnismauern. "Die Wände sind mit bunten tropischen Blumen bemalt, die Holztische geschmückt, die Einrichtung gemütlich. Das könnte irgendwo in Südamerika sein", schildert Maschke im Gespräch mit Oberpfalz-Medien seine Eindrücke. "Ein Wärter begrüßt die Gäste mit der Reservierungsliste, die Bedienungen bewegen sich frei. Einzig die Gitterstäbe zur Küche erinnern daran, dass man sich in einem Knast befindet." Die beiden Weidener werden herzlich empfangen. "Wir waren an diesem Abend nicht die einzigen Gäste aus Europa, aber wohl die interessantesten", schmunzelt Maschke. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass er das Lokal extra für seinem Geburtstag ausgewählt hat. Für die weiblichen Häftlinge bietet die Arbeit im "Interno" eine große Chance, nach ihrer Haftentlassung Arbeit in einer Küche oder im Service zu finden. Eine "Wall of Fame" am Eingang des Restaurants listet einige der Erfolgsgeschichten auf. Gewaltverbrecher, Diebe, Betrüger arbeiten hier. Stefan Maschke fragt nicht nach der Vorgeschichte. "Ich wollte den Frauen unvoreingenommen begegnen", sagt der Weidener, der fließend Spanisch spricht. So gab es auch keine Berührungsängste. "Beim Erinnerungsfoto hatten wir viel Spaß. Die Frauen haben ja sonst keinen Kontakt nach draußen."
Trinkgeld unerwünscht
Keine Wünsche offen lässt auch das Essen. Profiköche leiten das Küchenpersonal an. Es gibt Suppe mit Meeresfrüchten, Rindfleisch mit Kokosreis und Guacamole, und als Dessert eine Milchcreme mit Früchten. "Landestypisch und alles sehr lecker", sagt Maschke.
Gerne hätte er ein Trinkgeld gegeben. "Aber die Häftlinge dürfen kein Bargeld annehmen. Das Wechselgeld habe ich auf den Cent genau herausbekommen." Viel zu schnell sei der Abend zu Ende gegangen. "Das war etwas absolut Besonderes. Und wir haben uns zu keiner Zeit unsicher gefühlt. An meinen 50. werde ich mich bestimmt immer erinnern", sagt Maschke.


















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