31.05.2021 - 00:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

75 Jahre Oberpfalz-Medien: Jung, dynamisch und bereit für den Wandel

Wie die Medienbranche selbst befindet sich auch Oberpfalz-Medien in stetem Wandel. In der dritten Gesellschafter-Generation übernehmen Sabine Pistor, Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp und Viola Vogelsang-Reichl Verantwortung.

Goldene Zeiten für Oberpfalz-Medien. Das Medienhaus feiert in diesem Jahr gleich drei Jubiläen.

Über ihre Rolle als Gesellschafter und ihre ganz persönlichen Erfahrungen als Nachkommen der Gründerväter berichten Sabine Pistor, Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp und Viola Vogelsang-Reichl. Sie stellen gemeinsam mit Geschäftsführer Thomas Maul auch ihre Visionen zur Zukunft von Oberpfalz-Medien dar.

ONETZ: Sie stehen für eine junge Gesellschaftergeneration, die in diesem Jahr einen 75. Geburtstag feiern darf. Beschleicht Sie da nicht das Gefühl, Sie seien auf der falschen Party?

Sabine Pistor: Nein, überhaupt nicht. Unserem Geburtstagskind sind zwar in den vergangenen 75 Jahren tiefe Wurzeln in der Region gewachsen. Aber es kommt mir aktuell sehr jung und dynamisch vor.

Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp: Es ist eine Ehre, dass wir miterleben und weiter gestalten dürfen, was unsere Eltern und Großeltern aufgebaut (und mit großartigen Mitarbeitern erfolgreich gemacht) haben. Gerade jetzt ist eine spannende Zeit in der Zeitungs- und Medienwelt, und die Zeichen stehen auf Wandel. Wir nehmen die Verantwortung ernst und gehen den Wandel mit Weitblick und Entschlossenheit an.

Viola Vogelsang-Reichl: Wir haben uns in den vergangenen Jahren in neue Bereiche vorgewagt und stehen als Oberpfalz-Medien moderner da denn je. Mit einer eigenen Marketingagentur, virtuellen Messen und Kursangeboten für unsere Leser sind wir heute viel mehr als ein Medienhaus.

ONETZ: Als die Amerikaner nach dem Krieg einer freien Presse den Weg ebneten, ging dies einher mit einem politischen und wirtschaftlichen Neubeginn. Können Sie sich in Köpfe und Gefühlswelt Ihrer Verleger-Vorfahren hineinversetzen?

Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp: Es wäre sicher vermessen, aus der heutigen Perspektive heraus – ohne einen Krieg direkt miterlebt haben zu müssen – zu sagen, man könne sich in die Lage unserer Großeltern hineinversetzen. Sie haben in schwierigsten Zeiten einen Schritt ins Ungewisse gewagt und einen bis heute politisch unabhängigen Zeitungsverlag gegründet. Dennoch finden sich bei genauem Hinsehen Parallelen, denn damals wie heute sind es Zeiten des Aufbruchs und des Wandels. Mut, Unternehmergeist, Weitblick und Überlegtheit, aber auch Empathie sind Eigenschaften, die heute noch genauso wichtig sind.

Sabine Pistor: So wie ich meinen Großvater kannte, hat er die Aufgabe, in der Region eine neue Zeitung aufzubauen, mit viel Freude, Engagement und Idealismus angenommen. Der Verlag mit seinen Mitarbeitern, Lesern und Kunden hat immer eine wichtige Rolle in seinem Leben gespielt.

ONETZ: Wie haben Sie als Kinder und Jugendliche den Verlag Ihrer Eltern gesehen? Wie sind Sie in die Verantwortung hineingewachsen und was bedeutet der Verlag für Sie persönlich?

Sabine Pistor: Meine Geschwister und ich sind leider nicht in Weiden aufgewachsen. Am Anfang war der wichtigste Berührungspunkt mit dem „Neuen Tag“ die Artikelserie meiner Mutter auf der „Frauenseite“. Sie hat für lebendige Diskussionen am Mittagstisch gesorgt. Außerdem erinnere ich mich an Besuche bei meinem Großvater im Büro, an Touren durch die Rotationshalle und die Betriebsfeiern, zu denen wir Kinder gerne gegangen sind. Meinem Vater lag der Verlag auch sehr am Herzen. Nach seiner Krebsdiagnose und besonders nach seinem Tod 2018 habe ich meine Mutter zu den Treffen in Weiden begleitet. So konnte ich mich an die Themen herantasten. Da ich in der Schweiz lebe, treffen wir Vier uns regelmäßig digital. Für mich persönlich bedeutet der Verlag eine große Verantwortung. Es geht mir darum, das Erbe der Gründer zu bewahren und weiterzuentwickeln. Ich wünsche mir, dass für unsere Mitarbeiter das Gefühl, in einem Familienunternehmen zu arbeiten, nie verloren geht.

Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp: Der Verlag ist auch für mich Heimat, Verbundenheit und Zukunft – und natürlich Kindheit. Ich erinnere noch genau, wie es war, mit meiner Mutter abends durch die Hallen mit der anlaufenden Rotation zu gehen, das geschäftige Treiben zu sehen, das Dröhnen der Druckmaschine in den Ohren und den Geruch von Papier und Druckerschwärze in der Nase zu haben. Wie habe ich es geliebt, meinen Opa im Büro zu besuchen. Ich bin mit dem Verlag groß geworden und er ist ein wichtiger Teil meines Lebens. Ich wünsche mir, dass meine Kinder das auch irgendwann von sich sagen können.

Es geht mir darum, das Erbe der Gründer zu bewahren und weiterzuentwickeln.

Sabine Pistor

Sabine Pistor

Viola Vogelsang-Reichl: Wir sind alle mit dem Verlag groß geworden, daher waren das Interesse und die Verbundenheit selbstverständlich. Bereits als Vierjährige habe ich meinen Vater zum Sonntagsdienst in der Redaktion begleitet und die neuesten Meldungen, die damals noch über den so genannten Fernschreiber hereinkamen, verteilt. Mein Wunsch war es seit meiner Kindheit, mich einzubringen und in irgendeiner Weise Verantwortung zu übernehmen. Wir stehen mit unserer Elterngeneration in engem Austausch und profitieren von ihrer Erfahrung.

ONETZ: Print ist nach wie vor ein bedeutendes Standbein von Oberpfalz-Medien, digitale Geschäftsmodelle rücken aber zunehmend in den Vordergrund. Ändert sich damit das Selbstverständnis eines modernen Medienhauses?

Sabine Pistor: Das ist schwer zu sagen – einerseits ist unser Anspruch unverändert: qualitativ hochwertige Informationen liefern. Andererseits werden wir weiterhin einen Fokus auf Innovation legen und mit neuen Formaten experimentieren. Unser Ziel ist, alle Menschen auf den für sie passenden Kanälen zu erreichen.

Viola Vogelsang-Reichl: Wir haben viele treue Zeitungsleser, die ihren Neuen Tag, ihre Amberger Zeitung und ihre Sulzbach-Rosenberger Zeitung auf dem Frühstückstisch in der Hand haben wollen. Gleichzeitig werden Nachrichten und Informationen immer schnelllebiger.

Thomas Maul: Das Beste aus allen Welten zu vereinen, alle Kanäle je nach Kundeninteresse zu bedienen, ist unser Anspruch. Wir wollen DIE Plattform in der Region sein und einen Mehrwert bieten – neben Informationen, Unterhaltung, Wissen und vielem mehr. Wir wollen außerdem DER Partner für unsere Gewerbekunden sein und bauen unsere Media-Services aus.

Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp: Um weiter erfolgreich bestehen zu können, müssen wir die Zeichen der Zeit annehmen, für uns und unsere Situation interpretieren und in der strategischen Planung berücksichtigen. Print ist unser Herzstück. Aber wir sehen noch viel Potenzial darin, unsere digitalen und innovativen Angebote in der Zukunft zu ergänzen. Das geht nicht von heute auf morgen und muss immer das Ergebnis sorgfältiger Abwägungen sein.

ONETZ: Corona hat die Welt verändert, auch die Nachrichtenwelt. Die Digitalisierung beschleunigt sich deutlich. Wie reagiert Oberpfalz-Medien auf diese Entwicklung?

Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp: Die Geschwindigkeit führt dazu, dass oft schlecht recherchierte Informationen zirkulieren und Mediennutzer in einer Flut von Informationen zu ertrinken drohen. Deshalb ist es wichtig, dass sich unsere Leser und Kunden darauf verlassen können, dass der Qualitätsanspruch an unsere Inhalte immer ein Vielfaches höher sein wird als einfach nur „die schnelle Nachricht“.

Thomas Maul: Digitalisierung ist bei uns seit langer Zeit ein Thema. Wir waren schon immer früh an neuen Entwicklungen interessiert, deshalb können wir heuer auch 25 Jahre Onetz feiern. Wir versuchen die Digitalisierung als Chance zu sehen. Seit Jahren haben wir hohe Beträge in unsere IT-Ausstattung investiert. Natürlich hat das Corona-Virus hier einen zusätzlichen Innovationsschub gegeben: Redakteure und Blattplaner arbeiten teilweise mobil, Konferenzen und Fortbildungen erfolgen digital. Auf Onetz haben wir ein gestiegenes Interesse an regionalen Themen und Geschehnissen seit dem ersten Lockdown registriert.

Der Verlag ist auch für mich Heimat, Verbundenheit und Zukunft – und natürlich Kindheit.

Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp

Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp

ONETZ: Wo sehen Sie Oberpfalz-Medien und die Medienbranche in fünf bis zehn Jahren?

Sabine Pistor: Ich kann nur für Oberpfalz-Medien sprechen: Ich bin überzeugt, dass wir einen guten Weg finden. Ich denke, dass wir in fünf Jahren eine ausgewogene Balance zwischen Print und Digital, zwischen bezahlten und frei verfügbaren Inhalten im Netz haben. Wir machen weiterhin Qualitätsjournalismus, der die Menschen in der Region begeistert.

Thomas Maul: Wir sind ein attraktiver und fairer Arbeitgeber, binden junge Talente ein. Wir schaffen mit allen unseren Ressourcen einen echten Mehrwert für die Region und sind erster Ansprechpartner, wenn es um Nachrichten, Information, Werbung, digitale Kanäle und Service geht. Wir müssen uns aber auch um weitere Standbeine als Ergänzung bemühen und Kooperationen prüfen, da wo es sinnvoll ist.

Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp: Um weiter erfolgreich bestehen zu können, wollen wir uns und unsere Angebote weiterentwickeln, ohne dabei dem Zwang der (Er-)Neuerungen zu verfallen. Wir sehen uns als Unternehmen, das Innovation und Tradition sowie Regionalität und Weitblick verbindet.

ONETZ: Die Oberpfalz hat sich von einer Grenzregion hin zum Mittelpunkt Europas entwickelt. Wie froh sind Sie über diesen Standort?

Viola Vogelsang-Reichl: Wir sind genau an der richtigen Stelle. Die Oberpfälzer sind bescheiden, heimatverbunden und blicken doch über den Tellerrand hinaus. All das trifft auch auf Oberpfalz-Medien und seine Mitarbeiter zu. Unsere Leser haben mit uns meist eine langjährige Verbindung, unsere Kunden vertrauen uns. Wir stehen mit Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft im Austausch. Die Oberpfalz hat viele Hidden Champions. Genau diese Zurückhaltung zeichnet unsere Region ebenso wie unser Medienhaus aus.

Sabine Pistor: Ich schätze an der Oberpfalz, dass der Begriff Heimat hier eine besondere Bedeutung hat. Auch für meine Eltern und Großeltern war die Oberpfalz Heimat. Für mich ist es eine Region, die ich gerne in den Ferien mit meiner Familie besuche.

ONETZ: Diese regionale Verbundenheit äußert sich auch in einem umfangreichen sozialen Engagement wie etwa Lichtblicke...

Viola Vogelsang-Reichl: Als Unternehmen, das aus der Region heraus lebt, sind wir – wie auch schon unsere Vorgänger – der Meinung, dass wir etwas zurückgeben wollen. Es reicht uns nicht, nur über schwierige Situationen, Schicksale oder Probleme zu berichten, sondern wir wollen Verantwortung übernehmen. Daher engagieren sich Oberpfalz-Medien sozial, kulturell und sportlich. Wir wollen das Leben in der Oberpfalz bunter gestalten, nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten.

Wir stehen mit unserer Elterngeneration in engem Austausch und profitieren von ihrer Erfahrung.

Viola Vogelsang-Reichl

Viola Vogelsang-Reichl

ONETZ: Ihre Vision für den 100. Geburtstag?

Sabine Pistor: Selbstverständlich ist das Unternehmen weiterhin fest in der Region verankert. Und dann ist es langsam an der Zeit, die Verantwortung an unsere Kinder weiterzugeben.

Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp: Und wir feiern ein großes Fest mit und für unsere Mitarbeiter und Leser – ganz ohne Masken und Kontaktbeschränkungen.

Viola Vogelsang-Reichl: Auf jeden Fall werden wir nach wie vor regionale Nachrichten und Informationen erstellen und weitergeben. Wir bringen Menschen zusammen, egal ob real oder auf Plattformen und fördern Kontakte – auch bei unserer Jubiläumsfeier.

Wir sind ein attraktiver und fairer Arbeitgeber, binden junge Talente ein.

Thomas Maul, Geschäftsführer Oberpfalz-Medien.

Thomas Maul, Geschäftsführer Oberpfalz-Medien.

Mit den Lichtblicken unterstützt Oberpfalz-Medien Menschen in Not

Weiden in der Oberpfalz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.