09.09.2018 - 10:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Mit 99 gibt er noch Kontra

Die Frage muss sein: „Wie wird man so alt?“ Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: „Viel arbeiten.“ Und mit „arbeiten“ meint Willi Auschner, der am Freitag 99 geworden ist, vor allem Bewegung.

Willi Auschner (rechts) ist zum 99. Geburtstag von seinen Skatfreunden zum Ehrenmitglied ernannt worden.

Bis vor wenigen Jahren besuchte Auschner noch regelmäßig die Herzgruppe der Volkshochschule. Das tut er inzwischen nicht mehr, aber er pflegt seine an Demenz erkrankte Frau Else, dabei hat er eigenen Worten zufolge ausreichend Bewegung.

Auschner ist ein Jahr vor dem Hundertsten aber nicht nur körperlich beweglich, er gehört nach wie vor zu den besten Spielern seines Skat-Clubs „Contra Weiden“. Seinen 99. verbrachte Willi Auschner wie selbstverständlich in der wöchentlichen Skat-Runde in der Gastwirtschaft Gambrinus. Der Club ernannte den ältesten Skat-Spieler Bayerns, der auch noch an Meisterschaften teilnimmt, an diesem Abend zu seinem Ehrenmitglied.

Willi Auschner ist in Breslau aufgewachsen, „mit Oderwasser getauft“, wie er sagt. Er konnte gerade noch seine Kaufmannslehre abschließen, ehe er 1940 in den Krieg ziehen musste. Er war Funker und Fernsprecher und als solcher in Russland, Moldawien, Rumänien, Ungarn und der Slowakei.

Kurz vor Kriegsende, im Januar 1945, bekam er Heimaturlaub, fuhr nach Breslau zurück und musste dann die Stadt mit verteidigen. Seine Eltern waren zu diesem Zeitpunkt schon im oberpfälzischen Weiden. Es sollte aber noch ein paar Jahre dauern, bis er sie wiedersah. Auschner war bis 1948 in russischer Kriegsgefangenschaft in Stalingrad, wo er eigenen Worten zufolge das Stahlwerk „Roter Oktober“ mit aufgebaut hat.

Unter den Mitgefangenen fand Auschner den Weidener Karl Koreis, dem er sich anschloss, wohlwissend, dass seine Eltern schon in Weiden sind. In der Oberpfalz fand der Schlesier eine neue Heimat. Hier heiratete er 1951 Else Glas, mit der er zwei Söhne hat. Als gelernter Kaufmann war er 30 Jahre lang im Lebensmittelgroßhandel „A & O“ beschäftigt.

Willi Auschner hat sich früh schon ehrenamtlich engagiert, unter anderem jahrzehntelang beim Katastrophenschutz als Lehrer für Lebensmittelbevorratung, beim Verband der Heimkehrer und als Aufsicht im Keramikmuseum. Heute geht er nur noch zu seinem Skat-Club, das aber so regelmäßig, dass ihn auch ein 99. Geburtstag nicht davon abhalten konnte.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp