16.07.2018 - 18:07 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Abatay-Tower "eingestürzt"

Heiner Schreml, Architekt des Abatay-Towers, hat sich "nach dem Schock im Bauausschuss" wieder gefangen. Er macht dem Bauamt schwere Vorwürfe.

17 Etagen hoch soll der Abatay-Tower auf dem Areal des Josefshauses entstehen. Der Bauausschuss will aber erst bei einem konkreten Antrag für einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan über weitere Türme in Weiden diskutieren. Das enttäuscht Architekt Heiner Schreml. Plan: Schreml/ Bild: Schönberger
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

(wd) So habe Baudezernent Oliver Seidel den Stadträten einen Antrag vorgetragen, den Bauherr Turkut Abatay und er als Architekt "mit diesem Inhalt nie gestellt haben". Seidel stelle die Frage, ob und wo und wie Hochhäuser im Stadtgebiet möglich sein sollen und formuliere als Schlussfolgerung, dass dem Bauherrn ein Antrag auf vorhabenbezogenen Bebauungsplan verweigert werden solle.

Zur Klarstellung: über diesen Vorschlag ließ Sitzungsleiter Bürgermeister Jens Meyer jedoch gar nicht mehr abstimmen.

Eine einzige Frage

Schreml betont, dass im mit der Verwaltung abgesprochenen Text nur gefragt werde, ob sich die Stadträte einen Turm überhaupt vorstellen könnten. "Wir haben eine einzige Frage gestellt, ähnlich wie bei einem Antrag auf Vorbescheid und wollten nur diese eine Frage wie bei einem Vorbescheid beantwortet haben. Alle anderen Fragen, wie zum Beispiel Verkehr, Umwelt, Verschattung, Abstandsflächen, die Seidel zur Diskussion stellen wollte, waren gar nicht angefragt. Sie sollten, wie vorgesehen, beim Antrag auf vorhabenbezogenen Bebauungsplan beantwortet werden."

Der Baudezernent habe damit den Antrag von Abatay und Schreml eigenmächtig umformuliert und abgeändert und gleichzeitig ihnen das Recht, einen Antrag auf vorhabenbezogenen Bebauungsplan stellen zu dürfen, abgesprochen. "Damit hat er nicht nur versucht, bestehendes Recht aus dem Weg zu räumen, sondern die Diskussion in eine völlig falsche Richtung gelenkt. Damit hat er unserem Hochhausvorhaben eine klare Absage erteilt. Ein ungeheuerlicher Vorgang. Er hat damit den Turm zum Einsturz gebracht."

Vorgehen abgestimmt

In seiner 60-jährigen Berufstätigkeit mit rund 700 Bauanträgen in vielen Großstädten Deutschlands und im Ausland erlebe er zum ersten Mal "eine Missachtung und Verdrehung meines gestellten Antrags". Dazu sei festzustellen, dass alle Vorgänge, seit am 16. Februar der Turm-Entwurf Oliver Seidel und Stadtplaner Friedrich Zeiß vorgestellt wurde, "eben mit diesen Herren abgesprochen und eingehalten" wurden. Darunter seien Forderungen gewesen, wie zum Beispiel die gemeinsam terminierte öffentliche Veranstaltung am 19. April im Foyer des Josefshauses. Diese Veranstaltung habe sehr viel Zeit gekostet und auch Ausgaben verursacht.

Zum Scheitern verurteilt

"Seit dem 16. Februar sind fünf Monate vergangen, ohne auch nur einen Schritt weiterzukommen", klagt Schreml. "Jedesmal, wenn eine Forderung erfüllt war, wurde eine höhere Hürde aufgebaut. Inzwischen müsste ich Stabhochspringer sein."

Selbst wenn der Bauausschuss die Forderung des Baudezernenten vom Tisch gefegt habe ("weil unrechtmäßig"), stehe immer noch die eindeutige Ablehnung des Bauverwaltungs-Chefs des Abatay-Towers im Raum. "Vertrauen gibt es nicht mehr: Dieses Wort hatte an diesem Tag eine tragende Rolle im Bauausschuss gespielt", stellt Schreml fest, ohne dabei allerdings auf die von Abatay durchgeführten "Schwarzbauten" im Josefshaus einzugehen. Der Architekt bezieht es nur auf die Turm-Diskussion und meint: "Seidel hat mit seinem Beschlussvorschlag alles zuvor gemeinsam Besprochene in Frage gestellt. Er hat das Bauvorhaben Abatay-Tower zum Scheitern verurteilt."

"Wir, Bauherr und ich als Architekt, sind monatelang an der Nase herumgeführt worden. Man hat uns Hoffnung gemacht. Jetzt erfahren wir plötzlich, dass in Weiden die Zeit für ein Hochhaus (noch) nicht reif ist."

Bau und Planungsdezernent Oliver Seidel bleibt gelassen:

"Vision vom Turm ist nicht abgelehnt"

Gelassen reagiert Baudezernent Oliver Seidel auf die Vorwürfe von Architekt Heiner Schreml. Und er korrigiert dessen Aussagen: Der Turm sei keineswegs „eingestürzt“. Vielmehr liege es nun – nach der Entscheidung des Bau- und Planungsausschusses vom Donnerstag – an Bauherrn und Architekten, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan auf den Weg zu bringen.

Die „Vision vom Turm ist nicht abgelehnt“, unterstreicht Seidel. Allerdings sei auch die grundsätzliche Diskussion um eine Hochhausbebauung in Weiden zu führen. „Wo noch, mit welcher Höhe und mit welcher Nutzung? „ So sei nicht nur ein einziger Wohnturm, sondern auch Bürotürme oder Hotels durchaus vorstellbar.

„Mit einem Hochhaus betreten wir in Weiden absolutes Neuland.“ Es gebe für eine Genehmigung noch keinerlei planungsrechtlichen Voraussetzungen. „Diese müssen erst geschaffen werden. Und dann kann man darüber streiten, wie man vorgehen will. Man kann diese Diskussion an einem konkreten Vorhaben aufziehen. Man muss aber nicht.“ Ein vorhabenbezogener Bebauungsplan sei sehr aufwendig, in vielen Bereichen seien Gutachten und Expertisen, vielleicht sogar Wettbewerbe und viele Abstimmungen nötig. Und: „Der Ausgang des Verfahrens ist zugleich ergebnisoffen. Der Bauherr läuft in ein gewisses Risiko.“

Seidel räumt ein, dass er die Diskussion um eine Hochhausbebauung in Weiden gerne „projektunabhängig“ geführt hätte – auch um eine generelle Linie „in einer aktiven, nicht nur re-aktiven Stadtentwicklung“ zu ziehen – „und den aktuellen Bauwerber zu entlasten“. Es sei auch immer die Frage verantwortungsvoll zu beantworten, ob die Stadt „grundsätzliche Themen aus der Hand geben kann und will“.

„Wir sind durchaus aufgeschlossen, künftig in Weiden dichter und höher bauen zu lassen.“ Dies müsse fundiert vorbereitet und diskutiert werden. So seien etwa die vorliegenden „Pläne“ vom Abatay-Tower ehrer als Vision zu betrachten, keinesfalls als konkreter Bebauungsvorschlag. Ein derart über viele Jahrzehnte „stadtbildprägendes“ Bauwerk müsse hohen stadtgestalterischen Ansprüchen genügen. „Ein Hochhaus, das ja von allen Seiten gut sichtbar ist, hat keine Rückseite“, zitiert der Baudezernent seinen Stadtplaner Friedrich Zeiß.

Die Stadträte hätten deutlich angesprochen, dass gerade bei einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan ein besonders gutes Verhältnis zwischen Gremium und Bauwerber bestehen solle. Dieses habe Abatay aber durch seine ungenehmigten Umbauten im Josefshaus-Komplex „nicht gerade befördert“. (wd)

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