12.07.2018 - 17:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Abenteuer Abatay-Tower

Mit den Schwarzbauten im Josefshaus hat Turkut Abatay Vertrauen verspielt. Zwar sehen alle Fraktionen den Reiz eines Hochhauses. Aber die Stadt geht nicht in planerische Vorleistung. Die Diskussion wird erst geführt, wenn Abatay den vorhabenbezogenen Bebauungsplan beantragt und die Unterlagen beibringt.

Turkut Abatay (links), der den Turm am Adolf-Kolping-Platz bauen will, hat Vertrauen verspielt. Geplant hat das Hochhaus übrigens Architekt Heinrich Schreml.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

(wd) Kein Zweifel: Die Stadträte sind bereit, sich auf das Abenteuer Hochhaus einzulassen. Doch ebenso deutlich formulierten sie ihre Enttäuschung über den Regelbruch des neuen Besitzers des Josefshauses. Als Bauunternehmer, der wissen muss, dass er Umbau und Umnutzung eines Gebäudes erst beantragen und genehmigen lassen muss, hatte er mit einem Schwarzbau Tatsachen, nämlich acht Wohnungen (110 bis 165 Quadratmeter) geschaffen und sofort an Großfamilien vermietet. Dem Antragsteller, der mit seinem Turm-Architekten Heiner Schreml in den Zuschauerreihen saß, müssen die Ohren geklungen haben.

"In neuem Licht"

"Er hat uns aufgeschreckt, enttäuscht und verwundert", betonte Hildegard Ziegler. Dieses Verhalten stelle Abatay als Partner in ein neues Licht, unterstrich die Sprecherin der SPD-Fraktion im Bauausschuss. Alle Stadträte begleiteten die Turm-Pläne mit großem Wohlwollen. Allerdings tauchten Fragezeichen an seinen eigentlichen Absichten auf. "Warum noch der Einbau von Wohnungen, wo er doch einen Turm bauen will?" Sei diese Interimslösung doch von längerer Dauer? "Vielleicht hat sie bei ihm sogar Vorrang." Es sei schade, "dass es so gelaufen" sei.

Ziegler bedauerte, dass das Baurecht vorsehe, den Schwarzbau zu genehmigen, da er genehmigungsfähig sei. Bußgelder seien angebracht. Zum Turmvorhaben bemerkte Ziegler, dass Abatay einen hohen zeitlichen und finanziellen Aufwand für das umfangreiche Verfahren auf sich nehmen müsse. Zugleich votierte sie dafür, das Thema Hochhäuser in Weiden mit einem städtebaulichen Wettbewerb zu verknüpfen, unabhängig vom konkreten Vorhaben. "Die SPD glaubt, die Weidener wären offen für ein Hochhaus." Allerdings seien viele Fragen zu klären. Dafür wiederum fehlten die Unterlagen. "Wenn er alle Unterlagen bringt, sollten wir das vorantreiben", sagte Karl-Heinz Schell (ebenfalls SPD).

Hält der Turm-Plan?

Alois Lukas zeigte sich enttäuscht. Abatay habe Vertrauen verloren. Der Sprecher der CSU betonte, dass die frisch eingemieteten Familie das Josefshaus räumen müssten, wenn die Turmpläne tatsächlich umgesetzt werden sollen. Er kritisierte, dass die massiven Umbauten nachträglich genehmigt würden. "Wir haben schon Carports und Garagen rückbauen lassen." Lukas votierte ebenfalls für ein Bußgeld. Zugleich äußerte er die Befürchtung, dass sich der "Anfrager" beim Turm ebenfalls nicht "an die Chronologie halte".

Er empfinde es zudem als Zumutung, dass der Bauausschuss in ein und derselben Sitzung den Schwarzbau sanktionieren und dann den Turmbau beraten solle. Abschließend stellte Lukas, ebenso wie Josef Gebhardt (SPD) die Frage, ob denn der Investor selbst noch zur Turm-Idee stehe. Gebhardt votierte übrigens mit der CSU (Lukas, Markus Bäumler und Michael Bihler) dafür, unabhängig von einem konkreten Antrag das Thema Hochhäuser vorzubereiten und zu diskutieren. Er wiederholte seine Ansicht, dass in der Stadt verstärkt auch in die Höhe gebaut werden müsse, um den Flächenverbrauch zu senken.

In der von Bürgermeister Jens Meyer formulierten Abstimmung votierten die restliche SPD sowie Bürgerliste und Grüne für ein Aufschieben des Themas bis tatsächlich ein Turm-Antrag von Turkut Abatay vorliegt. Ansonsten werde die Bauverwaltung mit unnötiger Zusatzarbeit belastet.

Erhebliche Zweifel, ob die durch die Nutzungsänderung im Josefshaus nachzuweisenden 16 Stellplätze tatsächlich vorhanden sind, äußerte Stefan Rank (Bürgerliste). Die Diskussion um den Turmbau gehöre nicht in den Bau-, sondern in den Sonderausschuss Innenstadtentwicklung. Bisher gebe es nur Handskizzen, "eine Anfrage, aber keinen Antrag". "Ich glaube nicht, dass viele Anträgen für Hochhäuser folgen."

Zitate:

Viele Ansichten, aber kein eindeutiger Antrag

„Das wäre ein echt hohes Hochhaus und durchaus mit dem NOC vergleichbar.“

Hildegard Ziegler SPD)

„Ich bin ein Turm-Fan.“

Karl-Heinz Schell (SPD)

„Vielleicht ist dies der zündende Funke, den wir für die weitere Stadtentwicklung brauchen. Wir sollten dem Turm aufgeschlossen gegenüberstehen. Die Genehmigung darf sich nicht über Jahrzehnte hinziehen. Die Länge unserer Drehleiter ist kein Argument für die Gebäudehöhe.“

Markus Bäumler (CSU)

„Jeder kann seine Meinung haben. Das hat keine baurechtliche Relevanz. Entscheidend ist, was beantragt wird, und nicht, was wir uns vorstellen. Ich könnte mir auch einen Hafen im Max-Reger-Park vorstellen. Die Wege, die der Bauherr gehen muss, sind bekannt.“

Stefan Rank (Bürgerliste)

„Wir diskutieren den Turmbau. Schon dadurch hat das Baugrundstück stark an Wert gewonnen.“

Josef Gebhardt (SPD)

„Endlich passiert was. Ein Hochhausbau ist ein Projekt gegen Flächenfraß.“

Veit Wagner (Grüne)

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