01.04.2021 - 18:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Abheben zum Lebenretten: Neuer Hubschrauber für die Region

Der Name bleibt der gleiche: Christoph 80. Auch in der Luft wird der neue Rettungshubschrauber der Nordoberpfalz fast so aussehen wie der alte. Trotzdem kann der neue Helikopter viel mehr. Das kann über Leben und Tod entscheiden.

von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Krystian Pracz kennt sich aus. Er ist Vorstandschef der DRF Stiftung Luftrettung aus Filderstadt. Die DRF betreut auch den Standort Latsch. "Rettungshubschrauber sind am besten, wenn sie gerade am Boden stehen." In 12.137 Fällen war dies in den vergangenen zehn Jahren nicht der Fall. So oft musste die Maschine des Typs EC 135 vom Weidener Westen aus abheben, um bei einem Unfall, einem Infarkt oder einer Rettungsaktion zu helfen. Am 1. April kommt sie aufs Altenteil.

Der Nachfolger vom Typ H 145 hat es nicht nur den Piloten um Stationsleiter Peter Flor angetan. Er gilt als modernster derzeit in der Luftrettung verfügbarer Helikopter: größer, geräumiger, funktionaler ausgestattet. Das soll in erster Linie den Patienten zugute kommen, erklärt Dr. Jürgen Altmeppen. Der Chefarzt der Anästhesie an den Kliniken Nordoberpfalz ist auch leitender Hubschrauberarzt. "Wir können jetzt Blut- und Blutprodukte mitnehmen. Das ist wichtig bei schweren Unfällen." Im alten "Christoph" kam der Notarzt außerdem erst ab Hüfthöhe an den Patienten ran, im neuen kann er den Verunglückten auch an den Beinen versorgen.

Der neue Helikopter im Video

Spezialgeräte für Kinder

Altmeppen ist froh, dass in Amberg und Weiden inzwischen auch Kinderchirurginnen arbeiten. Im Zuge dessen gibt es mit dem Helikopter neue Konzepte für die jüngsten Patienten, etwa einen Transportinkubator. Das ist gerade wichtig für die Schwächsten, sprich Neugeborene. "Erst gestern haben wir wieder ein vier Monate altes Kind in eine Spezialklinik geflogen", erklärt Altmeppen bei der offiziellen Vorstellung des H 145 am Mittwoch in Latsch mit zahlreichen Ehrengästen aus Politik und Medizin.

Stark beansprucht ist zurzeit der ECMO, eine kleine Herz-Lungen-Maschine. Die kommt auch zum Einsatz, um schwerkranke Covid-Patienten zu beatmen. Sie ist ebenfalls Teil der Ausstattung.

Ein "learning seat" bietet Platz für angehende Notärzte. Deren Ausbildung in der Region wird wichtiger, da viele Notfallmediziner bald in den Ruhestand gehen. Gemeinsam mit der Ärztlichen Leiterin Rettungsdienst, Dr. Gudrun Graf, wirbt Altmeppen intensiv um Nachwuchs.

Ebenfalls ein Pluspunkt: Da die Krankenhauslandschaft mit immer weniger statt mehr Häusern bestückt ist, kann der H 145 bei der Verlegung von Intensivpatienten gute Dienste tun. Noch ist dies alles nur von Sonnenaufgang, frühestens 7 Uhr, bis eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang möglich. Altmeppen und Alfred Rast, der Geschäftsführer des Rettungszweckverbands Nordoberpfalz, sind jedoch am bayerischen Innenministerium dran, um diese Einsatzzeiten mittelfristig auszudehnen. Das fliegende Intensivbett hat rund 9 Millionen Euro gekostet, teilt die DRF mit. Rast dankte in diesem Zusammenhang den Kostenträgern um die AOK Bayern für die Unterstützung.

Das Revier des neuen "Christoph 80" ist ein Radius von 60 Kilometern rund um Weiden. 20 Prozent davon liegen in Tschechien. Damit sind auch Orte, die mit dem Auto eine Dreiviertelstunde vom Klinikum Weiden oder Amberg entfernt liegen, in 15 Minuten erreichbar. Landrat Andreas Meier sprach als Vorsitzender des Rettungszweckverbands daher auch von "Meilenstein" und einem "Taxi für den Notarzt".

Keine Konkurrenz zum Auto

Der Hubschrauber soll dem Rettungsdienst am Boden nichts wegnehmen. Er kann aber Notärzte dorthin bringen, wo es keine gibt, oder von Notärzten, die in Praxen gebunden sind, Patienten zum Transport übernehmen, unterstreicht Altmeppen. Ihn ärgern hinter vorgehaltener Hand gestreute Gerüchte. Etwa, dass mit dem Hubschrauber Geld zu machen sei. "Das stimmt nicht. Unsere Einsatzzeit ist immer die gleiche. Einsätze werden auch nicht extra vergütet."

Feier wird nachgeholt

So leidenschaftlich der Weidener Anästhesist für den Luftrettungsdienst kämpft, die fünfminütige Jungfernrunde rund um Latsch überließ er seinem Amberger Kollegen Dr. Andreas Redel. "Ich war ja schon vor zehn Jahren dran."

Zehn Jahre Luftrettungsstandort Latsch, neuer Christoph, reibungslose regionale Zusammenarbeit. All das wäre ein Buffet mit Bier und Bier wert. Dafür sind die Inzidenzzahlen aber noch zu hoch. Rast und Landrat Meier versprachen aber, auf diese Anlässe in Latsch anzustoßen, sobald es möglich ist.

Abheben zum Lebenretten

Aufregung über vermeintlich diskutable Einsätze es Christoph 80

Weiden in der Oberpfalz
Info:

Die Besatzung des neuen "Christoph 80"

  • Piloten: Peter Flor (Stationsleiter), Martin Anz, Emil Hüttemann.
  • Notärzte Klinikum Weiden: Dr. Angelika Altmeppen, Dr. Jürgen Altmeppen, Ilona Boccali, Dominik Dworzak, Miroslav Havlik, Dr. Matthias Krauß, Dr. René Meichner, Dr. Andreas Pohl, Dr. Lukas Rehor, Dr. Jan
    Rones, Dr. Christina Scharf, Dr. Scherer-Kindermann, Dr. Bernhard Seidl.
  • Notärzte Klinikum Amberg: Dr. Michael Bauer, Dr. Marc Bigalke, Dr. Melanie
    Bischoff, Carolin Dietrich, Dr. Winfried Glaser Winfried, Julia Koch, Matthias Kudlich, Christoph Plank, Dr. Andreas Redel, Jens Schlör, Dr. Timo Schmidt, Katerina
    Tesinska.

 

 

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