07.07.2020 - 19:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ängstliche Zeugen erschweren Vernehmungen für Landgericht Weiden

Die Anklage lautet unter anderem auf Menschenraub und Einschleusung. Das Landgericht Weiden vernimmt zahlreiche Zeugen. Dabei kommt der Verdacht der Zeugenbeeinflussung auf – und beinahe gibt es eine Festnahme.

Symbolbild
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Im Verlauf des zweiten Verhandlungstages äußerte Vorsitzender Richter Gerhard Heindl seine Bedenken, dass die Angeklagten versuchen, Einfluss auf den Prozess zu nehmen und Zeugen zu beeinflussen. Justizbeamte hätten die Weitergabe eines Mobiltelefons an ein Familienmitglied beobachtet. „Versuchen Sie nicht, hier irgendwelche Strippen zu ziehen, das wird nach hinten losgehen“, ermahnte Staatsanwalt Peter Frischholz die Angeklagten Ahmad E. und Khaled E. Bereits am Montag habe sich ein Zeuge beim Landgericht Weiden gemeldet und erklärt, dass er Angst vor den Angeklagten habe.

Wie war Ahmad E. in die Schleusung seiner Schwiegertochter nach Deutschland involviert? Wie lief ihr Verschwinden aus Deutschland, das ihr Schwiegervater Ahmad E. und ihr Ehemann Khaled E. organisiert haben sollen, ab? Haben sie auch andere bedroht, die der jungen Frau helfen wollten? Zu diesen Fragen verhörte das Landgericht Weiden am Dienstag mehrere Zeugen.

Verzweifelte Anrufe der Mutter

Die in Syrien lebende Familie des Opfers machte sich wohl schon länger Sorgen um ihre Tochter, die mit Khaled E. nach islamischem Recht verheiratet und daraufhin nach Deutschland geschleust wurde. Das ergibt sich aus der Tatsache, dass ihr Vater sowohl einen Cousin als auch einen Nachbarn, die beide bereits in Deutschland lebten, kontaktierte, um nach seiner Tochter zu suchen. Beide haben nach Rücksprache mit der Familie Anzeige bei der deutschen Polizei erstattet. Die syrische Familie hätte seit Wochen nichts von der Tochter gehört. „Die Mutter weinte am Telefon, fragte immer nach ihrer Tochter und ob diese noch am Leben ist“, erklärte ein Zeuge.

Laut Anklageschrift hätten Ahmad E. und Khaled E. beschlossen, die junge Frau von ihrem Sohn zu trennen und zurück in die Türkei oder nach Syrien zu bringen. Dabei sei ihr gesagt worden, dass sie nach Griechenland reisen müsse, um eine Aufenthaltsverlängerung zu bekommen. Das bestätigten mehrere Zeugen.

Ihr Cousin, der von den Eltern des Opfers beauftragt wurde, in Deutschland nach ihr zu suchen, hatte auch Kontakt mit dem Angeklagten Ahmad E. und hat einen Facebook-Aufruf nach der vermissten Frau gestartet. „Er hat mir gesagt, dass ich die Finger von der Sache lassen soll. Aber das mache ich nicht, habe ich ihm geantwortet“, erzählte er von einem Telefonat mit dem Angeklagten. Das bestätigte auch sein türkischer Bekannter, der ihn bei der Suche unterstützte, bei mehreren Telefonaten mit der Familie in Syrien dabei war und bei der Polizei für ihn übersetzte.

Streit am Telefon

Der Türke erklärte zudem, dass der Cousin nach einem Telefonat mit dem Angeklagten Ahmad E. Angst hatte und versuchte unterzutauchen. „Es gab einen Streit am Telefon. Am nächsten Tag wollte er abhauen. Er hat mir gesagt, dass das gefährliche Leute sind, die in der Heimat etwas zu sagen haben. Am nächsten Tag hat die Polizei ihn am Bahnhof mit gepacktem Koffer aufgegriffen“, sagte er. Vonseiten des Gerichts und der Staatsanwaltschaft kamen Nachfragen, ob Ahmad E. Kontakte zu einer mafia-ähnlichen Organisation habe oder konkrete Drohungen ausgesprochen habe. Das bestätigten die Zeugen aber nicht.

Gegenüber der Polizei hatte der Cousin ausgesagt, dass er befürchte, dass der Schwiegervater, Ahmad E., hinter dem Verschwinden stecke. Khaled E. wolle sich scheiden lassen. Es könne sein, dass sie die junge Frau ins Ausland schaffen, damit sie nicht nach Deutschland zurückkehren könne. Diese Angaben bestätigte der Zeuge vor dem Landgericht. „Sie hätte ihren Sohn nicht freiwillig in Deutschland zurückgelassen“, ergänzte er.

In der Anklageschrift hieß es, dass die junge Frau Angst vor einer Rückkehr nach Syrien habe, weil sie Schande über die Familie gebracht hätte und ihr daher der Tod drohe. Das konnten die geladenen Zeugen allerdings nicht bestätigen. „Sie hätte zurückkehren können. Ihr drohte dort keine Gefahr. Ihr Vater ist ein Apotheker, ein vernünftiger Mensch“, sagte der Cousin aus. Etwas unklar blieb dagegen, welche Familie bei einer Scheidung den Sohn des Opfers und Khaled E. aufgenommen hätte. Dieser war die ganze Zeit bei den Schwiegereltern in Deutschland.

Staatsanwalt droht mit Festnahme

Undurchsichtig blieb die Schleusung von Syrien nach Deutschland, nach der Zwangsheirat mit Khaled E.. Dazu hörte das Gericht zwei Zeuginnen, die zusammen mit der jungen Frau geschleust worden waren. Eine davon ist die Nichte des Angeklagten Ahmad E., die allerdings von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machte. Die zweite Frau sagte zwar aus, erzählte wie sie sich in Syrien der Gruppe angeschlossen habe und über die Türkei nach Griechenland geschleust wurde. Dort tauchte dann auch Ahmad E. auf. Doch dann verstrickte sie sich in Widersprüche.

Gegenüber der Polizei erklärte sie noch, dass Ahmad E. eine Wohnung in Athen angemietet und die Schleuser bezahlt habe, weil seine Nichte dabei war. Das bestätigte sie nun nicht mehr. Ahmad E. sei zwar da gewesen, aber nur zu Besuch. Als der Staatsanwalt androhte, sie wegen Falschaussage festnehmen zu lassen, besann sich die Frau auf ihr Aussageverweigerungsrecht, das ihr wegen dem Vorwurf der illegalen Einreise zusteht. Ein Urteil wird Ende Juli erwartet.

Anklage: Geschlagen, vergewaltigt - Vater und Sohn vor Gericht

Weiden in der Oberpfalz
Info:

So lautet die Anklage

Der Prozess gegen Ahmad E. und seinen Sohn Khaled E. vor dem Landgericht Weiden hat am 25. Juni begonnen. Ahmad E. soll für die Geschädigte die Schleusung von Syrien nach Deutschland organisiert und sie selbst aus Griechenland abgeholt haben. Bereits zuvor war sie mit seinem Sohn Khaled E. verheiratet worden. In der Oberpfalz begann für die heute 21-Jährige eine brutale Tortur, weil sie sich laut Anklage „nicht widerstandslos unterwerfen“ wollte. Sie soll von ihrem Mann geschlagen und vergewaltigt worden sein. Nach der Geburt eines Sohnes sollen die Angeklagten versucht haben die Frau zurück nach Syrien zu bringen. Der Schwiegervater soll sie unter falschem Vorwand in die Türkei gebracht haben. Von dort sollte sie zurück nach Syrien ohne ihren neugeborenen Sohn. Die Staatsanwaltschaft Weiden wirft den Männern daher Menschenraub in Tateinheit mit Entziehung Minderjähriger vor. Ahmad E. wird zudem die Einschleusung von Ausländern vorgeworfen. Seinem Sohn Khaled wird gefährliche Körperverletzung in insgesamt acht Fällen, zum Teil mit Bedrohung und Freiheitsberaubung, vorsätzliche Körperverletzung in drei Fällen sowie Vergewaltigung in vier Fällen vorgeworfen.

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