12.07.2019 - 12:09 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Airbus "Weiden in der Oberpfalz" am Start

Ein neuer Airbus A320 trägt den Namen "Weiden in der Oberpfalz". Im Laufe der nächsten Wochen wird er an die Lufthansa übergeben. Die Max-Reger-Stadt geht nach fast drei Jahren Pause wieder in die Luft.

Ein Schlepper zieht den noch unvollständigen A320-200 in der neuen Lufthansa-Lackierung über das Airbus-Werksgelände in Hamburg-Finkenwerder: Die Triebwerke fehlen noch, Türen und Cockpitfenster sind mit Folien abgeklebt: Aber vorne am Rumpf prangt schon der Name "Weiden in der Oberpfalz".
von Udo Lanz Kontakt Profil

Fast ein Vierteljahrhundert lang flog die Boeing 737-300 mit dem Kennzeichen D-ABEF und dem Taufnamen "Weiden i.d. Opf." quer durch Europa, bis sie im Oktober 2016 ausgemustert wurde. Seitdem war offen, ob und wann es einen Nachfolger geben würde, wiederholte Anfragen der Oberpfalz-Medien dazu blieben unbeantwortet.

Wenig Hoffnung machte auch die Tatsache, dass Lufthansa einige Jahre lang nur noch Großstädte und Bundesländer berücksichtigt hat. Und deren Namen landeten nur auf Großraumflugzeugen, kleinere Maschinen blieben namenlos. Doch mit der Einführung der neuen Lackierung im vergangenen Jahr ließ die Fluggesellschaft ihre alte Tradition wieder voll aufleben. So erschienen immer mehr Taufnamen, die sich wie "Weiden i.d. Opf." jahrelang im "Ruhestand" befanden, am Rumpf neuer und umlackierter Maschinen.

Anders als beim Vorgänger-Flugzeug erscheint "Weiden in der Oberpfalz" komplett ausgeschrieben auf dem neuen A320.

Name komplett ausgeschrieben

Die Information, dass Weiden wieder einen fliegenden Botschafter bekommt, stammt aber weder von Lufthansa selbst, noch von der Stadt Weiden. Recherchen der Oberpfalz-Medien führten zu einigen Internet-Plattformen, auf denen sogenannte "Plane Spotter" (Flugzeug-Fotografen) aktuelle Bilder hochladen. Und dort tauchte in dieser Woche ein Foto von Tobias Gudat auf, das einen Airbus A320-200 zeigt, der über das Werksgelände in Hamburg-Finkenwerder geschleppt wird. Der Maschine mit vorläufigem Testkennzeichen fehlen noch die Triebwerke, Türen, Klappen und Cockpitfenster sind abgeklebt – aber auf dem Rumpf prangt bereits der Taufname: "Weiden in der Oberpfalz".

Anders als beim Vorgänger-Flugzeug und auch beim einstigen Regionaljet "Neumarkt i.d. Opf." ist der Namenszusatz komplett ausgeschrieben – ein Novum für die Oberpfalz. Dadurch zählt der Taufname zu den längeren in der Flotte und ist entsprechend auffälliger.

Obwohl es sich bei der "Weiden" um eine nagelneue Maschine handelt, zählt sie nicht zur aktuell fortschrittlichsten Generation der A320-Familie. Anfängliche Probleme mit neu entwickelten hocheffizienten und stark geräuschreduzierten Triebwerken hatten zu größeren Lieferverzögerungen beim Verkaufsschlager A320neo ("new engine option" – neue Triebwerksoption) geführt. Davon betroffen war auch die Lufthansa, die deshalb Dienstzeiten älterer Flugzeuge verlängern musste und mehrere Maschinen vom Typ A320ceo ("current engine option" – gegenwärtige Triebwerksoption) nachbestellt hat. Die "Weiden" ist eine dieser "ceo"-Maschinen, die noch parallel zu den "neo"-Modellen produziert werden.

Sparsamer und leiser

Ein Auslaufmodell ist die neue "Weiden" aber keineswegs, sie unterscheidet sich von früheren A320-Versionen durch zahlreiche Verbesserungen. Zur Ausstattung gehören etwa "Sharklets", auffällig nach oben gebogene Flügelspitzen, die den Schwungfedern von Vögeln nachempfunden sind. Diese verbessern die Aerodynamik, wodurch der Treibstoffverbrauch sinkt und Reichweite und Nutzlast steigen. Außerdem sorgen sie für eine Lärmreduktion.

Lufthansa-Pressesprecher Helmut Tolksdorf bestätigt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien die anstehende Übernahme des Flugzeugs mit dem Namen "Weiden in der Oberpfalz". "Wann die Maschine an Lufthansa ausgeliefert wird und wo sie stationiert wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen." Eingesetzt werde sie auf Strecken vornehmlich innerhalb Europas. Aber auch Ziele in Nordafrika und im Nahen Osten können angesteuert werden. Feierlichkeiten wie vor 27 Jahren seien nicht vorgesehen: "Da nur eine Namensübertragung und keine Taufe erfolgt, ist keine Zeremonie geplant."

Fast ein Vierteljahrhundert lang trug die Boeing 737-300 D-ABEF den Taufnamen "Weiden i.d.Opf.", im Oktober 2016 wurde sie ausgemustert. Das Bild zeigt sie im August 2016 auf dem Flughafen Frankfurt/Main.

Seggewiß: "Tolle Geste"

Im seinem Urlaub völlig überrascht und begeistert von der Neuigkeit zeigt sich Oberbürgermeister Kurt Seggewiß. "Wahnsinn!", lautet seine erste Reaktion im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, in dem er vom neuen fliegenden Botschafter der Stadt erfährt. "Das ist toll, Weiden wird wieder weltbekannt!", so Seggewiß. "Ich bedanke mich im Namen der Stadt Weiden, das ist eine tolle Geste der Lufthansa." Seggewiß erinnert daran, dass er gleich nach der Ausmusterung der alten "Weiden" per Brief das Interesse an einem Nachfolge-Flugzeug bekundet habe.

Große Freude löst die Nachricht auch bei Helmut Reiss aus. Der aus Weiden stammende ehemalige Flugkapitän hat 1992 die Taufzeremonie der Boeing 737 "Weiden" begleitet und in der Folge den Jet auch mehrfach im Liniendienst geflogen. Der 73-Jährige, der heute in Wiesbaden lebt, habe seit 2016 wiederholt bei seinen alten Bekannten der einstigen Lufthansa-Protokollstelle in Sachen "Weiden" nachgefragt. "Vielleicht hat das ja ein wenig gewirkt."

Information:

Airbus A320-200 D-AIWK "Weiden in der Oberpfalz"

Der Airbus A320-200 "Weiden in der Oberpfalz" bekommt das Kennzeichen D-AIWK. Weil im Luftverkehr das Nato-Alphabet Anwendung findet, wird basierend auf den beiden letzten Buchstaben die Bezeichnung "Whiskey Kilo" geläufig sein. Mit einer Länge von 37,6 Metern, einer Spannweite von 35,8 Metern und einem maximalen Startgewicht von 73,5 Tonnen ist die neue "Weiden" etwas größer und um einiges schwerer als ihre Vorgängerin, eine Boeing 737-300. Mit maximal 180 Passagieren liegt die Kapazität um rund 30 Prozent höher, auch die Reichweite ist mit rund 3500 Kilometern deutlich größer. Lufthansa betreibt aktuell 75 Jets vom Typ A320-200, die auf den Flughäfen Frankfurt und München stationiert sind. Insgesamt hat sie 190 Flugzeuge verschiedener Baureihen der A320-Familie im Einsatz.

Hier geht's zum Artikel über den Abschied von der Boeing 737-300 "Weiden i.d.Opf." im Oktober 2016

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