Weiden in der Oberpfalz
13.08.2023 - 13:14 Uhr
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Aktion "Einheitsbuddeln": Warum die Stadt Weiden nicht mehr mitmachen will

Ein Beitrag zum Klimaschutz soll es sein. Zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober sollen die Weidener wieder Bäume pflanzen. Seit 2019 tun sie das mit Unterstützung der Stadt. Doch die will jetzt nicht mehr.

Ein zartes Pflänzchen, das langsam wachsen muss? Von wegen. Die Aktion "Einheitsbuddeln" war vom Fleck weg ein Erfolg. Zur Premiere am Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober 2019, schnappten sich Dutzende Weidener Spaten und Rechen und pflanzten in der Schustermooslohe Gewächse wie Hasel, Spitz-Ahorn und Vogelkirsche. Aufgerufen dazu hatte die Stadt Weiden auf Initiative der SPD. "Was früher eine Brachfläche war, ist ein schöner Hein geworden", sagt Stadtrat Matthias Loew, der auch zwei weitere Buddel-Einheiten 2021 und 2022 begleitete. Jetzt ist kein Platz mehr auf dem städtischen Grundstück "Am Parksteiner Brückel". Loew und seine SPD-Stadtratsfraktion fordern daher ein neues Areal fürs "Einheitsbuddeln". Eine Vorstellung, die sie aber begraben müssen – wenn es nach der Stadt geht.

Dabei ist das "Einheitsbuddeln" nach dem ersten bundesweiten Aufruf vor vier Jahren zur Institution geworden. Seit 2021 gibt es sogar einen Verein, der von Schleswig-Holstein aus Aktionen initiiert, bewirbt und fördert. Er betrachtet die Aktion als Beitrag gegen Klimawandel und Waldsterben. "Ein Traum, der wahr werden kann", heißt es auf seiner Homepage. "Stell Dir vor, am 3. Oktober würde jeder Mensch in Deutschland einen Baum pflanzen und das jedes Jahr. Ein neuer Wald. Von Nord nach Süd, von Ost bis West. Für das Klima. Für unsere Zukunft." Doch hat das "Einheitsbuddeln" auch in Weiden Zukunft?

SPD will Stadt in die Pflicht nehmen

Mit einem Antrag will die SPD dafür sorgen. "Der Stadtrat (...) stellt sich ausdrücklich hinter diese Aktion und fordert die Bürger der Stadt Weiden auf, am 3. Oktober jeden Jahres einen zusätzlichen Baum zu pflanzen", heißt es darin. "Im eigenen Garten, im Schrebergarten, im Integrationsgarten." Für die Aktion solle unter anderem auf der Weiden-Seite im Internet geworben werden. So weit, so gut. Das ist der Teil, mit dem die Stadtverwaltung kein Problem hat.

Dann aber kommt's: "Zusätzlich stellt die Stadt Weiden ein geeignetes Grundstück zur Verfügung, auf dem an diesem Tag einheimische Bäume nach Maßgabe der Stadtgärtnerei durch die Bürger der Stadt gepflanzt werden können", schreibt die SPD. Die Verwaltung soll für Geräte, Wasser und Beschilderung sorgen – und eventuell entsprechende Gehölze verkaufen. "Im Idealfall könnten durch den Verkaufserlös zumindest teilweise die Kosten der Aktion gedeckt werden."

Stadt: "Freiwillige Leistung"

Alle Kosten wohl eher nicht. Das macht auch die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme zum Antrag deutlich. Sie bilanziert den Aufwand der vergangenen Aktionen. Für die drei Aktionstage seit 2019 fielen demnach insgesamt fast 120 Stunden Personaleinsatz an, rund 6800 Euro interne und 700 Euro externe Kosten. Hinzu kämen aber noch der Aufwand für die Vorbereitung und der laufende Unterhalt der Grundstücke. Die Stadtgärtnerei müsse Mitarbeiter an einem Feiertag abstellen – mit entsprechenden Zuschlägen und Freizeitausgleich an Diensttagen. Zentraler Satz: "Es handelt sich um eine freiwillige Leistung." Bekannterweise darf sich die Stadt nicht zu viele davon erlauben, um Mittel des Freistaats in Millionenhöhe (Stabilisierungshilfen) nicht zu gefährden.

Und noch ein Problem: Es gebe kein geeignetes Grundstück. Zwar wäre es vorstellbar, ein Areal nahe der Deponie Weiden-West fürs "Einheitsbuddeln" zu verwenden, erklärt die Verwaltung. Dort sei im vergangenen Jahr der Fichtenbestand beseitigt worden. Es sei aber ohnehin eine Pflichtaufgabe, das Grundstück wiederaufzuforsten. Das bedeutet: "Durch eine Pflanzaktion (...) vermehrt sich daher der Baumbestand in Weiden nicht."

Abschließend heißt es: "Die Stadt Weiden feiert den Tag der Deutschen Einheit mit der Partnerstadt Annaberg-Buchholz, auf eine zusätzliche Pflanzaktion mit freiwilliger Unterstützung der Stadt kann daher verzichtet werden." Ungeachtet dessen bleibe "die Möglichkeit zu privat initiierten Pflanzaktionen". Die Verwaltung empfiehlt folglich, den Antrag abzulehnen.

"Phantasielose" Verwaltung

Loew, so räumt er ein, ärgert sich mächtig drüber. "Der Verwaltung fehlt es an Phantasie", schimpft er. Schließlich lasse sich die Aktion auch ohne größeren Aufwand bewerkstelligen. Man könne sie ja auf einen Werktag legen, oder aber Mitarbeiter der Stadtgärtnerei erledigen Vorarbeiten – wie den Aushub von Löchern für die Setzlinge – vor dem Feiertag. Keine geeigneten Grundstücke? "Lachhaft", kommentiert Loew. An denen mangle es wirklich nicht in Weiden. Auch im Stadtwald könnten Pflanzaktionen stattfinden.

Weiden wäre nicht die einzige Kommune, die sich bewusst gegen das "Einheitsbuddeln" ausspricht. Bereits 2019 scheiterte die Schirmitzer SPD mit einem Vorstoß im dortigen Gemeinderat. Die CSU-Mehrheit erkannte in dem Projekt "Aktionismus", den Schirmitz nicht nötig habe: Nachhaltige Pflanzaktionen nehme die Gemeinde ja ohnehin vor. In Amberg gibt es das "Einheitsbuddeln" zwar, allerdings weder an zentraler Stelle noch von der Kommune organisiert. Die Steuerungsgruppe Fairtrade-Stadt Amberg ruft Bürger, Firmen und Vereine dazu auf, auf geeigneten Grundstücken Bäume zu pflanzen.

In Weiden beschäftigt sich der Ferienausschuss am Mittwoch, 23. August, mit dem Thema. Der Antrag der SPD-Fraktion stand zwar bereits auf der Tagesordnung der Juli-Sitzung, allerdings wanderte er aus Zeitgründen in die Warteschleife. "Leider", wie Matthias Loew bedauert. Denn nun werde das Thema in kleiner Runde entschieden, und er selbst, der große Fürsprecher, gehöre dem Gremium nicht an. Warum das "Einheitsbuddeln" so wichtig wäre? "Dass die paar zusätzlichen Bäume das Klima nicht retten, ist mir auch klar", sagt Loew. "Aber die Aktion schafft Bewusstsein: Bäume fressen CO2, und sie geben O2 ab."

Weiden in der Oberpfalz23.08.2019
Weiden in der Oberpfalz03.10.2019
Hintergrund:

Aktion Einheitsbuddeln

  • Initiative des Bundeslandes Schleswig-Holstein: Möglichst jeder Bürger soll zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober einen Baum pflanzen
  • Premiere 2019. Auch Weiden beteiligt sich - auf einem städtischen Grundstück in der Schustermooslohe
  • Weitere Aktionen 2021 und 2022. 2020 ausgefallen wegen der Corona-Pandemie
  • 2021 Gründung des Vereins Einheitsbuddeln in Schleswig-Holstein. Internet: https://einheitsbuddeln.org
  • Ziel der bundesweiten Aktion: jährlich insgesamt 100.000 neue Bäume
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