07.03.2021 - 09:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Aktualisierung der Impfregeln: Darum sollte man seine Angaben regelmäßig prüfen

Diesen Artikel lesen Sie mit
Alle Informationen zu OnetzPlus

"Ich gehöre zu den Vergessenen", sagte Johannes Gollwitzer im Januar, weil er bei den Corona-Impfungen trotz hohem Risiko für einen schweren Verlauf nicht priorisiert wurde. Jetzt ging es schneller als gedacht. Doch er ärgert sich trotzdem.

Johannes Gollwitzer ist erleichtert: Endlich gehört der 36-Jährige zu den gegen das Coronavirus Geimpften. Doch über die Kommunikation beim Thema Impfung ärgert sich der Weidener.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Zu den Vergessenen gehört Johannes Gollwitzer seit gut einer Woche nicht mehr. Am vorletzten Samstag hat der 36-jährige im Weidener Impfzentrum den langersehnten ersten Piks bekommen. Erleichtert zeigt er seinen Impfpass vor. „Covid-19 Vaccine AstraZeneca“ steht auf einem Aufkleber, der die Impfung belegt. Für den an Mukoviszidose Erkrankten ist dieser Aufkleber viel wert. Mukoviszidose ist eine seltene, angeborene Stoffwechselerkrankung, bei der schleimbildende Organe wie die Lunge verstopfen und eine Brutstätte für Keime und Viren bilden. Eine Ansteckung mit Covid-19 würde mit hoher Wahrscheinlichkeit einen lebensgefährlichen Krankheitsverlauf auslösen. Gollwitzer schränkte seine Kontakte stark ein, was auf seine psychische Gesundheit schlug. Dass seine Krankheit in der Impfverordnung nicht als Risiko gelistet und er deshalb nicht in eine der priorisierten Gruppen eingestuft wurde, war wie ein Schlag ins Gesicht. „Man fühlt sich als Mensch zweiter Klasse. Ich fühle mich jetzt manchmal noch nutzloser als sonst“, sagte er gegenüber Oberpfalz-Medien.

Viele Änderungen bei Impfgruppen

Beim Interview im Januar war er schon für eine Impfung vorgemerkt, ging aber davon aus, dass er so bald nicht geimpft werden würde. Doch dann ergänzte die Ständige Impfkommission ihre Empfehlungen, und schließlich wurde auch die Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit aktualisiert. In der Fassung vom 8. Februar haben Menschen mit Mukoviszidose einen Anspruch auf Impfung in der zweiten Prioritätengruppe (hohe Priorität). Und es gab noch mehr Änderungen, darunter:

  • Zuvor waren nur Asthma bronchiale und COPD als Lungenerkrankungen gelistet, in Gruppe drei (erhöhte Priorität). Bei Asthma ist dies so geblieben, COPD wurde jedoch hochgestuft in die zweite Gruppe.
  • Menschen mit Diabetes mellitus und bestimmten Krankheitswerten, rutschten von der dritten in die zweite Gruppe.
  • Gleiches gilt für Menschen mit Adipositas und einem Body-Mass-Index von mehr als 40.
  • Neuerdings haben bis zu zwei Kontaktpersonen von bestimmten Risikopatienten einen Anspruch auf priorisierte Impfung.
  • In Gruppe drei wurden Menschen aufgenommen, bei denen ein Arzt aufgrund eines erhöhten Risikos eine Einzelfallentscheidung befürwortet.

Gollwitzer stellte fest, dass die Angaben im Online-Formular für die Impf-Vormerkungen entsprechend ergänzt wurden. So tauchte auch dort Mukoviszidose als Risiko-Vorerkrankung auf. Der 36-Jährige ärgert sich, davon nicht offiziell erfahren zu haben. Er bemerkte es erst, als er sich erneut einloggte. Und staunte: Auch die Impf-Profile seiner Eltern können mit den Aktualisierungen längst ergänzt werden – etwas, das viele Menschen betreffen könnte, die davon vielleicht gar nichts wissen.

Termin sofort nach Aktualisierung

Nachdem der 36-Jährige in seiner Online-Registrierung Mukoviszidose angekreuzt hatte, erhielt er per Sms noch am selben Tag eine Einladung zum Impftermin für den nächsten Tag. „Ich habe mich natürlich gefreut und gesagt, ich mache das so schnell wie möglich“, erinnert er sich. Ihm sei klar gewesen, dass er wegen seines Alters AstraZeneca geimpft bekommen würde.

„Ich hätte nicht einen anderen Impfstoff bevorzugt. Bei AstraZeneca hat es lediglich schlechte Kommunikation gegeben. Ich verstehe nicht, wenn Menschen diesen Impfstoff ablehnen.“ Gollwitzers Impfung verlief reibungslos. „Ich hatte um 8.30 Uhr den Termin und war um kurz nach 9 Uhr wieder aus dem Impfzentrum raus.“ Am Eingang Hände desinfizieren, Temperaturmessung per Infrarot, Aufnahme, Datenabgleich und Aufklärungsgespräch mit einem Arzt, kurz für den Piks in die Impfkabine, dann zur Sicherheit 15 Minuten warten, ob die Impfung gut vertragen wird. Als Nachweis für seine Erkrankung legte Gollwitzer einen Arztbericht vor. Der zweite Termin wurde für Mai festgelegt.

Am Tag selber habe er keine Nachwirkungen gespürt, erzählt er. Am nächsten Tag sei er „etwas matt und verschnupft“ gewesen und die Einstichstelle habe geschmerzt. „Am zweiten Tag kamen leichte Kopfschmerzen hinzu und der Arm tat weh, aber das war alles am dritten Tag vorbei.“ Sein Fazit: „Man kann mit positiven Gedanken zur Impfung gehen, auch wenn natürlich jeder unterschiedlich auf den Impfstoff reagieren kann. Vielleicht sollte man einplanen, sich ein, zwei Tage danach zu schonen.“ Seiner Ansicht nach sollte jeder den Impftermin wahrnehmen. „Denn mehr kann man als Einzelperson nicht tun. Wir können uns nicht alle nur auf die Politik verlassen.“

Es gibt noch immer Vergessene

Beim Thema Politik reagiert Gollwitzer frustriert. Er fühle sich zwar durch die Impfung sicherer, doch vor Optimismus sprühe er nicht. „Ich bin überzeugt, dass dieses Jahr ein Auf und Ab aus Lockerungen und Verschärfungen sein wird. Ich habe viele Bekannte, die noch nicht wissen, ob sie sich impfen lassen. Es gibt so viel Fehlkommunikation, so viele ungeklärte Fragen, Personengruppen werden gegeneinander ausgespielt, und bis alle geimpft sind, dauert es viel zu lange.“ Er habe Angst, dass die Stimmung umschlägt.

Und dann seien da auch noch immer die Menschen mit Behinderung oder schweren Erkrankungen, bei denen eine Ansteckung lebensgefährlich wäre, die aber weiterhin nicht zu den Priorisierten gehörten.

Rückblick: Corona-Impfverordnung berücksichtigt viele Hochrisiko-Patienten nicht

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Impfregeln und -Prioritäten: Aktualisierungen beachten

  • Wer online unter https://impfzentren.bayern/citizen schon ein Profil zur Impf-Vormerkung hat, sollte es regelmäßig prüfen und gegebenenfalls um neue mögliche Angaben ergänzen.
  • Die Impfverordnung vom 8. Februar wurde am 24. Februar ergänzt. Seitdem können Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege und in Grund-, Sonder- oder Förderschulen arbeiten, mit hoher Priorität (Gruppe zwei) geimpft werden.
  • Am Donnerstag verkündete die Ständige Impfkommission (Stiko), den AstraZeneca-Impfstoff auch für Menschen über 65 Jahren zu empfehlen. Dies war zuvor nicht der Fall, weil es laut Stiko zu wenige Daten über die Wirksamkeit bei Älteren gegeben hatte. Neue Studien besagen, dass der Impfstoff Ältere gleich gut schützt wie der von BioNTech/Pfizer.
  • Unter https://www.zusammengegencorona.de/infos-zum-impfen informiert das Bundesgesundheitsministerium über die Corona-Schutzimpfung.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.