Der Autor ist TV-Moderator Volker Westermann, gefördert hat es die "Aktion Mensch". Die Rezepte reichen von Kartoffel-Käse-Muffins bis zu Rib-Eye-Steak mit Sesam-Möhrchen. Das Werk heißt "Verrückt nach Herd". Ausgerechnet darin kommt Alexander Grundler zu Wort, der sich selbst als "Küchenlegastheniker" bezeichnet. Hauptberuflich strickt der Öffentlichkeitsarbeiter im Rathaus gerade den Online-Auftritt der Stadt um. Mitte Juli soll die neue Homepage stehen.
Doch Grundler ist auch Behindertenbeauftragter der Stadt. In dieser Funktion lernte er vor etlichen Jahren Volker Westermann auf einer Reha-Messe kennen und freundete sich mit ihm an. Westermann hatte damals schon seine Kochshow "Dinner for everyone" auf Kabel 1. Er ist mit Glasknochen zur Welt gekommen. Das hat seine Leidenschaft fürs Kochen aber nie gebremst. In seiner TV-Sendung erstellen immer ein Behinderter und ein Promi gemeinsam ein Menü. Grundler stand zusammen mit Comedian Bodo Bach an den Töpfen und bereitete Rouladen zu.
"Vor ein paar Monaten hat Volker wieder angerufen und gesagt, er gibt ein Kochbuch raus, in dem Behinderte über Essen und Genießen sprechen sollen. Schwuppdiwupp war ich auch schon drin," erklärt Grundler. Der 42-Jährige gibt offen zu, dass er zu Hause lieber kochen lässt und dabei Frau und Kindern Kommandos gibt. "Meine Lieblingsspeise, Lachsnudeln, kriege ich aber selber hin."
Sicher, es gibt kompliziertere Rezepte, aber für einen Rollstuhlfahrer mit beeinträchtigter Feinmotorik ist die Küche zunächst mal nicht der bequemste Lebensraum. Womit Grundler gleich bei einem Leib- und Magenthema ist: "Es gibt immer noch zu wenig Barrierefreiheit, sei es in der Stadt oder in Restaurants", verkündet er auf einer Doppelseite. "Kochen ist für mich Selbstbestimmung und Überwindung zugleich."
Ähnlich geht es anderen Menschen, die blind, gelähmt oder mit Trisomie 21 geboren sind. Sie schildern neben Grundler im Buch ihre Herd-Erfahrungen.
Die knapp 30 vorgestellten Gerichte sind Volker Westermanns Lieblingsrezepte, alle bebildert in unkomplizierter Sprache. Was Grundler gut gefällt, ist ein Gedanke dahinter: "Wir haben in Deutschland oft die Denke: Der kann das nicht. Kochen kann ein kleiner Anreiz sein, zu zeigen, dass er doch was kann." Zum Beispiel wenn Behinderte bei einem Handwerk wie Braten, Pürieren oder Anrichten Talente beweisen, die keiner auf Anhieb mit ihnen in Verbindung bringt.
Gut möglich, dass Alexander Grundler das demnächst öfter im Kollegenkreis tun muss. Den "Küchenlegastheniker" nimmt man ihm beim Durchblättern des 104 Seiten starken Buchs (Hampp-Verlag, 9,90 Euro) jedenfalls nicht mehr so leicht ab.













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