17.09.2019 - 16:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Almesbach ist im Umbruch

Die Umstrukturierung der Bayerischen Lehr-, Versuchs- und Fachzentren wie Almesbach läuft. "Unsere ureigensten Aufgaben bleiben unverändert", sagt Leiter Helmut Konrad. Doch es kommen neue Aufgaben hinzu.

Im Kälberstall werden die Jungtiere per "Getränkeautomat" mit der notwendigen Milch versorgt und zugleich überwacht. Die Tiergesundheit steht im Vordergrund erfährt Landtagsabgeordnete Annette Karl von Helmut Konrad (rechts) und Helmut Bamler.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Zugleich soll die Einrichtung zehn Prozent ihrer Stellen nach Ruhstorf abgeben. Ein Punkt, der Helmut Konrad Kopfzerbrechen bereitet, als Landtagsabgeordnete Annette Karl (SPD) bei ihrem Besuch am Montag nachhakt. In welchen Bereichen der Personalabbau stattfinden soll, sei noch nicht ganz klar, sagt er. "Er soll auf jeden Fall sozialverträglich erfolgen."

Bei insgesamt 27 Beschäftigten in Almesbach wären rein rechnerisch 2,7 Stellen betroffen. Das klingt zwar im ersten Moment nach nicht viel. Doch dieses 10-Prozent-Minus würde durchaus wehtun, "weil wir in den letzten Jahren bereits 20 Prozent unserer Arbeitskräfte eingespart haben", gibt Konrad zu bedenken. Deshalb werde man versuchen, den Personalabbau durch Optimierung oder Haushaltseinsparungen in anderen Bereichen unter 1,0 zu drücken. Für den Abbau sei außerdem Zeit bis 2026/2027.

Von den drei Aufgabenfeldern Versuchsprojekte, Bildung sowie Landwirtschaft mit Schwerpunkt auf Milchviehhaltung wird Almesbach nichts abgeben, betonte Konrad. Mit der Arbeitszeiterfassung für alle Standorte der Bayerischen Staatsgüter in Bayern übernehme die Einrichtung im Weidener Osten sogar noch eine neue Aufgabe. Er setze darauf, die Neuaufstellung in der Verwaltung durch optimierte Organisation und Digitalisierung zu erreichen.

"Uns interessiert vor allem, wie man unter den veränderten Rahmenbedingungen die bisherige Qualität erhalten kann", betonte Annette Karl für die Genossen. Die Umstrukturierung dürfe nicht zu einem Sparprogamm werden. "Es ist eine Herausforderung", gestand Konrad. "Aber wenn der gemeinsame Wille da ist, werden wir das Ziel erreichen." Er sei zuversichtlich, dass ein großer Anteil der Sparmaßnahmen abgefangen werden könne. So sei Almesbach beispielsweise dabei, gemeinsam mit dem Maschinenring ein Mechanisierungskonzept zu erarbeiten, und auch durch den Einsatz erneuerbarer Energien ließen sich Einsparungen erzielen.

Der Lehrgangsbetrieb wird nach den Worten von Helmut Bamler, Lehrgangsleiter und Fachberater für Rinderhaltung, unverändert fortgesetzt. Dazu zählt neben der Ausbildung von dualen Studenten, Tiermedizinstudenten und Studenten der Universität Weihenstephan auch die Schulung von Leistungsoberprüfern für Kühe. Sie sind zuständig für die Zuchtauswahl, wobei es immer mehr darum gehe, Erbkrankheiten auszuschließen. "Die Tiergesundheit steht im Vordergrund, nicht wie früher die Leistung."

Seit 1949 wird in Almesbach die überbetriebliche Ausbildung in Tierhaltung angeboten. Die Kurse, zu denen Teilnehmer aus ganz Bayern anreisen, laufen bis zu 22 Wochen im Jahr. Über das Bildungsprogramm Landwirt (BiLa) werden außerdem vor allem samstags Lehrgänge angeboten, in denen sich Landwirte aus ganz Bayern auf dem zweiten Bildungsweg fortbilden. Auch die Wildhalter- und Klauenpflegerkurse sind gefragt. Nicht zustande gekommen ist in diesem Jahr an der Höheren Landbauschule ein neuer Ausbildungsjahrgang zum staatlich geprüften Agrarbetriebswirt, weil zu wenig Anmeldungen eingingen.

Was Konrad gegenüber der Landtagsabgeordneten beklagte, war die "absolut fehlende Wertschätzung vieler Bevölkerungsteile der Landwirtschaft gegenüber. Das tut richtig weh." Vor allem die Stadtbevölkerung kreide den Bauern Fehler an, die sie gar nicht zu verantworten hätten. Dabei werde der Beitrag der Landwirte zum Klima- und Umweltschutz oft nicht wahrgenommen. "Aus einem Hektar Silomais entstehen 4000 Kilogramm Sauerstoff pro Jahr." Wie Almesbach mit erneuerbaren Energien zum Umweltschutz beiträgt und wie hochtechnisiert die Milchviehhaltung betrieben wird, das zeigten Konrad und Bamler ihrem Gast aus dem Bayerischen Landtag bei einem Rundgang über das Betriebsgelände.

Bis zu 16 Kühe können im Melkstand in Almesbach gleichzeitig gemolken werden. Wie das funktioniert, erklären (von rechts) Lehrgangsleiter Helmut Bamler und Helmut Konrad der Landtagsabgeordneten Annette Karl.
Hintergrund:

Bayerische Staatsgüter "in Gründung"

Das Bayerische Kabinett hat 2016 die Umstrukturierung der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) sowie der Bayerischen Staatsgüter beschlossen. Dafür wurde im niederbayerischen Ruhstorf an der Rott eine neue LfL-Zweigstelle eingerichtet, an die nach und nach 200 Beschäftigte aus dem Großraum München verlagert werden. Die Bayerischen Staatsgüter, die früher als sogenannte Bruttostaatsbetriebe wie eine Behörde verwaltet wurden, werden in sogenannte Nettostaatsbetriebe – also eigenständige Staatsbetriebe – umgewandelt. Darunter fallen die sieben Lehr-, Versuchs- und Fachzentren inklusive Nebenbetriebe sowie die sieben Versuchsbetriebe in Bayern. Ziel ist es, Wirtschaftlichkeit und Effizienz zu erhöhen. Im Moment firmieren die Einrichtungen unter dem Begriff Bayerische Staatsgüter in Gründung. Die endgültige Umstellung soll im Januar 2020 abgeschlossen sein, dann fällt der Zusatz „in Gründung“ weg.

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