Weiden in der Oberpfalz
24.07.2018 - 21:13 Uhr

Alte Pilzbücher sind überholt

Pilzfachberater Norbert Griesbacher stellt bei "Stangl & Taubald" sein Buch "Schwammerlsuche in Bayern" vor

Pilz-Papst Norbert Griesbacher und sein Leitfaden über Pilze in Bayern. Kunz
Pilz-Papst Norbert Griesbacher und sein Leitfaden über Pilze in Bayern.

(uz) Wer jetzt zum Schwammerlsuchen in den Wald geht, wird kaum etwas finden. "Zu heiß die letzten Wochen", sagt Pilzberater Norbert Griesbacher, der sein geballtes Fachwissen in ein Buch gepackt hat: "Schwammerlsuche in Bayern - heimische Pilze sammeln, sicher erkennen, sicher bestimmen und verarbeiten". Das Werk hat er jetzt in der Buchhandlung "Stangl & Taubald" vorgestellt. Tatsächlich winzig war dabei die Sammlung an Frischpilzen, die er mitgebracht hatte. "Ich bin an den besten Plätzen vorbeigegangen. Aber es hat halt in den letzten vier Wochen nicht geregnet."

Griesbacher ist seit 1979 ehrenamtlicher Pilzfachberater der Stadt. Und er ist Mitbegründer der Bayerischen Mykologischen Gesellschaft. Die Zeit der Pilze komme erst, sagt er. Der beste Monat zum Schwammerlsuchen sei der September, wenn der Bodennebel die Waldböden befeuchtet. Der eigentliche Fruchtkörper, den man sammle, sei ja gar nicht der Pilz. Der ziehe sich wie Fäden oder Spinnweben durch den Boden. "Wenn ich den Pilz pflücke, mache ich nichts kaputt. Ich zerstöre ihn nur, wenn ich drauf herumtrample."

"Ich habe in den letzten drei Jahren dieses Buch geschrieben, mit über 160 Pilzarten darin", berichtet er. Dabei habe er sich auf die Region beschränkt, sagt Griesbacher. "Nur Pilze, die für den Speisepilzsammler interessant sind." Gut die Hälfte der aussagekräftigen Bilder hat Griesbacher selbst geknipst, den Rest haben ihm Pilzberater aus ganz Bayern zukommen lassen. "Das Besondere in meinem Buch ist die Aussage über den Speisewert des jeweiligen Pilzes." Wer ältere Bücher, etwa aus den 80ern besitzt, könne die getrost beiseite legen. "Dort heißt es nur: ist essbar. Das ist überholt." Heute wolle man wissen, welcher Pilz krebserregend sei, Allergien hervorrufe oder auf neurologischem Gebiet Probleme bereite. "Die Wissenschaft hat sich weiterentwickelt. Ich habe die neuesten Erkenntnisse der Medizin verarbeitet." Dem Thema "Verwechslung" widmet Norbert Griesbacher ein eigenes Kapitel.

Das Buch ist handlich, also dafür geeignet beim Schwammerlsuchen im Wald dabei zu sein. Beschrieben sind zwei seiner Lieblingsrezepte. Griesbacher arbeitet auch dem Sterne-Koch Alexander Herrmann zu. Was die Radioaktivität angeht, gibt der Experte Entwarnung: Nördlich der Donau habe es 1986 unmittelbar nach Tschernobyl nicht viel geregnet. Der Verzehr von Pilzen sei unbedenklich. Anders in Südbayern. Dort lägen die Werte dreimal so hoch.


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