29.08.2019 - 12:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Amerikaner Andrew Ford Smith begeistert mit Weiden-Video

14 Videos und fast 300.000 Aufrufe: Der Amerikaner Andrew Ford Smith lebt seit November 2018 in Grafenwöhr und erreicht schon mit seinen ersten Videos viele Menschen. Er produziert bildgewaltige Liebeserklärungen an die nördliche Oberpfalz.

Andrew Ford Smith (32) mit seiner Ehefrau Chelsea White (33). Die beiden wohnen seit November 2018 in Grafenwöhr und sind in seinen Videos bei Youtube zu sehen.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Im neuesten Video von Andrew Ford Smith (32) lässt er sich durch Weiden treiben. Er radelt durch den Park, trinkt Bier, schlendert über den Wochenmarkt. Dort lernt er unter anderem die "berühmte Brot-Frau" kennen und probiert zum ersten Mal Pferdewurst – ohne es zu wissen. In anderen Videos probiert der Amerikaner Milch von einer Milchtankstelle, klettert auf den Rauhen Kulm in Neustadt am Kulm, zeigt sich verliebt in kleine Ortschaften und schneebedeckte Landschaft. Seine Videos haben dabei durchaus professionelle Qualität.

Das Weiden-Video von Andrew Ford Smith

ONETZ: Deine Frau Chelsea White und du leben seit November in Grafenwöhr. Warum seid ihr hergezogen?

Andrew Ford Smith: Viele Leute denken, ich sei Soldat. Aber wir sind wegen meiner Frau hergezogen. Sie arbeitet als Dienstleisterin für die Army.

ONETZ: War es schwer, dich zu überzeugen, nach Deutschland zu ziehen?

Andrew Ford Smith: Überhaupt nicht. Wir lieben es, zu reisen. Meine Frau ist da allerdings mutiger als ich und schon viel mehr gereist, zum Beispiel nach Ecuador, Brasilien, Europa. Das einzige Land, in dem ich selbst jemals außerhalb der USA war, ist Mexiko. Ich dachte, es wird merkwürdig für mich sein, in Deutschland einen Job finden zu müssen. Aber ich wusste auch, dass es eine gute Gelegenheit sein würde, zu reisen. Reisen ist etwas, dass die Menschen in den Vereinigten Staaten nicht viel tun. Man bekommt vielleicht einmal im Leben die Möglichkeit, nach Europa zu reisen, für wenige Wochen. Aber es war natürlich hart, die Familie zurückzulassen.

Andrew Ford Smith probiert im Video eine Rosswurst - und weiß erst gar nicht, was für eine Wurst er da isst.

ONETZ: Was gefällt dir an der nördlichen Oberpfalz?

Andrew Ford Smith: Ich bin in einer ländlichen Kleinstadt aufgewachsen, ganz ähnlich wie die Orte hier. Ich habe zwar zuletzt in San Diego gelebt, aber ich mag kleine Städte mit ihrer eigenen Persönlichkeit. Ich mag es, die Gegend ohne großen Plan zu erkunden. Ich finde es auch toll, dass jeder Ort ein kleines Zentrum hat. Das gibt es in den USA so nicht. Und ich mag besonders die Altstadt von Weiden, wo sich die Leute versammeln und fröhlich sind.

Andrew Ford Smith unterwegs in der Oberpfalz

ONETZ: Was hat dich hier in Deutschland überrascht?

Andrew Ford Smith: Wie viele Leute Englisch sprechen. Deutsch ist wirklich schwer zu lernen. Meine Frau ist darin schon etwas besser als ich. Ich sollte mich etwas mehr anstrengen.

ONETZ: Hast du schon ein Lieblings-Dialektwort?

Andrew Ford Smith: Ja, Servus. Das ist toll, so ähnlich wie "What's up".

ONETZ: San Diego liegt in Kalifornien. Es gibt Strände, das ganze Jahr Sommer, tolle Parks. Vermisst du das?

Andrew Ford Smith: Jetzt ist hier ja auch schönes Wetter. Als wir im November angereist sind, war es Winter. Ich habe noch nie vorher irgendwo gelebt, wo es schneit. Das ist sehr magisch und neu für mich. Ich fahre auch gerne Snowboard. Ich denke, man sollte das umarmen und zu schätzen wissen, anstatt eine Abwehrhaltung zu haben.

ONETZ: Du hast 14 Videos veröffentlicht und sie sind sehr professionell gemacht. Wie kommt das?

Andrew Ford Smith: Ich habe in den USA schon ein bisschen mit Videos experimentiert, hatte aber durch die Arbeit nie richtig Zeit, zu üben. Ich habe zum Beispiel mal Videoschnipsel mit Glückwünschen von Freunden und Familie zu einem Geburtstagsvideo für meine Frau zusammengefügt. Das hat viele zu Tränen gerührt, und das fühlt sich gut an. Ich habe jetzt aber mehr gelernt und möchte das professionalisieren. Ziel ist, Geld zu verdienen, indem ich Videos im Auftrag von zum Beispiel Bars, Tattoo-Studios und ähnliches mache. Ich habe Daniel Taylor kennengelernt, der ebenfalls ein bekanntes Weiden-Video gemacht hat. Er hatte einen Gastauftritt in meinem Video. Er verdient mit den Videos Geld und macht das, was ich auch machen möchte. Er hilft mir und ich kann viel von ihm lernen.

Daniel Taylor und sein Weiden-Video

ONETZ: Wer ist die Zielgruppe für deine Videos: Amerikaner oder Deutsche?

Andrew Ford Smith: Ich rede in den Videos mit den Zuschauern, als wären sie Amerikaner. Aber ich glaube, die Videos sind auch für Deutsche interessant. In den Kommentaren lese ich, dass sie es schön finden, eine fremde Perspektive auf ihre Region kennen zu lernen.

ONETZ: Ist es möglich, dass ihr dauerhaft in Deutschland bleibt?

Andrew Ford Smith: Ja, vielleicht. Wir bleiben auf jeden Fall noch zweieinhalb Jahre, vielleicht auf fünf, oder für immer. Ich fühle mich hier wirklich zu Hause, obwohl ich ein Außenseiter bin. Wir waren zum Beispiel auch in Prag. Wenn ich zurück in die Oberpfalz komme, ist es wie nach Hause kommen.

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