11.02.2019 - 17:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ankämpfen so lange es geht

Knapp vier Millionen Euro Defizit im Jahr 2017 und rund zwei Millionen Miese im vergangenen Jahr. Zeit für die Kliniken Nordoberpfalz AG, die Notbremse zu ziehen. Und diese hat einen Namen: "Zukunftskonzept 2020".

Das "Zukunftskonzept 2020" der Kliniken Nordoberpfalz AH steht. Vorstand Josef Götz (von links), OB Kurt Seggewiß sowie die Landräte Wolfgang Lippert und Andreas Meier sowie Pressesprecher Michael Reindl stellten es am Montag vor.
von Volker Klitzing Kontakt Profil

Seit Monaten ist darüber diskutiert worden. Am Wochenende hat der Aufsichtsrat nun bei einer zweitägigen Klausurtagung ein umfangreiches Maßnahmenpaket beschlossen. Damit soll die flächendeckende Grundversorgung erhalten bleiben, das hochwertige medizinische Angebot noch ausgebaut und die Wirtschaftlichkeit verbessert werden, sagte der Tirschenreuther Landrat und Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Lippert am Montag bei einer Pressekonferenz. Zu betriebsbedingten Kündigungen werde es dabei nicht kommen.

Am stärksten betroffen ist der Standort Waldsassen. Vorstand Josef Götz kündigte an, dass es die stationäre Akutversorgung dort in der jetzigen Form nicht mehr geben wird. An ihre Stelle tritt ein Intersektorales Gesundheitszentrum (IGZ). Mit 15 bis 20 Plätzen soll eine erweiterte ambulante Versorgung aufgebaut werden, die den Patienten eine wenige Tage dauernde stationäre Behandlung in Waldsassen ermöglicht. Unberührt von dieser Maßnahme bleiben laut Götz die 50 Betten der orthopädischen Rehabilitation. Trotzdem besteht auch hier Handlungsbedarf. Das Defizit von 300000 Euro trägt zunächst der Landkreis Tischenreuth. Der Landkreis Neustadt/WN beteiligt sich einmalig mit einer Summe von 125000 Euro.

Landrat Andreas Meier verweist auf die gemeinsame Trägerschaft. "Wir lassen uns nicht auseinanderdividieren." Es sei versucht worden, Gräben aufzureißen, sagte er. "Das ist aber nicht gelungen." Er erinnerte daran, dass auch das Krankenhaus Eschenbach in schwieriger Situation vom Landkreis Tirschenreuth mit 125000 Euro unterstützt worden sei. Auch Oberbürgermeister Kurt Seggewiß verwies auf die Einheit trotz des Gegenwindes vor allem von der Bundesebene, die kleinere Häuser wegblasen wolle. "Dagegen werden wir ankämpfen so lange es geht."

Um die Einnahmeseite zu verbessern, will die Kliniken AG vor allem in den Bereichen Pneumologie, Onkologie und Infektionologie zusätzliche Leistungen anbieten. Etliche Maßnahmen betreffen den Fachkräftemangel. Die Zahl der Klinikstudenten wird von 30 auf 50 erhöht, in Verbund auch mit ausländischen Universitäten sollen mehr Medizinstudienplätze geschaffen werden. An der OTH in Weiden ist ein neuer Studiengang geplant: Physician Assistance ist zwischen den Pflegekräften und den Ärzten angesiedelt. Zum 1. April soll ein zusätzlicher Ausbildungskurs für Pflegekräfte starten. Allen Absolventen des im Sommer zu Ende gehenden Kurses ist bereits die Übernahme zugesagt.

Kritisch sehen die Arbeitnehmervertreter die Gründung einer Dienstleistungsgesellschaft für Wirtschaftsbetriebe. Dies trifft vor allem Leistungsbereiche wie Küche und Bettenzentrale, die mit Hilfe von Kooperationspartnern reorganisiert werden sollen. Das heißt nichts anderes als Ausgliederungen. Neue Arbeitnehmer aus diesen Bereichen würden nicht mehr nach Tarifen des Öffentlichen Dienstes bezahlt.

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