03.01.2019 - 14:45 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Anklage vermisst Reue

52 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern werden dem Mann aus dem nördlichen Landkreis Tirschenreuth vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre Haft.

Symbolbild.
von Autor hczProfil

Vier Jahre möchte Staatsanwaltschafts- Gruppenleiter Hans-Jürgen Schnappauf den 45-Jährigen hinter Gittern sehen, der von 2011 bis 2016 zwei Buben seiner Lebensgefährtin sexuell missbraucht haben soll. Keinen Zweifel gibt es, laut Schnappauf, an der Glaubwürdigkeit der mittlerweile 23 und 15 Jahre alten Burschen, die sich vor eineinhalb Jahren ihrer Lehrerin und daraufhin ihrer Mutter anvertraut hatten.

Seit seinem zwölften Lebensjahr habe er von dem Mann manuelle und orale Angriffe auf sein Geschlechtsteil erdulden müssen, hatte der Ältere berichtet. Ab dem achten Lebensjahr sei es bei ihm los gegangen, hatte der Jüngere gesagt. Auf der Couch, im Bett und in der Badewanne sei es geschehen. Beide Buben hatten lange Zeit einen Vater- Ersatz in dem ledigen Zimmerer aus dem nördlichen Landkreis Tirschenreuth gesehen. Diese Ausnutzung des Vertrauensverhältnisses wertete der Anklagevertreter als besonders verwerflich. Zugute hielt Schnappauf dem Mann, dass er bisher ohne Vorstrafen sozial eingeordnet gelebt hatte. Erschwerend müsse sich jedoch auswirken, dass er keinerlei Einsicht gezeigt habe und nicht zu seinen Taten stehe. „Eine bessere Investition in die Strafzumessung wäre es gewesen, zu gestehen, sich bei den Geschädigten zu entschuldigen und Reue zu zeigen, als sich stattdessen mit drei Verteidigern gegen die Aufklärung des Falles zu wehren“, so Schnappauf.

In dem, bisher sechs Tage andauerndem, Prozess hatten die Rechtsanwälte Rouven Colbatz (Weiden) sowie Philip Müller und Florian Zenger (beide: München) nichts unversucht gelassen, belastende Zeugenaussagen zu verhindern oder unglaubwürdig erscheinen zu lassen. Der Umgang mit, von ihnen eingebrachten Entlastungszeugen, könnte unter Umständen zumindest als fragwürdig bezeichnet werden. Die Großmutter des jüngeren mutmaßlich Geschädigten war zusammen mit dem Angeklagten in ihre Kanzlei nach München gefahren, hatte bei ihrer Zeugenvernehmung zuerst vehement verneint, den Angeklagten gesehen zu haben und – ebenso wie später ihr Lebensgefährte - dem Gericht weitere offensichtlichen Lügen aufgetischt. Am ersten Verhandlungstag – vor circa acht Wochen – hatten Müller und Zenger vergeblich versucht zu verhindern, dass eine, vor der Polizei gemachte, Aussage ihres Mandanten in den Prozess eingeführt wird.

Die Nebenklagevertreter Carola Rosenberger und Ralph Teubner wiesen auf die Konstanz der Aussagen ihrer Mandanten hin. Ein unterstelltes Komplott, dass die Mutter der Geschädigten sich mit ihren Kindern verschworen hätte, ihren Lebensgefährten hinter Gitter zu bringen, verwies Teubner ins Reich der Fantasie. Die drei Verteidiger des Angeklagten werden am Freitag, 11. Januar, plädieren. Dann werden voraussichtlich die Richter der 3. Strafkammer des Landgerichts, Reinhold Ströhle und Peter Werner, das Urteil fällen.

Bittere Klage des Staatsanwalts:

Schnappauf: Gesetze nur zum "Täterschutz"

„Deutschland braucht sich nicht zu wundern, wenn das Land zum Rückzugsort für Salafisten, Mafiosi und deren Angehörige wird“, ereiferte sich Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Hans-Jürgen Schnappauf in seinem Plädoyer im Missbrauchsprozess. Seit 30 Jahren sei er im Dienst der Justiz, befasse sich seit zehn Jahren mit Sexualstraftaten – und seither habe er nur ständig neue Gesetze erlebt, die dem Täterschutz dienten.

Im aktuellen Fall hatten die Verteidiger des 45-Jährigen versucht, die Verwertung der Aussage ihres Mandanten zu verhindern – mit der Begründung, dieser sei nicht darüber belehrt worden, dass er die Kosten seiner Verteidigung selbst übernehmen müsse, falls er schuldig gesprochen werde. Eine entsprechende Vorschrift war auf Weisung der EU wenige Tage vor der Festnahme des Mannes ins Gesetz eingefügt worden und die Belehrung darüber von den Polizisten versäumt worden. In seiner ersten Vernehmung hatte der Beschuldigte selbst einen Vorfall zugegeben.

„Hier soll ein Täter nicht verurteilt werden, nur weil Polizisten ihn nicht darüber belehrt haben, dass er seine Verteidiger selbst bezahlen muss, wenn er schuldig ist?“, fragte der Anklagevertreter. Die ständig neu erscheinenden „Täterschutz-Gesetze“ dienten auch dazu, dass findige Rechtsanwälte immer mehr verdienten, so Schnappauf. „Kein Wunder: Sind doch auch knapp 200 Anwälte im Bundestag vertreten.“

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