30.08.2020 - 10:41 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Anna Betz nach acht Monaten in Ecuador zurück in Weiden

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Die Rothenstädterin Anna Betz arbeitete für das "Weltwärts"-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Ecuador. Nun ist sie zurückgekehrt und um viele Erfahrungen reicher.

Anna Betz vor dem Weltladen in der Türlgasse. Das Schaufenster mit Ecuador-Bezug hat sie gestaltet.
von Helmut KunzProfil

Was Anna Betz am meisten an ihrem Gastland begeistert hat, ist die Offenheit der Menschen vor Ort. Knapp acht Monate lang lebte und arbeitete die sie in der Küstenregion von Ecuador. Nach ihrem Abitur am Kepler-Gymnasium hatte sie sich für die Teilnahme am „Weltwärts“-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung entschieden. Sie wollte sich an sozialen Projekten in dem südamerikanischen Land engagieren. Ermöglicht wurde der Aufenthalt von der Erzdiözese München-Freising als Träger des Projekts.

„Ich hatte mich für mehrere Projekte interessiert und auch bei unterschiedlichen Organisationen nachgefragt.“ Schlussendlich war die Entscheidung der Rothenstädter Ministrantin auf die christliche Variante gefallen. Auf den Tag genau ein Jahr nachdem sie 2019 ins Flugzeug gestiegen war, plaudert die Rothenstädterin jetzt über ihre Erfahrungen, die sie in Südamerika gesammelt hat. Eigentlich sollte der Aufenthalt ein komplettes Jahr lang dauern. Dann kam die Corona-Pandemie dazwischen.

„Ich habe hauptsächlich im sozialen Bereich gearbeitet. Eine meiner Hauptaufgaben war die Altenspeisung. Wir haben gekocht und das Essen verteilt. Anfangs habe ich in einer Schule mitgeholfen. Ich gab Deutsch-Sprachkurse für ältere Menschen, meist spaßiger Natur. Außerdem habe ich in einer Zahnarztpraxis mitgearbeitet. Im Grunde durfte ich selbst entscheiden, was ich machen wollte. Es war wirklich toll.“

Die Landessprache hatte sie sich unmittelbar vor ihrer Reise im Selbststudium beigebracht. Allerdings reichte das autodidaktische Lernen gerade einmal für erste Kontaktaufnahmen. „Dadurch, dass wir in Quito einen dreiwöchigen Sprachkurs hatten und wir in Gastfamilien lebten, konnte wir uns schon nach einem Monat über einfache Dinge unterhalten.“ Inzwischen spricht die Rothenstädterin recht gut Spanisch. „Nicht perfekt. Aber ich kann mich flüssig unterhalten.“

Mit drei weiteren Freiwilligen war Anna Betz in den Anden-Staat am Pazifik gereist. „In der Hauptstadt Quito gab es zwei Ansprechpartner für uns, die von der Organisation angestellt waren. Die haben uns immer auf dem Laufenden gehalten." Als sich die Corona-Gefahr abzeichnete, habe Quito die Deutschen noch beruhigt. "Ab 1. März ging dann alles blitzschnell." Zehn Tage später habe die Gruppe dank der Rückholaktion der Bundesregierung im Flieger gesessen. „Die Mitarbeiter in Quito hatten uns geholfen, die Rückflüge zu organisieren und auch den Transport zum Flughafen in die Wege geleitet, was der schwierigere Teil war.“

Wegen des Projekt-Abbruchs fiel auch der geplante Besuch der Eltern ins Wasser. Die Flugtickets für Mai waren schon gebucht, schildert Vater Thomas Betz, der zusammen mit seiner Ehefrau die Pläne seiner reiselustigen Tochter unterstützt. Obwohl: „Wir wussten, dass es unsere Tochter in die weite Welt hinaus zieht. Dass es aber Südamerika werden sollte, haben wir anfangs schon etwas kritisch verfolgt." Dank der neuen Medien konnte man trotz der riesigen Entfernung in ständigem Kontakt bleiben.

Der Aufenthalt in der Stadt Sucre, zwischen Quito und Guayaquil gelegen, sei bestens organisiert gewesen. „Uns war wichtig, dass unsere Tochter auch in Ecuador deutschsprachige Betreuer hatte.“ Anna Betz: „Betreut wurden wir von einer Ecuadorianerin, die über unser Programm einen Freiwilligendienst in Deutschland geleistet hatte." Ferner gab es noch einen Deutschen vor Ort, der sich um die organisatorische Dinge kümmerte. „Das war in der Krise hilfreich. Ich weiß von anderen Organisationen, da waren die Freiwilligen auf sich allein gestellt.“ Auch die Eltern hatten in München eine Ansprechpartnerin.

"Unsere Tochter ist an dieser Reise gewachsen", macht Papa Thomas Betz deutlich. Auch Anna Betz glaubt, dass sie ihre Erfahrungen verändert hätten. Selbstbewusster sei sie geworden. Und gelassener. „Ich sehe die Welt jetzt mit anderen Augen.“ Es bereichere einen schon, wenn man andere Lebensstile und fremde Menschen kennen lerne. Was an Ecuador anders sei? „Schwierig zu sagen. Mir sind eher die Gemeinsamkeiten aufgefallen. Die Menschen verhalten sich in Ecuador genauso wie die Leute hier in Deutschland.“ Natürlich gebe es Unterschiede in der Mentalität. Auch einige Sichtweisen seien anders. „Aber das muss man selbst mitbekommen haben.“ Sie habe Erfahrungen gesammelt, die viele in ihrem Alter noch nicht gemacht hätten.

Ich sehe die Welt jetzt mit anderen Augen.

Anna Betz

Erlebnisse hatte sie viele, sagt sie. "Ich glaube, es ist einfach schön, diesen Alltag mitzuerleben." Das Land nicht als Tourist zu erkunden, sondern wirklich dort zu leben, die Menschen kennen zu lernen. Vor allem aber, dass man von den Einheimischen als Mensch wahrgenommen werde und nicht als Tourist. "Einfach so dazuzugehören ist das Schönste." Sie habe sich überwiegend in Sucre aufgehalten. "Hier fand sich ein kleiner Kreis von Leuten, da hat man sich schneller kennengelernt." Natürlich habe sie vor, wieder nach Ecuador zu reisen und ihre neuen Bekannten zu besuchen. Die drei weiteren Freiwilligen habe sie während ihres Aufenthalts aus den Augen verloren. Die waren in anderen Orten eingesetzt. "Wir haben uns nur in Quito gesehen."

Nach der abrupten Rückkehr nach Deutschland stand Anna Betz erst einmal vor dem Nichts. "Es herrschte ja völliger Lockdown." Anleitungen, wie die Rückkehrer in der Heimat wieder klar kommen könnten, habe sie anfangs noch über Online-Seminare erhalten. "Das wurde mir dann zu langweilig. Irgendwann habe ich mich im Weltladen gemeldet und angefragt, ob die Unterstützung brauchen könnten."

Zurzeit arbeitet Anna Betz in der Türlgasse, wo sie auch ein Schaufenster mit vielen Eindrücken und Gegenständen aus Ecuador ausgestaltet hat. „Diese Arbeit knüpft an meine Erfahrungen an. Die Dinge, die ich gesehen habe, helfen mir jetzt dabei, die Hintergründe meiner aktuellen Tätigkeit besser zu verstehen." Der Weltladen sei allerdings nur eine Zwischenstation. Anna Betz möchte ab November Zahnmedizin studieren.

Wie es den Menschen in Ecuador heute ergehe? Ihre Organisation unterstütze von der Coronakrise Betroffene. „Sie fahren raus aufs Land und bringen den Leuten Essenspakete und Hygieneartikel. Zur Arbeit gehen können die Menschen nicht, weil es derzeit keine gibt. Es geht ums Überleben.“ Natürlich sei die Situation in Ecuador ungleich kritischer, als sie hier in Deutschland ist. Schon die Gesundheitsversorgung sei viel schlechter. „Ich bin froh, wieder hier in Deutschland zu sein." Denn wie sie über Kontaktpersonen erfahren habe, würden in Ecuador Einheimische den Fremden in Krankenhäusern bei Behandlungen vorgezogen.

Vor einem Jahr ging die Rothenstädterin nach Ecuador

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