02.12.2019 - 08:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Ansprechpartner, Unterstützer, Trostspender: Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern

Stress mit den Eltern, keinen Bock auf Schule, keine Freunde. Jugendliche kämpfen in ihrer Entwicklung oft mit Problemen, die sie kaum bewältigen können.Wege aus diesen Krisen bieten Beratungsstellen für Kinder, Jugendliche und Eltern.

Ein starkes Team für starke Unterstützung: Regina Träger (von links), Ursula Breinbauer und Gunter Hannig, Leiter der Beratungsstelle.
von Julia Hammer Kontakt Profil

Ein offenes Ohr, Gespräche, Verständnis. „Wir hören zu, sind Ansprechpartner, Berater und in manchen Fällen Vermittler“, erklärt Gunter Hannig, Dipl.-Psychologe und Leiter der Beratungsstelle Weiden– Neustadt/WN. Das Angebot der Einrichtung, deren Träger die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg ist, ist breit. Neben der Hilfe für Jugendliche berät das multiprofessionelle Team auch Eltern in Erziehungsfragen und un

terstützt Kinder, die Sorgen in der Schule, zu Hause oder mit Freunden haben. Zudem beraten die Experten Personen, die am Erziehungsprozess beteiligt sind: Lehrer, Betreuer, Vertrauenspersonen.

„Einen Schwerpunkt stellt die Jugendarbeit dar“, betont Ursula Breinbauer, Dipl.-Sozialpädagogin. Um die „Hürde“ für die Hilfesuchenden so gering wie möglich zu halten, ist das Angebot niederschwellig. Das bedeutet, Ratsuchende können sich entweder telefonisch an die Mitarbeiter wenden oder direkt zu der Beratungsstelle in der Weidener Innenstadt kommen, um einen Termin zu vereinbaren. „Bei Eltern ist das anders. Es gibt immer erst ein Telefonat. So erhalten wir einen ersten Eindruck, um welches Problem es sich handelt, und besprechen im Team, welche passende Hilfe wir anbieten können“, erklärt Breinbauer. Auch beim Erstkontakt durch ein Telefonat sei die Hemmschwelle geringer. „Jeder hat einen gesetzlichen Anspruch auf eine Beratung. Unser Angebot ist kostenlos. Wir wollen Ansprechpartner für jeden sein. Auch anonym.“ Selbst Jugendliche haben diesen Rechtsanspruch. Ab dem 14. Lebensjahr dürfen sie die Beratungsstelle ohne Zustimmung der Eltern aufsuchen. „Die Erfahrung zeigt, dass es entscheidend ist, ob Jugendliche freiwillig zu uns kommen oder von ihren Eltern hergebracht werden. Ist das der Fall, fällt der Zugang zu ihnen oft schwer, sie sind verschlossen“, sagt Hannig. Wie gut das Angebot angenommen wird, zeigt das Jahr 2018. Rund 500 Personen suchten Hilfe bei der Beratungsstelle, 20 Prozent davon waren Jugendliche. „Die Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben, sind unterschiedlich. Ärger in der Familie, Abnabelungsprobleme, Schwierigkeiten in der Schule, Zukunftsängste, Selbstzweifel. Auffallend ist, dass sich die Themen in den vergangenen Jahren geändert haben. Scheidung und Trennung sind große Bereiche. Aber auch Schwierigkeiten, die mit dem gesellschaftlichen Wandel einhergehen“, erklärt Hannig.

Verlust der realen Welt

Während Kinder im Schulalter oft unter Leistungsdruck leiden, fallen Jugendliche immer häufiger durch „riskantes Verhalten“ auf. „Aggressives Verhalten, Alkohol, Drogen, Leistungsängste, Selbstverletzungen und ein riskanter Medienkonsum.“ Der Unterschied zu früher: „Damals waren die Jugendlichen im Alter von 14 bis 16. Heute sind sie zwischen 11 und 13. Wir erklären uns das unter anderem durch die veränderte Mediennutzung und die zunehmende Durchlässigkeit innerhalb der Altersstufen. Oft haben junge Menschen ältere Freunde – und kommen so beispielsweise leicht an Alkohol“, erläutert der Leiter der Beratungsstelle. Auch der Verlust der realen Welt trage zu den Sozialisierungsproblemen bei. Instagram, Influencer, überwiegend digitaler Kontakt zu den Mitmenschen.

„Das setzt die Empfindsamkeit enorm herab, die emotionalen Leistungen nehmen ab, Betroffene empfinden weniger Empathie“, sagt Breinbauer. Umso wichtiger sei es, durch Gespräche eine Verbindung zu den Jugendlichen aufzubauen und sie „die Realität wieder als Realität erfassen zu lassen“, ergänzt Hannig. „Ein Smartphone ersetzt keine menschliche Beziehung. Uns ist wichtig, schnelle Hilfe zu geben. Deshalb erhalten Ratsuchende innerhalb von ein bis zwei Wochen einen Termin.“ Breinbauer betont: „Es hilft, mit neutralen Personen zu sprechen. Familie stellt im jugendlichen Alter keine Neutralität dar. In solchen Fällen sind wir gerne Ansprechpartner.“

Neues Angebot: Offene Sprechstunde für Jugendliche

Ursula Breinbauer weiß, wie wichtig es ist, ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme von Jugendlichen zu haben, sie ernst zu nehmen und ihnen zu helfen. Deshalb etablierten sie und ihr Team die Offene Sprechstunde in der Beratungsstelle. Jeden Freitag bieten sie Jugendlichen von 13 bis 15 Uhr Erstgespräche an. „Mit diesem Angebot wollen wir es Jugendlichen noch leichter machen, zu uns zu kommen. Unkompliziert und ohne Zwang. Unsere Tür steht offen – für jeden.“ Das Leistungsspektrum der Beratungsstelle ist groß. Neben der gezielten Hilfe für Jugendliche bietet das multiprofessionelle Team, bestehend aus 2 Psychologen, 1 Pädagogin und 3 Sozialpädagoginnen, Unterstützung für Eltern von „Schreibabys“ an. Kinder mit Regulationsstörung bereiten Eltern oft Kopfzerbrechen und scheinbar unlösbare Fragen: Was soll ich tun, wenn mein Kind nicht richtig schläft, kaum isst, keinen Augenblick alleine sein kann? Die speziell ausgebildeten Mitarbeiter helfen bei gezielten Erziehungs- und Entwicklungsfragen von Säuglingen und Kleinkindern.

Nervenaufreibend ist manchmal auch das Familienleben mit Kindern. Erziehung ist nicht selbstverständlich, sondern basiert auf Verständnis und gegenseitiger Rücksichtnahme. Das „Familienteam“ – eine Initiative in Kooperation mit der katholischen Erwachsenenbildung – gibt allen Eltern und Alleinerziehenden von Kindergarten- und Grundschulkindern praktische Tipps und Hilfestellungen für den Alltag mit Kindern und erarbeitet Lösungen auf Fragen wie „wie unterstütze ich mein Kind in schwierigen Situationen“ oder „wie setze ich liebevolle aber konsequente Grenzen“.

Extremen Belastungen sind nicht nur Ehepartner bei Trennung und Scheidung ausgesetzt, sondern auch ihre Kinder. Um diese Konflikte nicht alleine bewältigen zu müssen, bietet die Beratungsstelle Kurse für Eltern in Trennung an – und behält dabei immer die Kinder im Blick. Denn vor allem für die Jüngsten verändert sich vieles, wenn Mutter und Vater getrennte Wege gehen. In dieser Zeit voll Zweifel brauchen sie besonders viel Zuneigung. Wie das gelingt – und wie Betroffene den Kontakt zum anderen Elternteil im Sinne des Kindes gestalten können – dabei hilft die Anlaufstelle.

Doch auch in jungen Jahren kann Hilfe notwendig sein. „Wir arbeiten mit Kindern ab vier Jahren“, erklärt Hannig. Spielerisch, locker, vertrauenswürdig. „Der Zugang zu so jungen Menschen ist oft schwer. Deshalb haben wir ein spezielles Spielezimmer, in dem sie ihre Gefühle, ihr Erlebtes kreativ durch Spiele oder gemalte Bilder ausdrücken können.“ Vertrauen in bunter Atmosphäre.

Info:

Grundsätze der Beratungsstellen

• Die Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern steht allen Ratsuchenden offen – unabhängig von Nationalität oder Religion.

• Die Ansprechpartner unterliegen der Schweigepflicht.

• Gespräche, Beratung und therapeutische Angebote sind für Ratsuchende kostenfrei.

Kontakt :

Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern Weiden/Neustadt/WN

Josef-Witt-Platz 1, Weiden

Telefon: 0961/3917400

E-Mail: sekretariat@ beratungsstelle-weiden.de

www.beratungsstelle-weiden.de

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